Die Frau in Glücksburg verzichtete auf einen Helm, als sie am Nachmittag des 7. April 2011 auf ihr Fahrrad stieg und zur Arbeit fuhr. Das machen jeden Tag neun von zehn Radfahrern, sie ist also keine Ausnahme. An diesem Tag hatte die Entscheidung der Frau aber weitreichende Folgen.

Denn eine Autofahrerin öffnete die Fahrertür in dem Moment, als die Radfahrerin vorbeikam. Die Radlerin stürzte schwer, erlitt einen Schädeldachbruch und Hirnquetschungen. Sie musste zwei Monate lang im Krankenhaus behandelt werden.

Mit Helm wäre das nicht passiert, urteilte jetzt das Oberlandesgericht in Schleswig. Die Radfahrerin sei also nicht schuldlos an der Schwere der Verletzung, sie hätte ja einen Kopfschutz tragen können, heißt es im Urteilsspruch. Ihre finanziellen Forderungen an die Autofahrerin werden nicht zu 100, sondern nur zu 80 Prozent erstattet.

Klingt fast so, als würde durch die Hintertür die Helmpflicht in Deutschland eingeführt. Bisher gab es vergleichbare Urteile, wenn es um sportliche Radfahrer ging. Also um Leute, die mit dem Rennrad auf der Landstraße oder mit dem Mountainbike in rauem Gelände unterwegs sind. Jetzt sind auch alle anderen Radler betroffen.

Diskussion um Helmpflicht

Politiker und Verbände debattieren seit Jahren über die Helmpflicht. Sie haben es bisher bei der Freiwilligkeit belassen. Es gibt gute Gründe für den Helm und gute dagegen. Und es gibt die Frage nach Grenzen des Schutzes. Ein Beispiel: Unstrittig ist, dass viele Radfahrer Kopfverletzungen im Straßenverkehr erleiden. Unstrittig ist auch, dass viele Autofahrer Kopfverletzungen erleiden. Wäre es nicht sinnvoll, wenn in Zukunft außer Radfahrern auch Autofahrer Helme tragen müssten?

Nicht mal das Gericht in Schleswig fand in seinem Urteil eine eindeutige Argumentation. Die Richterin sprach davon, dass Helme generell einen Schutz vor Kopfverletzungen böten. Der Sachverständige urteilte dagegen nur für den vorliegenden Fall, dass ein Helm die Kopfverletzung allenfalls hätte verringern können. Womöglich wird sich bald der Bundesgerichtshof mit der Frage beschäftigen müssen.

Der ADFC hat gerade bundesweit 100 000 Aufkleber an Taxifahrer verteilt, in denen auf die Gefahren beim Öffnen der Türen hingewiesen wird. Eine sinnvolle Aktion des Fahrradclubs, das zumindest ist unstrittig.