Presseschau zu Rückkehrplänen: Hoeneß will zurück in die Fußballfamilie

Der einst wegen einer Drogenmissbrauchsaffäre tief gefallene Fußballtrainer Christoph Daum gönnt ihm eine zweite Chance, und der Vorstandschef der Frankfurter Eintracht, Heribert Bruchhaben, würde sich freuen, wenn Uli Hoeneß „wieder fester Bestandteil der Fußballfamilie wäre.“ Noch bevor er seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung überhaupt angetreten hat, hoffen viele auf schnelle Rehabilitation des früheren FC-Bayern-Präsidenten. Am meisten Hoeneß selbst. In einer emotionalen Rede hatte er sein Comeback für die Zeit nach seiner Haft bereits angekündigt. Vor den Seinen präsentierte er sich fast schon wieder als der Alte.

Die Neigung, sich die begangenen Straftaten großzügig zu verzeihen, teilen aber nicht alle. Martin Beils spielt in der Rheinischen Post den Ball aber auch den Vereinsfunktionären zu. „Ein schwaches Bild geben die Offiziellen und Würdenträger des Fußballs ab. Die einen begrüßen Hoeneß’ Pläne zur Rückkehr ausdrücklich. Die anderen geben seit Wochen keine Stellungnahme ab, weil sie es sich nicht mit den Mächtigen im Süden verderben wollen. Sie sprechen von der Privatsache Hoeneß, obwohl es die angesichts der Schwere der Straftat und der Bedeutung des Mannes als Repräsentant des Sports nicht ist. Niemand aus der Branche wagt sich aus der Deckung und opponiert öffentlich gegen Hoeneß und seine Gefolgsleute. Das ist bedauerlich.“

Mangel an Demut?

Artur von Stein empfindet das Auftreten von Hoeneß auf der WAZ-Seite derwesten.de als unangemessen und hält Hoeneß einen Mangel an Demut vor. „Jawohl, noch ehe er auch nur einen Tag seiner dreieinhalbjährigen Haftstrafe verbüßt hat, schimpft er öffentlich über Häme, die auf ihn niedergeprasselt sei, und zugleich redet er über Hass, den er aktuell empfinde. Als sei eine millionenschwere Steuerhinterziehung nur ein lästiger Pipifax, der mal passieren könne, tritt er als jemand auf, der sich mehr als Opfer denn als Täter sieht. Angemessen? Würdevoll? Demut? Weit entfernt von alledem.“

Auf Bild.de gibt Christian Seidl Handreichungen für eine Wiedereingliederung des Verurteilten. „Resozialisierung gehört zu den Grundprinzipien des deutschen Strafrechts. Allerdings wird dabei erwartet, dass der Straftäter seine Schuld einsieht. Doch von Einsicht war in Hoeneß’ Rede nichts zu spüren. Er stellte sich als Opfer dar, von den Medien angeprangert als „Mann, der den Leuten das Geld aus der Tasche zieht, den Leuten das Geld vorenthält“. 28,5 Millionen Euro hinterzogener Steuern stellte das Gericht fest. Was also ist falsch an dieser Beschreibung? Hoeneß weiß es nicht. Er hat aber nun hinreichend Zeit, um zu der Erkenntnis zu kommen: nichts.“