Weniger duschen, kälteres Wasser: Muss ich jetzt Angst vor Legionellen haben?

Um Energie zu sparen, duschen viele Menschen seltener und nutzen generell häufiger kaltes Wasser. Haben Keime in den Leitungen somit leichtes Spiel?

Wegen der gestiegenen Energiepreise duschen viele von uns seltener, kürzer und weniger heiß. 
Wegen der gestiegenen Energiepreise duschen viele von uns seltener, kürzer und weniger heiß. dpa/Annette Riedl

Seitdem die Gas- und Strompreise quasi unaufhörlich steigen und wir auch aus Gründen einer drohenden Knappheit zur Sparsamkeit angehalten sind, wird bei den meisten Menschen zu Hause weniger geheizt und seltener geduscht. Energie sparen ist das Gebot der Stunde.

Aber kann das auch Nachteile haben? Können sich Keime in den Duschleitungen vermehren, wenn man nicht mehr täglich duscht? Was ist mit Legionellen? Kann der Abfluss irgendwann stinken, weil die Badewanne nicht mehr genutzt wird? Und überhaupt: Wie geht es den Berliner Wasserleitungen? Noch vor ein paar Jahren hieß es, man sollte kein Wasser sparen, weil die städtischen Rohre sonst nicht ausreichend durchgespült werden und verstopfen könnten.

Astrid Hackenesch-Rump von den Berliner Wasserbetrieben (BWB) gibt Entwarnung: „Die Wassernutzung ist in Berlin in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen im Vergleich zu den 90er-Jahren. Das liegt zum einen an der klimatischen Entwicklung, zum anderen am Bevölkerungswachstum.“

Heißt schlussendlich: „Für das Abwassersystem ist ausreichend Wasser vorhanden.“ Dennoch gebe es Stellen, an denen gespült werden müsse, so die BWB-Pressesprecherin. „Dies tun wir zum großen Teil mit sogenannten HDSR-Wagen, HDSR steht für Hochdruckspülen mit Wasserrückgewinnung. Dies ist deutlich effizienter und ressourcenschonender als ein flächendeckender Mehrverbrauch.“

Können sich Keime in wenig genutzten Leitungen vermehren?

Grundsätzlich können „sich Mikroorganismen in stehendem Wasser besser vermehren, gerade auch, wenn es warm ist“, so Astrid Hackenesch-Rump. „Deshalb raten wir zum Beispiel bei mehrtägiger Abwesenheit dazu, zunächst alle Wasserhähne in der Wohnung aufzudrehen, und zwar so lange, bis das Wasser gleichmäßig kühl fließt, denn dann kommt es direkt aus dem Rohrnetz.“

Das abfließende Wasser können Sie auffangen und beispielsweise zum Blumengießen verwenden.

Fängt der Ausfluss an zu stinken, wenn man selten duscht?

Zunächst einmal ist es so, dass „im optimalen Fall die Dusch- oder Badewannenarmatur in das Leitungsnetz so eingebunden sein sollte, dass das WC oder das Handwaschbecken der letzte Verbraucher ist und der Wasseraustausch in der Leitung darüber gewährleistet ist“, sagt Kay Jonas, Technischer Berater bei der Innung Sanitär, Heizung, Klempner, Klima. „Voraussetzung dafür ist, dass Sie das WC oder das Handwaschbecken benutzen.“

Das heißt: Wenn Sie regelmäßig die Toilette und das Waschbecken benutzen, werden die Leitungen von Dusche und Wanne automatisch mit gespült, weil sie sozusagen auf dem Weg liegen. Aber: „Alle 72 Stunden sollte der Wasserinhalt in Ihrer Trinkwasserleitung einmal abgeflossen sein“, rät Kay Jonas.

Vor üblen Gerüchen müssen Sie sich im Regelfall auch dann nicht fürchten, wenn Sie länger weder duschen noch baden. Am Ausfluss befindet sich der sogenannte Siphon: Hier steht das Wasser. Immer. Dieses wird Sperrwasser genannt und „verhindert, dass die Kanalgase aus der Abwasserleitung in Ihren Wohnraum vordringen“, so Kay Jonas. Sollte dieses Sperrwasser müffeln, muss der Siphon gereinigt werden.

