Energie sparen, Schimmel vermeiden: Expertin verrät, wie Sie richtig lüften

Warum Stoßlüften nicht immer richtig ist, wie lange man bei welchen Temperaturen die Fenster öffnen sollte: Eine Expertin der Verbraucherzentrale erklärt es.

Fenster auf, durchlüften: Fürs Raumklima und die Gesundheit ist frische Luft wichtig.
Fenster auf, durchlüften: Fürs Raumklima und die Gesundheit ist frische Luft wichtig.dpa/Christoph Schmidt

Die Heizperiode rückt immer näher. Offiziell beginnt sie jetzt im Oktober, und mitunter ist es über Nacht schon so kühl, dass man fast nicht anders kann, als die Heizung doch anzustellen. Viele Menschen zögern jedoch angesichts horrend hoher Gaspreise. Und auch das Lüften steht auf dem Prüfstand: Sollte man kalte Luft in die Wohnung lassen, wenn es drinnen ohnehin schon nicht so richtig warm ist?

Natürlich wissen wir alle, dass das Lüften wichtig ist – spätestens in der Corona-Zeit haben wir gelernt, dass der Luftaustausch auch Keime hinausbefördert. Aber nicht nur das. Auch Schimmelbildung in der Wohnung hängt maßgeblich vom Lüftungsverhalten ab. Und tatsächlich kann man dabei viel falsch machen.

Margrit Unger ist Architektin und Energieberaterin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg. Sie sagt: „Im Sommer und bei milden Temperaturen ist es kein Problem, mit angekippten Fenstern zu lüften. Sobald es aber draußen kühler wird, funktioniert das nicht mehr so gut.“

Wann sollte man wie lüften?

Das beste Klima zum Lüften ist „ein strahlender Wintertag“, so Margrit Unger. „Im Winter ist die Luftfeuchtigkeit generell sehr gering.“ Und wenn keine Wolken am Himmel sind, kann sich auch keine Feuchtigkeit darunter stauen. An wolkenverhangenen Tagen ist die Luftfeuchtigkeit höher als an sonnigen. Was aber nicht heißt, dass Sie nur an Sonnentagen lüften sollten.

Grundsätzlich sollte man etwa dreimal pro Tag lüften: morgens nach dem Aufstehen, mittags oder nachmittags sowie vor dem Zubettgehen. „Wer den ganzen Tag nicht zu Hause ist, bei dem kann es auch ausreichen, nur zweimal täglich zu lüften“, so Margrit Unger. „Wer jedoch tagsüber zu Hause ist, hat einen höheren Feuchteeintrag in die Wohnung, weshalb ein drittes oder vielleicht sogar viertes Mal Lüften angeraten ist.“

Als Faustregel gilt: Je kälter es draußen ist, desto kürzer sollte das Lüften ausfallen. „Wenn es draußen zwölf Grad sind und es windstill ist, sind 15 Minuten eine gute Lüftungsdauer. Bei minus fünf Grad im Winter reichen dann fünf Minuten“, erklärt die Expertin.

Ein längeres Lüften ist nicht ratsam, wie die Verbraucherschützerin weiß: „Wer bei kühlen Außentemperaturen zu lange lüftet, riskiert nicht nur, dass die Wände auskühlen, was wiederum das Schimmelrisiko erhöht, sondern es dauert dann auch länger, die Räume wieder aufzuheizen.“

Wenn Sie also nicht für die Straße heizen wollen, lüften Sie entsprechend der Wetterlage. Falls es windig ist, verkürzen Sie die Zeit der offenen Fenster. Wichtig: Damit es zu einem optimalen Luftaustausch kommt, sollten Sie quer- und stoßlüften. Das heißt, dass Sie vor allem Fenster von gegenüberliegenden Räumen vollständig öffnen, damit ein Luftzug entsteht und die Luft zügig ausgetauscht werden kann.

Das hat den Vorteil, dass es erstens schneller geht als bei gekippten Fenstern und zweitens die ausgetauschte Luft sich besser wieder erwärmt als verbrauchte Luft. „Bei Kipplüftung kommt es in der kalten Jahreszeit zu keinem optimalen Luftaustausch, sondern eher zu einer lokalen Abkühlung“, sagt Margrit Unger. „Die Bauteile müssen aber warm bleiben.“

Wände müssen mindestens 12,5 Grad warm sein, Zimmer mindestens 16 Grad, um einer Schimmelbildung vorzubeugen. „Sobald es weniger als zwölf Grad an den Wänden sind oder die Luftfeuchtigkeit dauerhaft hoch ist, entsteht sehr schnell Schimmel“, so die Fachfrau. Sie müssen also heizen – lassen Sie keinen Raum unbeheizt! – und in den richtigen Intervallen lüften.

