Die Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz in Mitte dreht sich seit Freitag wieder. Kaum aber rotieren die Planeten auf dem zehn Meter hohen Stahlkoloß, schon gibt es diplomatische Verwicklungen: Auf einer Aluminiumtafel steht zwischen Bern und Belgrad "Preßburg". Der deutsche Name für die slowakische Hauptstadt Bratislava."Diese Bezeichnung ist nicht in Ordnung. Der offizielle Name unserer Hauptstadt ist Bratislava", protestiert Alexander Melsitov, Konsul der Slowakischen Republik in Berlin, gegen die deutsche Entscheidung. "Niemand hat uns in dieser Angelegenheit nach unserer Meinung gefragt", so Melsitov gegenüber der Berliner Zeitung. Der Konsul will umgehend sein Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten in Bratislava über den Vorfall informieren. "Ich bin entsetzt", reagierte auch Mittes Baustadträtin Karin Baumert (parteilos, für PDS) auf die Schreibweise der slowakischen Hauptstadt. Die Senatsbauverwaltung, die die Weltzeituhr in den vergangenen Wochen für knapp 350 000 Mark verschönern ließ, reagierte am Freitag gelassen: "Wir haben uns für die in Deutschland gebräuchlichste Bezeichnung entschieden", so Kerstin Appelshäuser, Pressereferentin von Bausenator Jürgen Klemann (CDU). Die Schreibweisen seien mit dem Sprachendienst des Auswärtigen Amtes in Bonn sowie der Senatskanzlei abgestimmt. Als Begründung für den deutschen Namen auf der Weltzeituhr führt die Bauverwaltung auch an, daß die deutsche Botschaft in der Slowakei den Namen "Deutsche Botschaft Preßburg" trägt.Auffallend ist auch die Bezeichnung auf der Weltzeituhr für die georgische Hauptstadt Tblissi. Anders als die Slowakei reagierten am Freitag die Diplomaten der georgische Botschaft in Bonn: "Tiflis ist ein alter russischer Name, der in Westeuropa übernommen wurde. Wir haben damit keine Probleme", sagt Botschaftsrätin Maja Tandshikidse. Bei der Frage nach Tiflis/Tblissi spielen auch unterschiedliche Sprachgewohnheiten in Ost- und Westdeutschland eine Rolle.Die Erbauer der Weltzeituhr finden die ständige Debatte um die Städtenamen übertrieben und können sie nicht mehr hören: "Ich rege mich nicht mehr auf. Dieselbe Diskussionen gab es zu Ostzeiten auch schon", sagt Restaurator Hans-Joachim Kunsch. Seine Firma hatte vor knapp 30 Jahren die Weltzeituhr nach Entwürfen des Künstlers Erich John auf dem Alexanderplatz errichtet und war jetzt auch für die Schönheitskur verantwortlich. Kunsch erinnert sich, daß es zu DDR-Zeiten mit Mexiko Differenzen gab. Deren Hauptstadt hatten die DDR-Oberen mit "City" schreiben lassen. Die Mexikaner protestierten, daß dies die englische Fassung sei. Die Schreibweise wurde geändert: Mexiko Stadt. Künstler Erich John sieht seine Uhr deshalb auch als "einen Spiegel der politischen Verhältnisse". Bei der Sanierung der Weltzeituhr wurden weitere Schreibweisen verändert: Alma-Ata wurde durch Almaty ersetzt, aus Aschchabad wurde Aschgabat und Leningrad heißt heute St. Petersburg. Neu verzeichnet sind unter anderem Jerusalem, Kapstadt und Oslo. Insgesamt sind auf den Tafeln Namen von 148 Städten verzeichnet. Außerdem hat sich für manchen Ort der Platz auf den Tafeln geändert, da zum Beispiel für Kiew nicht mehr Moskauer Zeit gilt. Auch der Antrieb der Uhr wurde überholt und verschlissene Teile ausgetauscht.