Meistens funktioniert das hervorragend mit Hausmitteln: Geben Sie zunächst zwei Löffel Backpulver oder Natron in den Abfluss. Dann gießen Sie etwa 200 Milliliter Essig hinterher. Es wird ordentlich schäumen! Lassen Sie das Ganze für etwa 15 Minuten ruhen und spülen dann mit reichlich lauwarmem Wasser nach.

Sollte das nicht helfen, wäre es ratsam, wenn „sich ein fachkundiger Installateur den Abfluss ansieht“, so der Innungsexperte. Und für den Fall, dass der Siphon austrocknet, gießen Sie einfach etwas Wasser nach, bis wieder ausreichend vorhanden ist und es stehen bleibt.

Muss ich mit Legionellen rechnen, wenn ich selten und nicht mehr so warm dusche?

Legionellen sind „Bakterien, die beim Menschen unterschiedliche Krankheitsbilder verursachen, von grippeartigen Beschwerden bis zu schweren Lungenentzündungen. Sie sind weltweit verbreitete Umweltkeime, die in geringer Anzahl natürlicher Bestandteil von Oberflächengewässern und Grundwasser sind“, schreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA).

Übertragen werden Legionellen durch „zerstäubtes, vernebeltes Wasser“, so die BzgA. „Die erregerhaltigen Tröpfchen können sich in der Luft verbreiten und eingeatmet werden. Mögliche Ansteckungsquellen sind beispielsweise Duschen, Whirlpools, Luftbefeuchter oder Wasserhähne. (…) Beim Trinken ist eine Ansteckung in seltenen Fällen möglich, wenn Wasser beim Verschlucken versehentlich über die Luftröhre in die Lunge gelangt.“

Die winzig kleinen Stäbchenbakterien lieben Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad. Bei unter 20 Grad können sie sich kaum noch vermehren, ab 60 Grad „werden sie meistens abgetötet“, so die BzgA weiter und warnt: „Besonders in künstlichen Wassersystemen wie Wasserleitungen in Gebäuden finden die Erreger bei entsprechenden Temperaturen gute Wachstumsbedingungen. In Ablagerungen und Belägen des Rohrsystems können sich die Legionellen besonders gut vermehren.“

Muss ich mir also Sorgen um meine Gesundheit machen, wenn ich Gas und Wasser spare?

Die Sprecherin der Berliner Wasserbetriebe, Hackenesch-Rump erklärt dazu: „Ein Nebeneffekt des Energiesparens könnte die Bildung von Legionellen sein. Hier ist es wichtig, das Warmwasser auf mindestens 60 Grad zu erhitzen, denn bei geringeren Temperaturen und wenig Durchfluss können sich diese Bakterien sonst vermehren.“

Wichtig: Die hohen Wassertemperaturen sollten weder aus dem Duschkopf noch aus dem Wasserhahn kommen, wenn Sie sich waschen wollen. Sie würden sich verbrühen. Bei den mehr als 60 Grad geht es um die sogenannte Vorlauftemperatur, mit der das Wasser im Kreislauf Ihres Hauses vorgeheizt wird. Am Wasserhahn selbst regulieren Sie die Temperatur so, wie es Ihnen angenehm ist. Sofern also die Vorlauftemperatur hoch genug ist, müssen Sie sich nicht sorgen.

Jonas warnt jedoch davor, selbst an der Warmwasseranlage Einstellungen oder Umprogrammierungen vorzunehmen: „Die Trinkwassertemperatur sollte ausschließlich von einem fachkundigen Installateur verändert werden und könnte vom Fachbetrieb im Rahmen der kostenpflichtigen Heizungsoptimierung mit durchgeführt werden. Dies sollten Sie jedoch im Vorfeld mit Ihrem Fachbetrieb abstimmen.“

Grundsätzlich ist es Aufgabe des Eigentümers beziehungsweise Vermieters, sich um die Wartung der Anlage zu kümmern. Als Mietender muss und darf man in der Regel niemanden beauftragen, an der Heizungs- und Wasseranlage zu arbeiten. Vor allem sollte man nicht selbst Hand anlegen, sofern man Laie ist.