Dass Menschen und einige andere Primaten alle Spektralfarben sehen können, ist in ihrer Evolution zu Lasten des Geruchssinns gegangen. Umgekehrt ist bei Primaten, deren Entwicklung so verlaufen ist, dass sie immer noch sehr gut riechen können, der Farbsinn eingeschränkt. Das berichten Forscher um Yoav Gilad und Svante Pääbo vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in der Fachzeitschrift Public Library of Science (PLOS).Schon seit längerem ist bekannt, dass Säugetiere etwa tausend Gene besitzen, welche die Geruchsrezeptoren steuern. Allerdings sind nicht alle Gene aktiv - beim Menschen etwa sind 60 Prozent funktionslos. Bei Mäusen und Hunden liegt der Anteil dieser so genannten Pseudogene nur bei 20 Prozent.Gilad und seine Kollegen analysierten jeweils hundert Geruchsrezeptorgene von 19 Primatenarten. Sie ermittelten, dass bei Menschenaffen und anderen Affen aus Asien und Afrika jeweils 30 Prozent der Geruchsgene ihre Funktion verloren haben. Diese Primaten können ebenso wie der Mensch alle Spektralfarben sehen. Affen aus Nord- und Südamerika hingegen verfügen nur über einen eingeschränkten Farbsinn. Dafür können sie besser riechen; nur etwa 20 Prozent der Geruchsgene sind bei ihnen funktionslos. Eine Ausnahme gibt es: Der Schwarze Brüllaffe stammt vom amerikanischen Kontinent, kann aber dennoch alle Farben sehen. Zudem liegt sein Pseudogen-Anteil bei 30 Prozent. Weil die Tierart nicht von den Affen der alten Welt abstammt, folgern die Forscher, dass sich das volle Farbensehen bei den Primaten zweimal entwickelt haben muss. (kat.)PLOS, Online-Ausgabe vom 20. Januar