Der letzte Streit zwischen Hartmut N. und seiner Lebensgefährtin endete in einem Blutbad: Zehn Schüsse feuerte der 53-Jährige am 26. August 1999 in einer Nervenarztpraxis in Prenzlauer Berg auf seine ehemalige Freundin ab. Mit drei Schüssen streckte er eine Sprechstundenhilfe nieder auch sie starb. Mit der Tat beschäftigt sich jetzt eine Schwurgerichtskammer des Landgerichts. Die Anklage lautet auf Mord und Totschlag."Ich habe zwei Leben ausgelöscht. Ich bedaure dieses schreckliche Verbrechen zutiefst", sagte Hartmut N. am Montag mit gebrochener Stimme. Er habe in der Praxis die Nerven verloren, fügt der arbeitslose Kraftfahrer hinzu und entschuldigt sich "bei allen Angehörigen". Mehr sagt der Angeklagte am ersten Prozesstag nicht.Laut Staatsanwaltschaft musste seine Lebensgefährtin Sylvia Z. sterben, weil sie Hartmut N. den Laufpass gab. Die 37-Jährige wollte, so die Anklage, nicht länger zur Finanzierung seines Lebensunterhaltes der Prostitution nachgehen. Deshalb spürte Hartmut N. sie gegen 16.30 Uhr in der Arztpraxis an der Pappelallee auf bewaffnet mit einer Pistole der Marke "Makarov". Gesine P. wird diesen Tag nie vergessen. Die Psychologin hatte gerade eine Untersuchung beendet, als Patientin Sylvia Z. in das Anmeldezimmer gelaufen kam und aufgeregt nach der Polizei rief. Kurz darauf stand Hartmut N. in der Tür. "Er orientierte sich kurz, hob seine Waffe und schoss sehr konzentriert und gezielt", sagte die Zeugin am Montag vor Gericht. Die Psychologin konnte aus dem Zimmer fliehen. Die Sprechstundenhilfe Margit G. blieb hinter dem Schreibtisch stehen. Vermutlich hat sie der Versuch, per Telefon Hilfe herbeizurufen, das Leben gekostet. Hartmut N. erschoss auch die 48-jährige Mutter dreier Kinder.Der Chef der Praxis versuchte den Mann, nachdem die Schüsse gefallen waren, zu überwältigen. Dabei ging eine Fensterscheibe zu Bruch, und der Arzt verletzte sich. Erst von der Straße herbeigeeilte Passanten konnten den Mann schließlich festhalten. Helmut B., der Vater von Sylvia Z. und Nebenkläger im Prozess, ist empört: "Der Angeklagte hätte damals längst hinter Gittern sitzen müssen ein Skandal", sagt er. Hartmut N. war zwei Jahre zuvor vom Amtsgericht Neuss zu drei Jahren Haft verurteilt worden, weil er eine andere Frau mit einem Schlagring schwer misshandelt hatte. Verteidigung und Staatsanwaltschaft gingen in Berufung, und Hartmut N. kam in der Zwischenzeit auf freien Fuß. Der Haftbefehl war mit der Begründung aufgehoben worden, dass N. nicht vorbestraft sei und "keine Gefahr für die Allgemeinheit" darstelle. Der Anwalt von Helmut B. will jetzt rechtliche Schritte gegen die Justiz in Nordrhein-Westfalen prüfen. Der Prozess in Berlin wird am Montag fortgesetzt."Er hob die Waffe und schoss sehr konzentriert und gezielt. " Gesine P. , Zeugin

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