Das Unternehmen Siemens trennt sich von der Bingelstraße. Die nach dem frühereren Vorstandsvorsitzenden der Siemens-Schuckert-Werke AG benannte Privatstraße soll in öffentlichen Besitz übergehen und einen neuen Namen bekommen - Straße am Schaltwerk.Nach Auskunft eines Mitarbeiters des Spandauer Tiefbauamtes ist die Umbenennung bereits im Amtsblatt bekanntgegeben worden. Siemens habe selbst darum gebeten, daß die "Privatstraße öffentlichen Verkehrs" in den Besitz Berlins übergehe. Der Vorteil für das Unternehmen: Künftig braucht nicht mehr der Konzern für Reparaturen, Reinigung und Verkehrssicherung aufzukommen, sondern das Land, also der Steuerzahler.Der Name des ehemaligen Firmen-Chefes ist bereits mit einem Balken überklebt worden. Darunter wurden schon die neuen Schilder angebracht. "Siemens verfährt offenbar analog zu der Regelung im Berliner Straßengesetz, wonach sowohl der alte als auch neue Name ein halbes Jahr lang zu sehen sein müssen", so der Bezirksamts-Mitarbeiter.Wie berichtet, hatte das Unternehmen die Umbenennung damit begründet, daß Rudolf Bingel, Vorstandsvorsitzender der Siemens-Schuckert-Werke AG von 1939 bis 1945, sich frühzeitiger und aktiver für das Naziregime eingesetzt habe, "als das in seiner Position unumgänglich war, etwa als Spendenwerber für den Freundeskreis Heinrich Himmler", hieß es dazu in einem von dem Unternehmen herausgegebenen Informationsschreiben.Weshalb der Konzern seinen Namen auswählte, erklärt Siemens heute damit, "daß Bingel 1949 in einem sowjetischen Lager umgekommen ist; wahrscheinlich ließ man ihn verhungern. An diesen gewaltsamen Tod wollte man mit der Straßenbenennung erinnern. Nach heutigem Kentnisstand ist diese Namensgebung aber nicht mehr vertretbar", begründet Siemens den Sinneswandel 50 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus. +++