NES ZIONA, im Oktober. Im Flur des Rathauses von Nes Ziona, einer kleinen Stadt unweit von Tel Aviv, hängt eine Luftaufnahme des Ortes. Jede Straße, jedes Gebäude ist genau zu erkennen. Nur eines ist wegretuschiert, das "Israelische Institut für Biologische Forschung". Dort, wo das Institut steht, ist auf dem Foto eine Zitrusplantage zu sehen. Doch daß hier Orangen geerntet wurden, liegt lange zurück. 1952 wurde das Institut, auf Drängen des damaligen Premierministers David Ben-Gurion, inmitten einer Plantage errichtet. Inzwischen ist die Stadt bis an das Institut herangewachsen. Ein schmaler Weg und ein hoher Elekrozaun trennt das Institut von einem Viertel mit Einfamilienhäusern. Nach der offiziellen Version wird hinter dem Zaun "Umweltforschung" betrieben, eine weitere Aufgabe des Institutes sei die "Produktion von Antisera und Antikörpern" zur "Neutralisierung von verschiedenen Komponenten, die Auslöser für bösartige Ansteckungskrankheiten sind". El-Al-Absturz über AmsterdamIn diesen Tagen aber war anderes über Nes Ziona zu hören. Die israelische Regierung bestätigte, daß die 1992 in Amsterdam abgestürzte "El Al"-Maschine 190 Liter der Chemikalie Dimethyl-Methylphosphonat (DMMP) an Bord hatte ein Stoff, der für die Herstellung des Kampfgases Sarin benutzt werden kann. Bestellt worden war das DMMP vom Institut in Nes Ziona. Offiziell hieß es nun, die Chemikalie werde dort zum Testen von Filtern, zum Beispiel der Filter von Gasmasken, genutzt. Daß DMMP für die Herstellung von Sarin gebraucht wird, begründete man so: "Das Gas wird an Mäusen geprüft, um die Auswirkungen auf das Nervensystem der Tiere zu erforschen." Trotz dieser Worte der Regierung halten sich in Nes Ziona Gerüchte, die von einer "unterirdischen Stadt" wissen wollen, in der "Viren und Bakterien gezüchtet werden". Britische Zeitungen formulierten ihren Verdacht schon 1993. So schrieb der "Observer": "Die Rede ist von einem Institut, das sich unter anderem mit der Herstellung von biologischen Waffen beschäftigt." Die Forscher nutzten ihr Wissen nicht, um Mittel gegen Krankheiten zu erforschen, sondern um in der Lage zu sein, "Krankheiten zu verbreiten und Massensterben zu verursachen". Der britische "Foreign Report" berichtete, daß auch das Gift, mit dem Hamas-Chef Khaled Mash al von Mossad-Agenten exekutiert werden sollte, aus Nes Ziona stamme. Diese Presseberichte sind für eine Initiative von Bürgern, Wissenschaftlern und Politikern in Nes Ziona die einzige Informationsbasis für ihre Forderung, das Institut aus der Stadt zu verlegen. Selbst Abgeordneten des Parlamentes bleibt der Zugang zum Institut bislang verwehrt. Einzig Bürgermeister Jossi Schwo durfte zu Besuch kommen, allerdings ohne seine Experten mitzubringen. "Ich habe nicht viel von dem verstanden, was sie mir gezeigt haben", sagte Schwo später. "Ich bin Bürgermeister, kein Biologe." Seine Formel lautet derzeit, "den zivilen Forschungsteil in der Stadt zu behalten" und den Rest zu verlegen.