Arzt klärt auf: Kann man störende Nasen- und Ohrenhaare dauerhaft entfernen?

Sind Nasen- und Ohrhaartrimmer empfehlenswert? Kriegt man mehr Popel, wenn man viele Nasenhaare hat? Wieso hat man eigentlich Haare an Nase und Ohren?

Wuchernde Nasen-und Ohrenhaare sehen nicht schön aus, doch ist die Entfernung ratsam?
Wuchernde Nasen-und Ohrenhaare sehen nicht schön aus, doch ist die Entfernung ratsam?imago/Shotshop

Manchmal kann der eigene Körper es einem ganz schön schwer machen, beispielsweise wenn Haare an unerwünschten Stellen sprießen. Frauen haben mit einem Damenbart oder Haaren auf der Brust zu kämpfen, Männer hingegen sind nicht selten von einem stärkeren Haarwuchs an Nase und Ohren betroffen.

Und auch wenn Körperbehaarung im Normalfall kein medizinisches Problem ist, sondern lediglich als optischer Makel empfunden wird, ist es für Betroffene oftmals zumindest nervig. Für die meisten Menschen ist klar: An bestimmten Stellen haben keine Haare zu wachsen, sie müssen weg.

Aber ist das vor allem an Nase und Ohren auch sinnvoll? Ist es ratsam? Besteht die Gefahr, bestimmte Körperfunktionen zu beeinträchtigen, wenn man die Härchen trimmt? Oder ist das Entfernen der Nasen- und Ohrenhaare gar zwingend nötig, weil sie das Atmen und Hören beeinträchtigen könnten? Beantworten kann das der Hals-Nasen-Ohren-Arzt und Buchautor Dr. Uso Walter.

Warum haben wir Haare in Nase und Ohren?

„Die Haare an Ohren und Nase sind in der Regel sehr fein und schützen unseren Körper vor der Umwelt“, sagt HNO-Arzt Walter. „Diese Körperöffnungen kann man ja nicht verschließen, weshalb das Eindringen von Staub und Keimen anderweitig verhindert werden muss. Dazu sind die Härchen da.“

Die Haare seien wie ein Sieb, ein mechanischer Schutz, und dienen also „als grober Filter, damit weder Schmutzpartikel, noch Fremdkörper hineingelangen und Nase oder Ohr blockieren“, so der Mediziner weiter. „Denn das würde uns natürlich beeinträchtigen.“

Wie groß die Härchen sind, ist individuell verschieden. Sie können wie ein Flaum sein, aber durchaus auch lang, schwarz und nahezu borstig. „Besonders Männer haben generell einen stärkeren Haarwuchs, weshalb es sein kann, dass die Haare Ohren oder Nase verstopfen. Frauen haben in der Regel weniger und kleinere Haare“, erklärt Walter.

Ist es schlimm, wenn man viele Ohren- und Nasenhaare hat?

Wenn Ohren- und Nasenhaare sichtbar werden, ist das nicht schlimm und zunächst ein rein optisches Problem, das als störend empfunden wird. „Jedoch kann es auch sein, dass die starke Behaarung im Gehörgang das Abfließen des Ohrenschmalzes behindert“, warnt Dr. Uso Walter.

Ohrenschmalz reinigt die Gehörgänge. Es wird in der Nähe des Trommelfells gebildet und fließt dann wie auf einem Transportband nach außen ab. „Durch die Haare kann dieser wichtige Mechanismus gestört sein, weshalb sich das Ohrenschmalz staut. In der Folge kann es sich verhärten, weshalb es im Ohr jucken kann“, so der HNO-Arzt. „Sodann können Entzündungen im Gehörgang entstehen, und dann ist es ein medizinisches Problem.“

Bei der Nase sind in der Regel keine derartigen Folgen zu befürchten, wenn man die Haare sprießen lässt. Dennoch kann es sein, dass beispielsweise die Atmung beeinträchtigt wird. Zudem können die Haare leichter mit Nasensekreten verkleben, sodass vermehrt Popel gebildet werden. Auch das kann unangenehm sein.

Sollte man Ohren- und Nasenhaare entfernen?

Der HNO-Arzt sagt, dass man störende Nasen- und Ohrenhaare ruhig entfernen kann: „Nutzen Sie hierfür eine Nagel- oder Nasenschere beziehungsweise einen speziellen Trimmer. Kürzen Sie die Haare vorsichtig und schauen Sie im Spiegel, dass Sie nicht zu tief eindringen. Wenn Sie die Haare nämlich zu kurz schneiden wollen, könnten Sie sich verletzen.“

Das Haareentfernen mit einem Trimmer erfordert ein wenig Übung. Man muss vor allem am Anfang behutsam vorgehen, weil die Scheren vorn rotieren. Kommen Sie damit an die Haut in Nase oder Ohren, ist das schmerzhaft.

„Das Entfernen der Nasenhaare ist einfacher, weil man sich dabei gut im Spiegel beobachten kann. Die Ohren sind schwieriger, weshalb man sich nicht scheuen sollte, Hilfe in Anspruch zu nehmen“, rät Dr. Uso Walter. Bitten Sie beispielsweise Ihren Partner oder Ihre Partnerin, die Ohrenhaare zu kürzen.

Am sinnvollsten – wenngleich nicht so kostenneutral – ist es, das Entfernen der Ohrenhaare einem Profi zu überlassen, wie der Mediziner sagt: „Viele Friseure bieten an, die Haare am Ohr abzuflammen. Das ist ein probates Mittel.“

Vermutlich kommen Sie ohnehin nicht auf die Idee, aber der Vollständigkeit halber muss es erwähnt werden: Zupfen Sie die Haare in Nase und Ohren auf gar keinen Fall aus! „Das tut höllisch weh und es kann Entzündungen zur Folge haben, ganz besonders in der Nase, wo es auch viele Keime gibt“, so Walter. Lassen Sie also die Finger von der Pinzette.

Denken Sie beim Entfernen der Nasen- und Ohrenhaare aber immer auch daran, dass die Haare einen Sinn haben, dass Sie sie vor Keimen und Schmutzpartikeln schützen. Deshalb sollten Sie darauf achten, sie nicht zu stark zu beschneiden.

Wann sollte ich wegen der Nasen- und Ohrenhaare zum Arzt?

Das Entfernen der Behaarung in Nase und Ohren ist nicht die Aufgabe von Ärztinnen und Ärzten. Dass Sie sich von den sprießenden Härchen gestört fühlen, ist also kein Grund, in eine Praxis zu gehen. Anders sieht es aus, wenn Sie körperliche Beschwerden haben, die Sie auf die Haare zurückführen, beispielsweise Entzündungen.

„Normalerweise kriegt der Körper solch kleine, lokale Entzündungen selbst gut in den Griff“, beruhigt Dr. Uso Walter. „Sollte das nicht der Fall sein, wenn die Wunde beispielsweise eitert, die Nase rot und geschwollen ist, Ohrenschmerzen auftreten, dann muss wahrscheinlich eine antibiotische Salbe eingesetzt werden.“

Dr. Uso Walter: „Zu viel um die Ohren: Wie Stress das Hören verändert“, Ecowin-Verlag, 288 Seiten, 22 Euro.