Im Prozeß um den Tod des Kreuzberger Jugendlichen Mete Eksi haben gestern die angeklagten Brüder bestritten, die Auseinandersetzung mit einer Gruppe junger Turken durch ausländerfeindliche Bemerkungen provoziert zu haben. Bei der Schlägerei im Oktober 1991 am Adenauerplatz war der l9jä.hrige Eksi von einem Baseballschläger getroffen worden. Drei Wochen später starb er an den Verletzungen.Atiye Eksi war blaß. Für die Mutter des Getöteten, die als Nebenklägerin an dem Prozeß teilnimmt, war der erste Verhandlungstag schwer durchzustehen. "Ich durchlebe alles noch einmal", sagte sie leise.Den Vormittag über hatte sie der Vernehmung der drei angeklagten Brüder Michael, Martin und Markus Sch. beigewohnt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Bootswart Michael Sch. (25) vor, Mete Eksi mit einem Basebalischläger, den Sch. zuvor einem anderen Turken entrissen hatte, tödlich verletzt zu haben. Die jüngeren Brüder im Alter von 24 und 18 Jahren werden beschuldigt, an der Schlägerei beteiligt gewesen zu sein.Lösten fremdenfeindliche Bemerkungen der Brüder, die aus einer Relnickendorfer Polizistenfamilie kommen, die tödliche Auseinandersetzung aus? Die Anklage geht nicht von einem rechtsradikalen Hintergrund aus. Auch die Brüder bestritten dies gestern. Einen Streit habe es "auf gar keinen Fall" gegeben, betonte der Hüne Michael Sch. Auf die Frage, ob die Deutschen die türkische Sprache nachgeäfft haben, reagierte sein Bruder Martin empört. "Nee, so was kann ich gar nicht sprechen. Und selbst wenn das so gewesen wäre. Ist das ein Grund, eine Baseball-Keu.le zu holen?" Er sei sich damals bewußt gewesen, "daß der Adenauerplatz ein heißes Pflaster ist. Die Ausländer halten zusammen."Gut erinnerten sich die Angeklagten gestern daran, daß Martin Sch. von Türken umringt worden sei und einer von ihnen mit einem Schal der "Rädelsführer" gewesen sei. Michael Sch. wußte auch, daß er einem Türken, der seinen Bruder mit einer Keule bedroht hatte, diese entrissen, herumgeschwenkt und dabei Martin Sch. getroffen hatte. Aber daß ein Schlag Mete Eksi auf den Kopf traf daran erinnerte er sich nicht."Der Prozeß ist eine Farce", ärgerte sich ein Freund des Getöteten. Bereits im Herbst 1993 hatten sich die an der Schlägerei beteiligten vier Türken vor Gericht zu verantworten. Gegen drei von ihnen ist das Verfahren eingestellt worden. Einer wurde zu einer jugendrechtlichen Maßnahme verurteilt. Sie werden voraussichtlich am Freitag als Zeugen gehört. Sigrid Avereseh