Die Region Berlin gehört zu den wenigen Gebieten in Deutschland, deren Einwohnerzahl nicht schrumpft, sagte Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) am Dienstag. "Das ist eine gute Nachricht." Die Zahl der Berliner bleibt in Zukunft mehr oder weniger stabil - statt derzeit 3,39 Millionen wird die Stadt 2020 3,366 Millionen Einwohner haben. Werden Berlin und das Umland zusammengerechnet, ist ein leichter Anstieg zu verzeichnen - um 22 000 auf insgesamt 4,38 Millionen Einwohner. Das geht aus der jüngsten Bevölkerungsprognose des Senats hervor, die am Dienstag vorgelegt wurde. Innerhalb der Stadt ist die Entwicklung aber nicht gleichförmig. Es wird große Verschiebungen geben - vor allem im Ostteil. Zu den Gewinnern der nächsten Jahre gehören die Bezirke Pankow und Treptow-Köpenick, die mit 3,4 und 2,8 Prozent die höchsten Zuwächse bei den Einwohnerzahlen zu verzeichnen haben. Der Verlierer wird dagegen der Bezirk Marzahn-Hellersdorf sein, der in den kommenden 18 Jahren mehr als sieben Prozent seiner Einwohner verlieren wird. "Von 1991 bis 2020 wird in den Berliner Plattenbaubezirken die Zahl der Einwohner um rund 30 Prozent zurückgehen", sagte Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD). Dort will offenbar niemand wohnen. 520 000 Ausländer Die junge Metropole Berlin wird in den nächsten Jahren ganz schön alt. Im Jahr 2020 werden die Berliner durchschnittlich 43,6 Jahre alt sein, derzeit sind es 41 Jahre. Die Vergreisung sieht man nach den Worten Strieders vor allem an der Gruppe der Über-65-Jährigen. Deren Anteil an der Gesamtbevölkerung wird von 16 auf 20 Prozent zunehmen. Jeder zehnte Berliner wird 2020 über 75 Jahre alt sein (2002: 6,6 Prozent). Die Zahl der Schulkinder sinkt um rund 60 000. Damit Berlin seine Bevölkerungszahl einigermaßen halten kann, ist die Stadt auf Zuwanderer angewiesen - vor allem aus dem Ausland, sagte Strieder. Entsprechend wird sich auch der Anteil der Ausländer verändern. Die Statistiker gehen davon aus, dass sich die Quote von heute 13,1 Prozent auf etwa 15,5 Prozent erhöhen wird. Anders ausgedrückt: 520 000 Ausländer werden in Berlin leben. Noch höher wird der Anteil der Berliner nichtdeutscher Herkunft sein. Denn durch das geänderte Staatsbürgerrecht, das vor allem bei Kindern eine leichtere Einbürgerung möglich macht, werden viele einen deutschen Pass haben, heißt es in der Prognose. "Berlin wird grauer und bunter", beschrieb Strieder die Entwicklung zu einer immer älteren Stadt mit immer mehr Migranten. Bei der Prognose sei man von der wirtschaftlichen Entwicklung ausgegangen, die das Statistische Bundesamt für Deutschland vorhersagt, sagte der Senator. Sollte es Berlin aber weiter wirtschaftlich so schlecht gehen wie bisher, "wird die Stadt sicher nicht zu einem Mekka der Zuwanderer", befürchtet der SPD-Politiker. Angesichts der stagnierenden Einwohnerzahlen werde es in Berlin auf absehbare Zeit keinen öffentlich geförderten Wohnungsbau mehr geben. Der Schwerpunkt werde auf die Wohnungssanierung gelegt - "allerdings mit privatem Kapital". Daher forderte er, dass es für solche Investoren wieder Steuererleichterungen gibt. Keine Hochhäuser am AlexAlle Neubauprojekte müssten überprüft werden, forderte Claudia Hämmerling, Stadtentwicklungs-Expertin der Grünen-Fraktion. Wo Häuser saniert werden, sind die Wohnungen altersgerecht umzubauen, verlangte die Abgeordnete. Außerdem müsse sich Berlin von allen wirtschaftlich nicht tragfähigen Planungen, wie den Hochhausplänen am Alexanderplatz, verabschieden.Die Stadt wird älter // Die Bevölkerungsprognose für die Jahre 2002 bis 2020 ist die dritte seit der Wiedervereinigung. Erstmals wurde in die Betrachtung die Entwicklung im brandenburgischen Umland einbezogen.BERLINER ZEITUNG/MARKUS KLUGER (3) Bevölkerungsentwicklung nach Altersgruppen in Berlin. Das Durchschnittsalter der Berliner wird von 41 auf 43,6 Jahre ansteigen. Besonders stark nimmt die Zahl der über 75-Jährigen zu.Einwohnerzuwachs in den Bezirken. Die Plattenbaubezirke im Osten verlieren die meisten Einwohner.Bevölkerungsentwicklung in Berlin 2002-2020. Die Zahl der Berliner bleibt bis 2020 nahezu stabil.

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