Wenn nämlich die Luft nicht gleichmäßig ausgetauscht wird, kann die wärmere Luft – etwa aus einem hinteren Teil des Zimmers – an den ausgekühlten Bauteilen rund ums Fenster kondensieren, sodass sich Schimmel bilden kann. Bei einer ordentlichen Querlüftung kann das nicht passieren, weil die Luft in Bewegung ist und umfassend ausgetauscht wird.

Achten Sie auch darauf, dass Möbel nicht zu dicht an Außenwänden stehen. Das gilt vor allem für Schlafräume, die normalerweise kühler sind als die Wohnräume. „Gerade wenn sich an den Außenwänden Fallrohre oder Dachrinnen befinden, kann es sein, dass Feuchtigkeit ins Mauerwerk eindringt. Eine zusätzlich schlechte Lüftung würde das Schimmelrisiko noch mehr erhöhen“, warnt die Falkenseer Architektin.

Generell sollten Sie die Zimmertüren während der Heizperiode geschlossen halten, damit die warme Luft erstens dort bleibt, wo Sie sie haben wollen, nämlich in den warmen Räumen, und damit sie, zweitens, nicht in den kälteren kondensiert.

Vorsicht beim Stoßlüften im Bad

„Das Badezimmer ist in der Regel ein sehr warmer Raum mit einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit“, weiß Margrit Unger. „Deshalb sollte man Badtüren stets geschlossen halten. Warme Luft speichert mehr Feuchtigkeit. Und wenn diese Luft in kühlere Räume kommt, kann sie schnell an den vergleichsweise kalten Wänden kondensieren, und die Folge kann Schimmelbildung sein.“

Aus diesem Grund sollte man vor allem nach dem Duschen oder nach dem Baden niemals querlüften, sondern die Badtür verschließen und dann die Fenster komplett öffnen, sodass die feuchtwarme Luft einfach abzieht. „Querlüften ist nur dann sinnvoll, wenn in den jeweiligen Räumen in etwa das gleiche Klima herrscht“, so die Fachfrau.

Zudem rät Margrit Unger, nach Dusche oder Bad die feuchten Fliesen abzuwischen, vor allem dann, wenn man kein oder nur ein kleines Fenster hat. Das senkt die Luftfeuchtigkeit etwas ab und minimiert so das Schimmelrisiko.

Tipp: Kaufen Sie sich ein Hygrometer

Solange die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen 60 Prozent nicht übersteigt, muss man sich um Schimmelbildung keine großen Sorgen machen. Um das im Blick behalten zu können, braucht man ein Hygrometer. Diese gibt es für wenige Euro im Handel, meistens als Kombigeräte mit Temperaturanzeige.

„Wenn Sie mehr als 70 Prozent Luftfeuchtigkeit in den Räumen haben, lüften Sie falsch“, weiß Margrit Unger. „Dann sollten Sie entweder länger oder häufiger lüften.“ Andernfalls besteht auch hier Schimmelgefahr.

Was tun, wenn sich Schimmel gebildet hat?

Sobald Sie Schimmel entdecken, sollten Sie handeln. Rücken Sie Möbel ab, falls sich dahinter Schimmel befindet. „Setzen Sie sich eine FFP2-Maske auf, denn die Sporen sind giftig“, rät die Verbraucherschutz-Expertin. „Glatte Oberflächen können Sie mit Spiritus abwischen, das ist sehr effektiv. Es gibt aber auch spezielle Schimmelbeseitigungsflüssigkeiten zu kaufen.“

Falls Sie Schimmel an Silikonfugen entdecken, müssen diese komplett ausgetauscht werden. In jedem Fall gilt: Dort, wo Schimmel war, sollten Sie ein Auge drauf haben. Falls der Schimmel schwarz war, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er wiederkommt. Platzieren Sie Möbel fortan mindestens fünf Zentimeter von der Wand entfernt, an der sich Schimmel gebildet hatte, um auch dort einen Luftaustausch zu ermöglichen.

Achten Sie darauf, dass der Raum nicht komplett auskühlt, und lüften Sie unabhängig von der Nutzung mindestens zweimal täglich. Tipp: Drehen Sie den Thermostat des Heizkörpers etwa auf Stufe 1 bis 2. Dann sollte automatisch dafür gesorgt sein, dass kontinuierlich 16 Grad in dem Raum sind – prüfen Sie es dennoch mit einem Raumthermometer, weil eben schon mindestens 16 Grad erreicht werden sollten.