BERLIN, 28. November. Der Unmut der Versicherten über das sogenannte Krankenhaus-Notopfer reißt nicht ab. Bei den gesetzlichen Krankenkassen, so bestätigten am Freitag die zuständigen Bundesverbände, rufen nach wie vor zahllose wütende Mitglieder an, um sich über den geforderten Sonderbeitrag zur Instandhaltung der Krankenhäuser in Höhe von jährlich 20 Mark zu beschweren. "Die Menschen sind sauer", sagte der Geschäftsführer der Angestellten-Krankenkassen (VdAK), Herbert Rebscher, zur Berliner Zeitung. Bundesweit meldeten die Geschäftstellen der Ersatzkassen "massiven Ärger". An extra geschalteten "Info-Hotlines" würden die Mitarbeiter beschimpft und angefeindet. "Viele wollen nicht zahlen und legen schriftlich Widerspruch ein", fügte Hans Jürgen Ahrens, der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), hinzu. Beide Verbandschefs können die Reaktion der Versicherten nachvollziehen und äußerten Verständnis. Ahrens: "Die Leute sind die ganze Diskussion über Gesundheitskosten, Rente oder Steuern leid. Sie sind frustriert, weil sie das Gefühl haben, es geht sowieso alles nur zu ihren Lasten." Zwanzig Mark im Jahr seien zwar nicht viel, "aber offenbar hat das Notopfer in den Augen vieler Mitglieder das Faß zum überlaufen gebracht". Erstmals, fügte Rebscher hinzu, hätten sie direkte Zahlungsaufforderungen erhalten, was eine "ganz andere psychologische Wirkung" habe als die "anonymeren" Krankenversicherungsbeiträge, die vom Lohn abgezogen werden. Eine Überweisung mache Arbeit und werfe vor allem die konkrete Frage auf, wofür das Geld bezahlt werden soll. "Wer noch nie im Krankenhaus gelegen hat, der fragt sich vielleicht, was er mit der ganzen Sache zu tun hat", sagte Rebscher.Bei allem Verständnis ließen die Verbandschefs jedoch keinen Zweifel daran, daß das "Notopfer" Gesetz sei und von den Versicherten geleistet werden müsse. Die Krankenkassen kämen nur ihrer Verpflichtung nach, geltendes Recht umzusetzen. Sie hätten diese Regelung, wonach die Versicherten von 1997 bis 1999 jeweils 20 Mark aufbringen müßten, im Vorfeld massiv bekämpft. "Wir konnten uns aber nicht durchsetzen", sagte Rebscher, "und nun werden wir zum Prügelknaben für etwas, was wir nicht zu verantworten haben." Die AOK verspricht ihren Mitgliedern, das "Notopfer" zurückzuzahlen, falls es rückwirkend für verfassungswidrig erklärt werden sollte. Wie Rebscherschloß Ahrens zwar nicht aus, daß jemand gegen die Regelung klagen wird. Ein Erfolg sei jedoch eher unwahrscheinlich. Auch die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) war nach einer rechtlichen Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, daß das "Notopfer" juristisch nicht zu stoppen sei. Insbesondere liege keine Verletzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes vor, weil auch die Privatversicherten über die um 1,1 Prozent erhöhten Pflegesätze zur Finanzierung der Krankenhausinstandhaltung herangezogen würden.Wer nicht zahle, so Rebscher weiter, riskiere nur, daß es für ihn noch teurer werde. Außerdem trage man so dazu bei, den Verwaltungsaufwand weiter zu erhöhen, "was letztendlich zu steigenden Versicherungsbeiträgen führen könnte". Die gesetzlichen Kassen benötigten das "Notopfer", weil sie die ­ vom Gesetzgeber beschlossenen ­ erhöhten Mittel für 1997 bereits an die Krankenhäuser überwiesen hätten. Diese zusätzlichen Ausgaben von 880 Millionen Mark müßten nun von den rund 44 Millionen Mitgliedern refinanziert werden. Ahrens: "Wir brauchen das Geld, weshalb wir es auch eintreiben. Ausgedacht haben wir uns den Quatsch aber nicht."