Sie stürzt durch seine Tür, auf die Bühne und in sein Leben: Gegen so viel Schwung der bildungshungrigen Friseuse Rita kann sich Frank, Dozent für englische Literatur, einfach nicht wehren. Christine Schild und Peter Bause spielen das ungleiche Paar in dem Lustspiel "Bildung für Rita" von Willy Russell, das am Donnerstag in der Komödie am Kurfürstendamm Premiere hatte. Wer hier jedoch Klamauk erwartet, der wird enttäuscht. Spritzige und intelligente Dialoge - schließlich geht es um Bildung - sind vielmehr das Erfolgsrezept dieses Boulevardklassikers. Erzählt wird die Geschichte Ritas, die mehr will, als nur jeden Tag die Köpfe anderer Leute zu frisieren. Auf ihrer Suche nach Selbstverwirklichung raubt sie allerdings ihrem Dozenten Frank den letzten Nerv. Peter Bause spielt den frustrierten und alkoholisierten Frank mit einer Ernsthaftigkeit, die schon wieder komisch ist. Bause, in der ehemaligen DDR einer der populärsten Schauspieler, hat nach 15 Jahren Berliner Ensemble eine Entdeckungsreise in die Boulevardkomödie gewagt. Die ist ihm offenbar gut bekommen. "Bildung für Rita" ist nicht allein nur eine witzige Komödie. Das Stück verpaßt dem Publikum auf amüsante Art auch einen Schuß Nachdenklichkeit: Frank und Rita philosophieren über Literatur, die Ehe und die Bildung. Daß das nicht langweilig wird, dafür sorgt Christine Schild, die über die Bühne quirlt und hemmungslos Dozent Frank mit ihren Ansichten aus der Fassung bringt. Unbeirrbar erobert sie sich die Literatur und die englischen Klassiker. Mit Ritas zunehmender Unabhängigkeit und dem Verlust ihrer "Ursprünglichkeit" kann sich Frank jedoch nicht so recht anfreunden, da hilft ihm selbst kein Whisky mehr. Dem Premierenpublikum gefiel die Mischung zwischen Ernst und Komik: Am Ende gab's viel Beifall für Christine Schild und Peter Bause. Viola Leipoldt Täglich 20 Uhr bis zum 3. 9. in der Komödie am Kurfürstendamm.