Prozeß um Richtermord begann vor dem Landgericht: "Sie hat ihren Vater abgründig gehaßt"

Im Januar wurde der 52jährige Verwaltungsrichter Volker S. ermordet. Gestern begann der Prozeß gegen vier Jugendliche. Unter ihnen ist die 17jährige Adoptivtochter. Aus Gründen des Jugendschutzes wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.Mit ihren großen Kinderaugen und dem langen gewellten Haar wirkt Marianne S. wie ein nettes, liebes Mädchen. Ihr Äußeres ist eher unscheinbar, ihr Gesicht blaß und rund, von Make-up keine Spur. Augenscheinlich unbeteiligt sitzt sie auf der Anklagebank ­ in Jeans und weißer Bluse ­ nicht das geringste Anzeichen von Nervosität. Ihr gegenüber sitzt Dennis, ihr 16jähriger Freund. Beide müssen sich gemeinsam mit einem befreundeten Paar wegen einer Bluttat vom 17. Januar verantworten. In jener Nacht wurde der Adoptivvater der 17jährigen getötet, der 52jährige Richter am Verwaltungsgericht Volker S. Es war offenbar eine heimtükkische Tat. Der Richter schlief fest, als Dennis S. ihm zunächst mehrfach auf den Kopf geschlagen und ihn dann mit einem Elektrokabel erdrosselt haben soll. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, daß die Adoptivtochter die Tat lange geplant und Dennis dazu überredet hat. Sie habe zuvor schon einen anderen Freund dazu anstiften wollen, ihren Vater zu vergiften, wie eine Verteidigerin gestern bestätigte. Die beiden anderen Jugendlichen sollen an der Planung beteiligt gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft geht von Habgier als Motiv aus. Marianne habe die Wohnung ihres Vaters erben wollen.Mit Marianne und Dennis sitzen zwei Jugendliche mit einer schwierigen Kindheit vor Gericht. Dennis S. wuchs bei Pflegeeltern auf, lebte später in Heimen. "Im Grunde ist er ein ganz ruhiger, lieber Mensch", sagt Manuela L., Mutter eines Freundes von Dennis: "Er hat Marianne abgöttisch geliebt. Sie hat ihren Vater abgründig gehaßt."Marianne S. war ein halbes Jahr alt, als sie von dem kinderlosen Ehepaar S. adoptiert wurde. 1991 scheiterte die Ehe. Marianne wohnte zuerst bei der Adoptivmutter, einer Studienrätin, zog dann zum Vater. Sie suchte auch ihre leibliche Mutter ­ und fand diese angeblich als Trinkerin vor. Der Richter war mit der Erziehung des Mädchens offenbar überfordert. Einerseits soll er sehr streng gewesen sein, Marianne durfte kaum ausgehen, erzählt Manuela L. Andererseits teilte er seine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung auch mit Mariannes Freunden. Kurz vor der Tat haben dort auch Dennis sowie die beiden anderen Angeklagten mit ihrem Baby gelebt. Sabine Deckwerth