BERLIN, 3. Mai. Eine engere Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und eine Modernisierung der Verwaltung sollen bei der Bundeswehr künftig mehr als eine Milliarde Mark jährlich an Betriebskosten sparen. Aufgaben werden an Private vergeben, das Management soll effektiver wirtschaften, die Ausstattung kostengünstiger und rascher beschafft werden. Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) erhofft sich neuen finanziellen Spielraum für dringend notwendige Investitionen in das Gerät der Truppe.Die Maßnahmen sollen nach Einschätzung des Ministeriums in etwa vier bis fünf Jahren rund zehn Prozent der Betriebskosten von 13 Milliarden Mark sparen. Bereits im vorigen Jahr sparten die Dienststellen der Bundeswehr rund 200 Millionen Mark, nachdem sie mehr Freiheiten beim Einsatz ihrer Gelder bekommen hatten. Ermutigt durch diese Erfahrung, beginnt das Ministerium eine Reihe zusätzlicher Reformprojekte.Mieten oder Leasen Unternehmensberatungen untersuchen zum Beispiel den Grundstücksbestand der Bundeswehr. Nach Angaben des Ministeriums kostet der Betrieb der insgesamt 300 000 Hektar großen Flächen den Bund vier Milliarden Mark. Unklar sei aber, wie viel etwa die Bewirtschaftung eines Quadratmeters Gelände in München oder der Lüneburger Heide konkret koste - unerlässliche Voraussetzung dafür, das Management zu verbessern. Bei Fahrzeugen, Telefonen und Computern plant das Ministerium Privatisierungen. Die Bundeswehr müsse doch nicht zwingend jeden Bus auch besitzen, den sie benutzt, heißt es. Das Leasen oder Mieten sei mit weniger Aufwand an Verwaltung und Kapital verbunden. Ganze Bereiche wie der Betrieb der Simulationstechnik im Gefechtsübungszentrum Altmark werden im Rahmen von Pilotprojekten von Privaten erledigt.Die Übertragung von Aufgaben dürfte bei den 132 000 zivilen Mitarbeiter der Bundeswehr schon bald zu Personaleinsparungen führen. Nach Angaben des Ministeriums gehen in den nächsten zehn Jahren 30 000 der insgesamt Zivilisten in Ruhestand - genug Spielraum, um auch ohne betriebsbedingte Kündigungen Personal zu reduzieren. Die Reformen, so heißt es im Ministerium, hätten sicherlich auch eine "Pilotfunktion" für die Reform des gesamten Öffentlichen Dienstes.Für die Unternehmen bedeutet die Verwaltungsreform eine Fülle neuer Geschäftsaussichten. 600 Unternehmensvertreter nehmen am Donnerstag an einer Tagung des Ministeriums in Berlin teil, bei der die neue "strategische Partnerschaft" zwischen Militär und Wirtschaft diskutiert wird.Für manche Betriebe bedeutet der neue Stil auch Nachteile: Die Rüstungsunternehmen können künftig nicht mehr damit rechnen, dass der Bund sich auch an den Entwicklungskosten neuer Waffensysteme beteiligt - wie in der ganz normalen Wirtschaft kauft der Kunde Bundeswehr "in der Regel" künftig das fertige Endprodukt.BUNDESWEHR Mehr Investitionen und Stellenabbau // Von der Verwaltungsreform erhofft sich Verteidigungsminister Scharping Geld für mehr Investitionen bei der Bundeswehr.Zahlreiche Unternehmen wollen Aufgaben der Zivilverwaltung der Bundeswehr übernehmen. Der Bund würde dadurch Stellen sparen.Bis zum Jahresende dürften rund 200 Unternehmen dem Rahmenvertrag zur Zusammenarbeit mit der Bundeswehr beitreten.MARCO URBAN Verteidigungsminister Rudolf Scharping will die Betriebskosten der Bundeswehr senken.