Für Eltern kleiner Kinder muß das ein Alptraum sein. Da berichtet das Kindermädchen, daß die sechs- und vierjährigen Söhne über einen längeren Zeitraum von einem Mann sexuell mißbraucht wurden. Die Kleinen hätten sich der jungen Frau während einer längeren Auslandsreise der Eltern offenbart. Und der Beschuldigte ist darüber hinaus kein Fremder, sondern ein Freund der Familie, der gleich um die Ecke wohnt, im Hause ein- und ausgeht und immer gern eingesprungen ist, wenn jemand auf die Kinder aufpassen mußte. Der Fall, um den es ab heute vor dem Hamburger Landgericht geht, hat sich genau so abgespielt. In die Schlagzeilen geriet er im vergangenen Herbst, weil die Eltern der betroffenen Kinder der bekannte Schauspieler Uwe Ochsenknecht ("Männer", "Schtonk", "Die Gang") und seine Frau Natascha sind. Der Angeklagte Michael K., 25, soll dem oder den Jungen - vor Gericht steht er wegen des Verdachts auf sexuellen Mißbrauch des sechsjährigen Jimi Ochsenknecht - zusätzlich geschadet haben, indem er ihn unter schweren seelischen Druck gesetzt hat. Denn noch nachdem das Kindermädchen wegen ungewohnter Verhaltensweisen hellhörig geworden war und die Eltern informiert hatte, wollte der Junge gegenüber den Eltern nicht mit der Sprache heraus. "Der Mick hat es mir verboten", habe der Sechsjährige gegenüber Natascha Ochsenknecht lange beteuert, "er hat gesagt, wenn ich was sage, gehen Mama und Papa für immer weg. Oder Mama muß sterben." Daß die Eltern während des Zeitraumes, in dem ihr Sohn mißbraucht worden sein soll, keine Auffälligkeiten festgestellt haben, führen sie auf diese Erpressung zurück.Erst ein von den Ochsenknechts sofort hinzugezogener Psychologe war sicher, den Verdacht bestätigen zu können. Hinweise darauf, daß auch der vierjährige Wilson Ochsenknecht sexuell mißbraucht wurde, hat es zwar gegeben -, aber bei einem Kind dieses Alters gestaltet sich die Beweisführung schwieriger. Deswegen konzentriert sich die Anklage auf den älteren Jimi. Uwe und Natascha Ochsenknecht sind als Nebenkläger an dem Verfahren beteiligt.Michael K. ist für die Polizei im Hamburger Umland kein Unbekannter. Bereits 1992 verurteilte ihn das Amtsgericht Norderstedt zu neun Monaten auf Bewährung, weil er sich an einem 13jährigen Jungen sexuell vergangen und zu zwei 17jährigen Jugendlichen homosexuelle Kontakte hatte. Wegen erneuter sexueller Handlungen an minderjährigen Jungen und fortgesetztem Fahren ohne Führerschein mußte er sich zwei Jahre später wieder vor Gericht verantworten - in Neumünster verurteilte man ihn zu einem Jahr Gefängnis. Uwe und Natascha Ochsenknecht haben von dem Vorleben Michael K.s, den sie als niedrig chargierten Mitarbeiter bei Filmproduktionen kennengelernt hatten, nichts gewußt.Jimi und Wilson Ochsenknecht befinden sich in Psychotherapie. Welche seelischen Dauerschäden bei ihnen bleiben, wird sich erst nach einigen Jahren zeigen. Michael K., soviel ist zu Prozeßbeginn bekannt, hat mittlerweile ein Teilgeständnis abgelegt. Dennoch soll die Öffentlichkeit von dem Prozeß ausgeschlossen werden - was darauf hindeutet, daß einem der Kinder der Gang in den Zeugenstand droht. +++

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