Die großen Internetfirmen in den USA bieten ihren Mitarbeitern ein geradezu paradiesisches Arbeitsumfeld. Nicht aus Menschenliebe, sondern damit sie möglichst effektiv und lange arbeiten. Das Konzept ist nicht neu. Schon die Bismarck'sche Sozialgesetzgebung im 19. Jahrhundert diente diesem Ziel – hat allerdings weit darüber hinaus Gesellschaft und Politik seitdem grundlegend verändert.

Alle, ob Unternehmer oder Arbeitnehmer, profitieren davon. Das ist im Silicon Valley eher nicht so. Hier profitieren in erster Linie die Unternehmer und dann die hoch qualifizierten und entsprechend gut verdienenden Expertinnen, die in den Genuss von kostenloser Krankenversicherung und Betriebskita, freien Massagen und Mahlzeiten oder eben auch Elterngeld kommen, das es seitens des Staates nicht gibt. Eine weitere Sozialleistung sorgt nun allerdings für Aufsehen: social freezing. Denn Facebook und Apple werden künftig bis zu 20.000 Dollar zahlen, wenn junge Mitarbeiterinnen Eizellen einfrieren lassen, um sie zu einem genehmen Zeitpunkt später zu befruchten.

Anders als in Deutschland ist dieses Verfahren in Amerika bei karriereorientierten Frauen mittlerweile recht weit verbreitet, weshalb der Boston Globe gelassen kommentiert: „In beiden Firmen steht das Angebot nicht isoliert da, sondern ist eingebettet in umfassende Strategien für Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dazu gehören auch längere Elternzeiten und ein finanzieller Beitrag zur Kinderbetreuung. Das Einfrieren von Eizellen ist eine wertvolle Option für diejenigen Frauen, die das wollen. Die Firmen im Silicon Valley reagieren damit auf die Bedürfnisse junger, technologie-affiner weiblicher Arbeitskräfte.“

Die New York Times lässt Wissenschaftlerinnen (in der Tat nur Frauen) auf ihrer Internetseite das Thema diskutieren. Susan Crockin von der Georgetown Universität glaubt, dass das Einfrieren der Eier für manche Frauen die richtige Lösung ist, für andere nicht. „Aber wie bei allen medizinischen Durchbrüchen gilt: Es ist ein willkommener Fortschritt, wenn eine vernünftige und faire Politik, ihn allen zugänglich macht, die eine Familie gründen wollen.“

Zumal für Krebspatienten oder Menschen mit Erbkrankheiten. Erheblich skeptischer sieht die Soziologin Joya Misra von der University of Massachusetts das Verfahren, da es den Druck erhöhe, die Schwangerschaft hinauszuzögern. „Arbeitende Frauen sollten sich keine Sorgen um ihre Karriere machen müssen, wenn sie eine Familie gründen. Ernsthafte Investitionen in Mutterschutz und Kinderbetreuung wird es mehr Frauen – und Männern – ermöglichen, Arbeit und Familie zu vereinbaren.“

Noch grundsätzlicher kritisiert Christian Geyer in der FAZ social freezing als biografische Manipulation, dessen Ausgang ungewiss ist. Scheitern möglich. Aufgeschoben wäre aufgehoben. „Das nennt man zu Recht die Enteignung der Gegenwart durch die Zukunft! Wer wie die Unternehmen Facebook und Apple hier gar mit finanziellen Anreizen nachhelfen will, um das weibliche Humankapital auszuschöpfen, handelt obszön.“