BERLIN. Odette Maniema Krempin gehört zu den Menschen, die mit ihrer Anwesenheit die Stimmung in einem Raum verändern. Als die schlanke Frau mit den langen schwarzen Haaren durch die Eingangshalle des Berliner Hotels Adlon geht, unterbricht selbst der wichtigtuerische Geschäftsmann aus Hessen seine Tirade über den Preis des Cappuccino. Schweigend verfolgt er, wie sich die afrikanische Schönheit langsam durch die Lobby bewegt und graziös auf einen Stuhl setzt. Wegen ihrer makellosen Gesichtszüge und den hohen Wangenknochen hält er sie vielleicht für ein Model oder einen Filmstar. Doch sobald sie lacht, ist diese Fantasie gestorben. Ihr Lachen ist zu breit und zu echt für die Kameras.Arm, aber kreativEine Art Star ist Odette Maniema Krempin dennoch. Die 32-Jährige ist eine kongolesische Prinzessin, sie zählt sich selbst zu den drei wichtigsten afrikanischen Modedesignern, sie ist die jüngste Honorar-Konsulin in der Bundesrepublik und eine Mutter, die mit Hilfsprojekten Kinder auf zwei Kontinenten unterstützt. Nun will die Afrikanerin nach Berlin kommen, um auch hier so etwas wie Entwicklungshilfe zu leisten.Wenn alles gut geht, will Prinzessin Odette im Januar in der Bundeshauptstadt eine Modeschule aufmachen. Hier sollen junge Menschen aus allen Ländern lernen, mit Stoffen umzugehen und Kleider zu designen. Warum Odette, die in der Modestadt Paris aufgewachsen ist, ausgerechnet in Berlin eine Schule eröffnen will? "Berlin ist sehr cosmopolit", sagt die Prinzessin. Es sei eine offene Stadt, in der viele junge Künstler leben, doch einige dieser talentierten Menschen hätten noch keine Beschäftigung gefunden. Denen will sie helfen.Nähmaschinen, Schneidetische und Lehrstunden mit einem berühmten Designer sollen den Schülern den Weg in die Modewelt eröffnen. In Berlin führt sie Gespräche mit der Modemesse Bread and Butter über eine Zusammenarbeit. Aber auch weltweit ist die afrikanische Prinzessin bestens vernetzt. Sie sei mit vielen Designern bekannt, mit Robert Cavalli beispielsweise, sagt sie.Prinzessin Odette nippt an ihrem Tee. Sie trägt ein enges schwarzes Kostüm, eine weiße Bluse mit schwarzen Punkten, eine gemusterte beige Strumpfhose und schwarze Stiefeletten mit hohen Absätzen. Wenn sie ihre Tasse abstellt, dann klirren die Elfenbein-Ringe an ihrem rechten Arm. Die Prinzessin lächelt. Die sechzehn Armreifen seien ein Geschenk ihrer Urgroßmutter, sagt sie. Sie hat den Schmuck mit zwölf Jahren bekommen und seitdem nicht mehr abgenommen. Es handele sich um einen Talisman für kongolesische Prinzessinnen. Die Elefantenstoßzähne sollen sie schützen, heißt es. In ihrem Fall hat es wohl funktioniert.Odette Maniema Krempin stammt aus einem kongolesischen Adelsgeschlecht, das bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht und älter ist als das britische Königshaus. Als sie acht Jahre alt war, brachte sie der Vater zusammen mit ihren vier Schwestern nach Paris, damit die Kinder eine bessere Ausbildung erhielten. Es sei keine politische Flucht gewesen, sagt Odette. Doch die Lebensverhältnisse zwischen Paris und ihrer Heimat-Provinz Maniema, nach der sie auch benannt ist, könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Menschen in ihrer Heimat leiden unter Kämpfen, Flucht und Hunger. Seit Jahren unterstützt sie Hilfsprojekte in ihrer Heimat, vor allem Schulen.Ihre Liebe zur Mode entwickelte Odette schon früh. Gemeinsam mit ihren Schwestern besuchte sie als Kind einen Schneider, der ihre Kleider anfertigte. Sie zeichnete schon früh eigene Entwürfe. Nach ihrem Abitur lernte Odette an einer Modeschule in Paris, danach ließ sie sich zur Textilingenieurin in Marrakesch ausbilden. Hier traf sie auch ihren Lieblingsdesigner, den mittlerweile verstorbenen Yves Saint-Laurent.Mit nur 22 Jahren eröffnete Odette in Niger und später dann in der namibischen Hauptstadt Windhoek ein "fashion house", eine Art Schneideratelier mit etlichen Angestellten. Ihre Entwürfe waren bald so beliebt, dass sich sogar afrikanische Staatsoberhäupter von ihr einkleiden ließen."Du solltest einen deutschen Mann heiraten", hatte die afrikanische Großmutter ihrer Enkelin immer empfohlen. In dem großelterlichen Haus gab es vieles, was das Label "Made in Germany" trug: die Fliesen im Bad, die Scharniere an den Türen. Die gute Handwerksarbeit habe die Familie vom "Fleiß und der Ernsthaftigkeit" der Deutschen überzeugt, erinnert sich Odette. Sie hat sich an den Rat gehalten. Heute ist sie mit einem Mann verheiratet, der auch "Made in Germany" ist. Mit ihm, ihrem dreizehnjährigen Sohn Max und seit Kurzem auch einem neunjährigen Adoptivsohn aus dem Kongo lebt sie in Frankfurt am Main. Vor einem Jahr wurde sie zur Konsulin der Republik Kongo in Deutschland berufen.Kostenlose NachhilfeWeil sie viel Geld für die Hausaufgabenhilfe ihres Sohnes ausgeben musste, gründete Odette eine Organisation zur kostenlosen Nachhilfe für ausländische Kinder. Sie nannte sie deutsch-afrikanisches Jugendwerk. Im ersten Jahr investierte sie privates Geld. Heute unterstützt die Stadt Frankfurt die Initiative. Mittlerweile lernen 120 Kinder aus vielen Ländern dort. Im Kongo finanziert das Werk den Schulbesuch von 1 500 Kindern.Auch ihre Modeschule in Berlin soll vom deutsch-afrikanischen Jugendwerk und Sponsorengeldern unterhalten werden. Der Schulbesuch soll kostenlos sein. Damit auch Leute eine Chance bekommen, die keine Prinzessinnen sind.------------------------------Foot: Geboren im Kongo, aufgewachsen in Paris, lebt die Prinzessin mittlerweile in Frankfurt am Main.