BERLIN, 31. Januar. Der Schadenersatzprozess um einen der größten Betrugsfälle der Treuhandanstalt ist mit einem Vergleich zu Ende gegangen. Der Ex-Manager des Berliner Unternehmens Wärmeanlagenbau (WBB), Michael Rottmann, muss demnach 20 Millionen Euro an die Treuhand-Nachfolgebehörde BvS zahlen. Sollte das Geld nicht bis kommenden August überwiesen worden sein, erhöht sich die Zahlungsschuld auf 50 Millionen Euro. Der in London lebende Rottmann, dem in Deutschland noch ein Betrugsprozess droht, hatte mit vier inzwischen zu Haftstrafen verurteilten Komplizen insgesamt mehr als 100 Millionen Euro aus dem früheren DDR-Betrieb gezogen und ins Ausland transferiert.Systematisch ausgehöhltWBB war aus dem DDR-Betrieb VEB Wärmeanlagenbau hervorgegangen, der nach der Wende noch 1 200 Mitarbeiter hatte. 1991 verkaufte die Treuhand den Betrieb an das unbekannte Schweizer Unternehmen Chematec - für zwei Millionen Mark, obwohl der Wert des Betriebes späteren Untersuchungen zufolge seinerzeit noch bei knapp 70 Millionen Mark lag. Rottmann, der hinter der Chematec stand, entzog dem Betrieb in der Folgezeit systematisch das Vermögen, indem er Firmenkonten plünderte und Grundstücke veräußerte. Als WBB 1995 pleite ging, setzte sich Rottmann ins Ausland ab.Erst im September 2000 ging er den Fahndern in London ins Netz. Seitdem wehrt sich der aus Oberhausen stammende Geschäftsmann erfolgreich gegen eine Auslieferung nach Deutschland.Rottmann hatte stets beteuert, nicht der Haupttäter in dem Betrugsfall gewesen zu sein, und angekündigt, bei einem Prozess in Deutschland die noch unenttarnten Verantwortlichen für die WBB-Pleite zu benennen. Tatsächlich ist bis heute ungeklärt, ob bei Rottmanns Kauf des DDR-Unternehmens auch Seilschaften innerhalb der Treuhandanstalt die Fäden zogen.