Das war’s. Nicht kurz und schmerzlos, sondern langsam und quälend. Ein TV-Mammut schied dahin, und die Medienjournalisten ließen sich zur Sterbebegleitung von „Wetten, dass…?“ nicht lange bitten. Jürn Kruse hat angesichts der letzten Runde von Markus Lanz in der taz wenig Sinn für Wehmut. „Auf die Idee, eine bessere Show abzuliefern, kamen jedenfalls weder Lanz noch das ZDF – auch nicht in der letzten Ausgabe. Und so luden sie all diejenigen ein, die man eh schon zu häufig im Fernsehen sieht: Otto Waalkes, Helene Fischer, Katarina Witt, Jan Josef Liefers. Die Fantastischen Vier traten zwei Mal auf. Und alle erzählten nochmal, wie das damals so war, mit ‚Wetten, dass..?‘. Kurze Zusammenfassung: Schlafanzug, Salzstangen, ganze Familie, auch Oma.“

In der FAZ sieht Alfons Kaiser aber nicht nur Lanz und Co. in der Verantwortung für den glanzlosen Tod der Sendung. Es waren vielmehr die Zeitläufte. „Schon im zarten Alter von zehn Jahren sind die meisten Kinder im Netz unterwegs. Die Zuschauer, die in den sechziger und siebziger Jahren geboren wurden, fahren nicht mehr Golf, sie spielen Golf. (...) Es geht also beim Ende der größten europäischen Fernsehshow nicht nur darum, dass sich ein Format im Alter von 33 Jahren überlebt hat. Die Gesellschaft hat sich geändert, und das Fernsehen hat nicht Schritt gehalten.“

Für Heike Kunert von Zeit-online kennzeichnet das Ende von „Wetten, dass…?“ gar eine Art anthropologischen Wandel. „Unser Auge erwartet nichts mehr. Es ist nicht mehr hungrig. Es hat keinen Appetit mehr. Es ist im Gegenteil übersättigt und würde sich am liebsten übergeben. Dass man sich auf den Auftritt eines Stars in ‚Wetten, dass..?‘ schon Wochen im Voraus freut, ist lange her. Dass man sich während der Sendung den Gang zur Toilette verkneift, um ja nicht Madonna oder Michael Jackson zu verpassen, kommt einem heute geradezu albern vor. Im Internet ist schließlich alles rund um die Uhr verfügbar. Dabei ist der real erlebte Augenblick die einzige Obhut für unsere tiefsten Empfindungen, und das Verpasste geht uns näher als das im Netz Nachgeholte. Das Herz schlägt nun einmal analog.“

Oder vermissen wir es am Ende etwa doch? Kim Karis legt es auf n-tv.de nahe. „Das war immer der eigentliche Zauber von ‚Wetten, dass …?‘: Die Freude daran, dass kleine, nebensächliche, vielleicht nutzlose Dinge, für einen Moment zum Wichtigsten überhaupt werden konnten und dabei eine ganz eigene, absurde Schönheit entwickelten. Das ist keine ganz schlechte Definition von Unterhaltung und die hätte es, Lanz hin, Medienwandel her, in Form dieser besonderen Sendung noch lange, lange im deutschen Fernsehen geben können.“