Die Sachsen mögen's mit Nachsicht hinnehmen; Caspar David Friedrichs Erbe ist auch in Berlin lebendig: Die Galerie Taube zeigt Arbeiten von Walter Herzog, einem exzellenten Radierer im altmeisterlichen Stil. In den Grafik-Editionen des Staatlichen Kunsthandels der DDR sorgten seine Blätter für Rekordumsätze. Auch heute sind die phantastisch-realen Kleinodien einer entschwindenden Welt bei Kunstfreunden beliebt.Seit mehr als zwanzig Jahren formt der Künstler dieselben Motive, ruft selten gewordene Dinge unserer Umwelt in den Zeugenstand. Natur pur, könnte man meinen. Alte knorrige Bäume, Waldsäume, Baumalleen, Windflüchter, helle Seen. Brücken über Bäche, vermoderte Tümpel und brüchiges, verwittertes Gemäuer. Der Künstler gewährt Ausblicke durch Efeupforten, lenkt Schritte Laubstufen empor, zeichnet ein Baumtraumhaus.Doch Herzog wandelt nicht nur auf verwunschenen Pfaden. Bei all ihrer Ruhe und Stille suggerieren seine Werke doch nicht allein die Romantik einer heilen Welt. Denn Herzog hält es noch mit einem anderen verehrten Meister: Max Ernst. So steckt in manchem Blatt auch etwas von den Metamorphosen der Surrealisten. Landschaften, die zur Meditation einladen.Begonnen hat Herzog nach dem Krieg als Architekt, ließ sich aber auch in Handwerk und Geheimnis von Malerei und Grafik einführen. Einem damaligen Trend entsprechend, versuchte er sich im Gegenstandslosen. 1971 fand er zur Radierung. Es dauerte fast ein Jahrzehnt, bis er sie ausschließlich zu seinem Beruf machte. Mit Erfolg. Denn inzwischen hat er es auf 148 Einzelausstellungen gebracht, seine Arbeiten befinden sich in Kupferstichkabinetten und Museen Deutschlands. Seine surreale Flecht- und Strichpartikelwelt zeigt subtil ein Stückchen Werden und Vergehen, zeitbegrenzte Schönheit ohne Melancholie.Astrid Volpert Pariser Straße 54, bis 23.11. Di-Fr 16-19, Sa 11-14 Uhr. +++