Am See, im Park: Darf ich Enten, Schwäne und Möwen füttern?

Gerade im Winter sorgen sich viele Menschen, ob Berlins Wasservögel genug zu fressen finden. Ist getrocknetes Brot okay? Oder besser Haferflocken? Ein Ratgeber.

Hübsch und froh übers mitgebrachte Brot. Aber darf man Enten eigentlich füttern?
Hübsch und froh übers mitgebrachte Brot. Aber darf man Enten eigentlich füttern?imago images

Gerade im Winter, wenn es kalt ist und die Natur nicht so üppig grünt und blüht, neigen wir Menschen dazu, den Stadttieren unsere Hilfe angedeihen lassen zu wollen. Vor allem für Kinder ist es ein großer Spaß, Enten im Park oder am See zu füttern, ihnen Brotkrumen hinzuwerfen und zuzuschauen, wie die Vögel sich darauf stürzen.

Die Wasservögel in der Stadt scheinen sich immer sehr zu freuen, wenn man ihnen Brot mitbringt oder Haferflocken auf den Weg streut. Aber ist das wirklich eine gute Idee, tut man den Tieren damit einen Gefallen? Der Wildtierreferent der Senatsumweltverwaltung, Derk Ehlert, wird da sehr deutlich: „Finger weg von der Wasservogelfütterung!“

Ist es wirklich schlimm, Enten im Park zu füttern?

Die meisten Menschen glauben, es wäre kein Problem, Enten oder anderen Wasservögeln ein bisschen Brot zum Fressen zu geben. Aber wenn nur jeder Dritte so denkt, der am Tag dort vorbeispaziert, kommt jede Menge Futter zusammen, oftmals das falsche.

„Der Verdauungstrakt von Wasservögeln ist für verarbeitete Lebensmittel gar nicht ausgelegt, sie vertragen es schlicht nicht“, warnt Derk Ehlert. „Ihr Magen ist dann zwar voll, aber es macht nicht satt. Sie können daraus quasi nichts verwerten.“ Insbesondere Brot würden die Vögel nicht vertragen, Haferflocken nur in geringsten Mengen und auch nur als Beimischung in speziellen Wasservogelfuttermischungen.

Viele Menschen verfüttern selbst schimmliges Brot. Doch das ist für unsere Wasservögel genauso ungesund wie für uns. Generell kann das Füttern für die Enten und ihre Artgenossen fatale, gar tödliche Folgen haben, wie der Wildtierexperte erklärt: „Die Tiere leiden, weil das Brot im Magen aufquillt. Das kann erhebliche Schädigungen hervorrufen, unter anderem Verstopfungen. Regelmäßig verenden Wasservögel aufgrund von Fütterungen.“

Die Wasservögel in der Stadt scheinen sich immer sehr zu freuen, wenn man ihnen Brot mitbringt – tun soll man es trotzdem nicht.
Die Wasservögel in der Stadt scheinen sich immer sehr zu freuen, wenn man ihnen Brot mitbringt – tun soll man es trotzdem nicht.Imago/Schöning

Dass man die toten Vögel so gut wie nie zu Gesicht bekommt – und deshalb vielleicht annehmen könnte, dass das Problem gar nicht so gravierend sei wie zuvor geschildert –, liegt an der schlichten Tatsache, dass tote Tiere immer auch eine Beute für andere Tiere sind. „Fuchs, Marder, Krähe, Greifvogel, sie alle holen sich die verendeten Wasservögel binnen kürzester Zeit“, so Derk Ehlert.

Das sei, so der Fachmann, wie bei einem verlorenen Geldschein: Den sehen Sie auch nie wieder, weil jemand anderes ihn blitzschnell aufhebt. Weg ist er! Im Übrigen kann Brot, das man aufs Wasser wirft, auch dort große Schäden anrichten. Die verarbeiteten Nährstoffe, darunter Salz, können das Algenwachstum begünstigen – und in der Folge kann das Gewässer umkippen, alle Lebewesen darin sterben. Futterreste an Land können Ratten anlocken.

Ein weiterer negativer Nebenaspekt der Fütterung ist, dass die Vögel sich daran gewöhnen, an Land unterwegs zu sein, was sie im Zweifel zu leichterer Beute macht, auch für streunende Katzen. Hinzu kommt, dass den Vögeln durch das Gefüttertwerden eine wichtige Tagesbeschäftigung abhandenkommt, nämlich die Futtersuche.

Das Füttern der Park- und Seevögel ist also ein klassischer Fall von „gut gemeint ist nicht gut gemacht“. Wer den Tieren Gutes tun will, lässt sie einfach in Ruhe, rät der Wildtierexperte: „Enten und andere Wasservögel finden an den allermeisten Tagen im Jahr mehr als genug Nahrung, sie gründeln im Wasser, fressen Algen, Muscheln, Schnecken. Stockenten zum Beispiel bevorzugen vegetarische Kost.“

Wir sollten darauf achten, die Vögel nicht zu stören, gerade in der für sie anstrengenden Winterzeit. Hunde sollten an der (kurzen) Leine gehalten werden, auch Kinder sollten die Vögel nicht aufschrecken. Die Tiere brauchen zudem Rückzugsräume, wo sie gefahrlos ruhen und im Frühjahr brüten können. „Gerade die Gewässerrandzonen sind sehr sensible Lebensbereiche, die unbedingt ungestört bleiben müssen“, so Ehlert.

In der Dämmerung gilt auf den großen Seen: Bitte nicht mehr losrudern, kein Stand-up-Paddeln mehr, wie der Senats-Fachmann erläutert: „Manche Wasservögel wie die Möwen schlafen auf dem Wasser und werden dadurch aufgescheucht, was sie unnötig in Panik versetzt und sinnloserweise Energie verbrennt.“