Fast ein Jahr nach ihrer Freilassung vom 12. März 1996 stand die Schweizer Reiseleiterin Susanne Siegfried in der Hauptstadt Costa Ricas erneut im Rampenlicht der Medien. Am vierten Tag des Prozesses gegen den mutmaßlichen Geiselnehmer Julio Cesar Vega sagten sie sowie ihr Ehemann Peter Siegfried über den Verlauf der Entführung aus. Dabei identifizierte Susanne Siegfried, die zusammen mit der Deutschen Nicola Fleuchaus entführt worden war, den Angeklagten als Chef der Geiselnehmer. Vega steht seit Montag vor Gericht. Seine Beteiligung an der Entführung der zwei Frauen steht außer Frage: Diverse Zeitungen publizierten im vergangenen August Fotos, die den unmaskierten Anführer der Geiselnehmer in einer innigen Umarmung mit Fleuchaus zeigen. Die Bilder erregten großes Aufsehen, weil sie beweisen sollen, daß der Entführer und sein Opfer offensichtlich im Laufe der Geiselnahme ein Liebesverhältnis pflegten. Seit der Veröffentlichung der Fotos haben die Verdächtigungen in Costa Rica zugenommen, die Geiselnahme sei bloß ein abgekartetes Spiel gewesen. Noch heute hält sich das Gerücht, die beiden vermeintlichen Opfer hätten mit ihren Entführern unter einer Decke gesteckt - sei es, um deren sozialpolitischen Forderungen Gehör zu verschaffen, sei es, um mit der Geiselnahme und dem folgenden Medienrummel Geld zu scheffeln. Im Gegensatz zu der in Deutschland lebenden Nicola Fleuchaus, die der Vernehmung der bis zu 35 Zeugen wohl fernbleibt, hat Siegfried am Donnerstag vor Gericht drei Stunden Rede und Antwort gestanden. Später zeigte sich die Auslandschweizerin erleichtert darüber, daß die Identität Vegas dank den publizierten Fotos schon vor dem Prozeß festgestanden habe. So habe sie trotz ihrer Aussage kaum Racheakte zu befürchten - immerhin befinden sich drei der fünf Entführer noch auf freiem Fuß. +++