Den Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe haben die meisten, so das Ergebnis einer kleinen Umfrage gestern Abend vor dem Kino Cinestar im Sony-Center, nicht in der Schule schätzen gelernt. So gab sich am Rande der Premiere von "Goethe!", dem neuesten Film von Regisseur Philipp Stölzl ("Nordwand"), Schauspieler Henry Hübchen als später Fan des Dichters zu erkennen: "Ich habe Goethe nicht an der Schule oder an der Schauspielschule für mich entdeckt, sondern erst am Theater." Wer verstehen will, was er an ihm findet, dem gibt Hübchen diesen Rat: "Man muss seine Stücke und Gedichte lesen." Und vielleicht finden Schüler von heute ja wirklich einen Zugang über den Umweg durchs Kino. Hübchen: "Der Film ist es wert, dass er vor Schulklassen gezeigt wird."Komiker Michael "Bully" Herbig ("Schuh des Manitu") glaubt an den Erfolg von "Goethe!" nach dem Kinostart am 14. Oktober, was man schon daran sehen kann, dass er als Koproduzent Geld in das Projekt gesteckt hat. Er hat sich das genau überlegt: "Hier wurde zum ersten Mal ein Weg gefunden, einen Film über Goethe zu machen, der mainstreamtauglich ist." Als Koproduzent hat er sich eher passiv verhalten: "Ich habe die verschiedenen Schnittfassungen angeschaut und nur etwas dazu gesagt, wenn ich gefragt wurde."Für den Regisseur Marco Kreuzpaintner ("Krabat"), der ebenfalls als Koproduzent mit im Boot war, heißt die große Entdeckung des Kinofilms "Goethe!" (dessen früher Arbeitstitel mal "Goethe rockt!" hieß, weil Philipp Stölzl den Dichter für einen "Barock-Sponti" hielt) Miriam Stein. Die hat als die erste Liebe des von Alexander Fehling gespielten jungen Goethe ihre erste große Kinorolle übernommen. Kreuzpaintner ist begeistert: "Von ihr werden wir noch viel hören und sehen. Sie hat alles, was eine Hauptdarstellerin haben muss: Charme, Witz, Sex."Regisseur Oskar Roehler, dessen Film "Jud Süß - Film ohne Gewissen" derzeit in den Kinos läuft, hat sich gerade von einem eigenen Goethe-Filmprojekt verabschiedet. Er wollte den "Faust" verfilmen, blieb aber in den Vorbereitungen stecken: "Wenn ich merke, dass ich nicht weiter komme, nehme ich instinktiv Abschied." Seine Einschätzung von "Faust" nach intensiver Beschäftigung: "Unverfilmbar. Zumindest für mich." Und hier noch ein Beleg dafür, dass früher nicht alles besser war. Schauspielerin Jessica Schwarz lernte im Kino einen Typen kennen, mit dessen Werk sie während ihrer Schulzeit nicht belästigt wurde: "Bei uns kam Goethe in der Schule nicht vor. Erschütternd!"------------------------------Foto: Junge Liebe: Miriam Stein spielt die erste Freundin. Alexander Fehling verkörpert den Dichter.Foto: Moritz Bleibtreu kam zur Premiere ins Sony-Center.