Vor dem Berliner Landgericht begann am Freitag erstmals ein Prozeß gegen zwei mutmaßliche Mitglieder der chinesischen Mafla, den Triaden. Die Männer sollen von chinesischen Restaurantbesitzern in Berlin rund fünf Millionen Mark Schutzgeld erpreßt haben.Kurz verlief der erste Prozeßtag am Freitag. Nur eine halbe Stunde währte die Verhandlung, in der die Anklage verlesen wurde. Dann vertagte die Große Straflammer die Sitzung auf den kommenden Freitag.In Berlin hat ein Pllotprozeß begonnen. Zum ersten Mai brachte die Staatsanwaltschaft mutmaßliche Mitglieder der chinesischen Verbrecherorganisatlon auf die Anklagebank. Doch wie schwierig es Ist, in dieses kriminelle Geflecht vorzudringen, zeigte sich bereits: Ein 29~ährlger Angeklagter ist bislang noch nicht einmal identifiziert. Sein Paß, der in Bad Schandau sichergestellt w~urde, lautet auf den Namen Ho Dae 1 ... Doch der Ausweis ist gefäischt. Der Mann selbst gab an, daß er in Seoul in Korea geboren wurde und Geschäftsmann sei. Nach Auskunft der Koreanischen Botschaft wurde jedoch niemandem ein Papier auf diesen Namen ausgestellt. Zu den Vorwürfen will er schweigen. Anders sein Mitangeklagter, der 28jährlge Chinese Xln Z. Der fahnenfluchtige Soldat kündigte eine Aussage an. Die Anklage wirft den Männern vor, Anfang diesen Jahres eine chinesische Familie erpreßt zu haben. 100 000 Mark sollen die Beschuldigten gefordert haben. Ziel sei es zudem gewesen, von den Bedrohten Namen weiterer Opfer zu erhalten. Fünf Millionen Mark sollten die Angeklagten nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft auf diese Weise bekommen. Als die Familie sich weigerte, sollen die Männer eine Frau mißhandelt haben. Der Anklage zufolge wurde sie in eine Wohnung verschleppt, mit Messern und einem Elektroschockgerät eingeschüchtert und vergewaltigt.Die Angeklagten sollen Mitglieder der "Triade" sein, einer von Hongkong und China aus weltweit operierenden Organisation. Den Ermittlungen zufolge, gehören sie einer Gruppe von zwölf Chinesen an, die über Ost- und Südeuropa von Schlepper-Organisationen illegal nach Deutschland eingeschleust wurden. Der 29jährlge gilt als Stellvertreter des "Großen Onkels", dem Chef der Bande. Nach Auskunft des Staatsanwalts Ist dieser in Tschechlen verhaftet worden. Deutschland, aber auch Spanien beantragten dessen Auslieferung. In Spanien sollen Erpressungen und Mord auf das Konto der "Triade" gehen.Die Berliner Kripo ermittelt gegenwärtig in 35 Fällen gegen Chinesen. Ihnen wird Schutzgelderpressung, Raub oder Körperverletzung vorgeworfen. Slgrid Averesch