NEURUPPIN. Vor der Wohnungstür des Neuruppiners Wolfgang Schlichting steht ein altes Radiogerät, wie es wohl noch auf vielen Dachböden zu finden ist. Der hölzerne Kasten hat einen Regler für die Lautstärke, einen Knopf für die Sender und fünf weiße Tasten für die Wahl des Wellenbereichs. "Irgendjemand hat es vor kurzem hier abgestellt", sagt Schlichting. Dass man dem 49-jährigen Deutschlehrer immer wieder ausgediente Rundfunkgeräte vor die Tür stellt, liegt an seinem stadtbekannten Hobby: Seit mehr als sieben Jahren sammelt er alles, was Musik macht. An die 350 Radios hat er zusammengetragen. Eine Auswahl zeigt er ab diesem Sonnabend im ersten privaten Rundfunkmuseum des Landes in der Neuruppiner Kommissionsstraße 16.Seine Leidenschaft für alte Radios entdeckte Wolfgang Schlichting bei einem Bier in seinem Stammlokal. "Die Wirtin fragte in die Runde, wer etwas mit einem alten Radio anfangen könnte", sagt Schlichting. Weil sich niemand für das "Olympia 573 BN" fand, nahm er das Gerät mit nach Hause. "Wenig später entdeckte es ein Freund, der ein ähnliches Fabrikat hatte." Und weil auch der keine Verwendung mehr für sein Radio hatte, überließ er es ihm. "Damit war der Grundstein für meine Sammlung gelegt", sagt der Neuruppiner.Das "Olympia 573 BN" wurde 1954 in den Sachsenwerken in Niedersedlitz bei Dresden hergestellt und funktioniert heute noch. Als einziges Stück der Sammlung fand es einen Platz in Schlichtings Wohnzimmer. Obwohl er auch eine Hi-Fi-Anlage besitzt, schaltet er lieber sein altes Radio ein, um Musik zu hören. "Der Klang ist wegen des Holzgehäuses einfach besser." Die Sammlung ist inzwischen in einer alten Lkw-Garage hinter dem Haus untergebracht. Dort türmen sich Apparate aus den Jahren 1933 bis 1989 - es sind zumeist Fabrikate aus DDR-Produktion. Auffällig sind vor allem die aufwändigen Musikmöbel wie beispielsweise die Kombination "Cabinet" aus dem Jahr 1958. Das hellbraune Schränkchen sieht wie eine Kommode aus und vereint neben dem Radio auch einen Plattenspieler, ein Tonbandgerät und einen Fernseher. Oder der Barwagen "Siesta" aus den 60er-Jahren: Das ebenfalls in den Sachsenwerken hergestellte Stück hat links und rechts neben dem Radiogerät zwei Fächer für Flaschen und Gläser. "Viele Radios waren damals mehr als ein Monatsgehalt wert", sagt Wolfgang Schlichting. Rund 80 Radios und Tonbandgeräte stellt Wolfgang Schlichting im Rundfunkmuseum aus. Auf zwei Etagen können sich Besucher über die Geschichte der Radios informieren. Schautafeln geben einen Überblick über die Geschichte des Rundfunkwesens in Deutschland. Betreut wird die Ausstellung von einem siebenköpfigen Förderverein. Bis Ende August ist das Haus dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen können telefonisch unter (0 33 91) 35 82 23 und (01 70) 987 74 56 vereinbart werden.