Kreshnik B. steht irgendwo in Syrien auf einem Dach und ruft seine Schwester in Deutschland an. Läuft wohl nicht so toll im „Heiligen Krieg“. Beim Prozessauftakt am Montag vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt am Main wird die Aufzeichnung vorgespielt. Und obwohl der Angeklagte vor Gericht schweigt, bekommen die Zuhörer ein recht plastisches Bild von dem 20-Jährigen. Es ist der erste Prozess in Deutschland gegen ein Mitglied der Terrororganisation Islamischer Staat. Ein halbes Jahr lang soll Kreshnik B. beim IS gewesen sein. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung sowie die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat im Ausland vor. Im Dezember 2013 wurde er bei der Wiedereinreise festgenommen.

Mit einem angespannten Lächeln steht der junge Mann im Gerichtssaal. Kein traditionelles Gewand, kein langer Bart: Kreshnik B. trägt eine Kapuzenjacke über einem dunkelgrauen T-Shirt. Aufgewachsen ist er in Bad Homburg, einem noblen Taunus-Städtchen, sein letzter Wohnsitz war Frankfurt. Die Familie stammt aus dem Kosovo.

„Jung, dumm und naiv“

Am ersten Prozesstag geben die Telefonate mit der Schwester erste Einblicke in die Psyche des Dschihadisten. „Laber mir nicht vom Koran“, schimpft die Frau, als er erklärt, er habe sich wegen seiner Religion dem bewaffneten Kampf angeschlossen. Seine Kumpels hätten ihn doch nur überredet, sagt sie. Krieg sei Politik und nichts für kleine Jungs. „Du bist jung, dumm und naiv.“ Der Gotteskrieger hatte zu diesem Zeitpunkt wohl schon die Nase voll. Was trotz der schlechten Verbindung durchscheint: Er will damals nach Hause, hat aber Angst, dass ihn die IS-Kämpfer nicht weglassen.

In der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft klingen die Vorwürfe nicht so harmlos. Im Sommer 2013 sei Kreshnik B. mit Gleichgesinnten über die Türkei nach Syrien gereist. Dort habe er sich eine Waffe besorgt und einen Treueeid auf eine Einheit ausländischer Kämpfer abgelegt. Auch an mehrtägigen Kampfeinsätzen habe er teilgenommen.

Der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel stellt dem Angeklagten in Aussicht, er könne Milde walten lassen. Wenn er aussage und gestehe, könne er mit einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten bis vier Jahren und drei Monaten nach Jugendstrafrecht davonkommen, „obwohl der Tatvorwurf keine Kleinigkeit ist“. Darauf hätten sich der Staatsschutzsenat, die Bundesanwaltschaft und sein Verteidiger verständigt. Ob Kreshnik B. das Angebot annimmt, zeigt sich frühestens am Freitag. Dann will der Anwalt auf die Offerte reagieren. (dpa)