Queere Einblicke: "House of Shame/Chantal All NightLong": Späte Wiedergutmachung

Die Dokumentation "House of Shame, Chantal All Night Long" von Johanna Jackie Baier gibt Einblicke in das Leben der Transsexuellen Chantal Lehner und die von ihr veranstaltete Party "House of Shame". 1980 aus der Provinz nach West-Berlin geflohen, arbeitete Chantal 17 Jahre lang auf dem Straßenstrich, bevor sie sich als Party-Entertainerin durchsetzen konnte. Es spricht für unsere Ignoranz, dass wir von der seit elf Jahre existierenden queeren Institution vor der Pressevorführung noch nie gehört hatten. Der Film bietet nun aber Gelegenheit, sich über die Programmgestaltung der jeden Donnerstag im Bassy-Club stattfindenden Partyreihe, eine Vorstellung zu machen.So ist in den mit Freunden und Weggefährten Chantals geführten Interviews zwar viel von Rausch und Exzess die Rede, zu sehen ist davon eher weniger. Als Nichtbeteiligter ist die Begeisterung der Befragten nicht recht nachzuvollziehen, zumal die vielen Bands und Performer nicht durchweg interessant sind. Zu nah scheint die Regisseurin an ihrem Gegenstand zu sein, um auch dort nachzuhaken, wo es wehtun könnte. So viel Respekt vor der kapriziösen Person Chantal ist menschlich löblich - birgt aber die Gefahr, allzu gefällig zu wirken.Interessanter sind da die Einlassungen des Berliner Künstlers Salomé, der einen kurzen Überblick der Entwicklung vom homosexuellen zum multi- oder polysexuellen Leben der letzten 40 Jahre gibt. Von der damaligen Irritation der schwulen Gemeinschaft angesichts der Transen: "Dann waren sie nicht mehr schwul, sondern wollten nur noch Frauen sein!", bis zum heute eher weniger essentialistischen queeren Lebensstil. Irgendwann erzählt Chantal, dass es ihr in den 80ern nicht gelungen war, Zugang zu dem It-Schwulenkreis in Westberlin um Salomé zu bekommen, zu dem wohl auch der Leiter der Panorama-Sektion, Wieland Speck, gehörte. Die Programmierung der Hommage kann also als späte Wiedergutmachung gesehen werden. House of Shame/Chantal All Night Long 19.2.: 22.30 Uhr, CineStar 7.