In der kalten Jahreszeit: Warum wird die Wäsche nicht trocken?

Kann es sein, dass die Wäsche nicht trocknet, weil man weniger heizt? Ist ein Wäschetrockner eine gute Investition? Ein Verbraucherschützer klärt auf.

Bei uns unüblich, in südlichen Ländern Usus: Wäsche in luftiger Höhe
Bei uns unüblich, in südlichen Ländern Usus: Wäsche in luftiger HöheUwe Dlouhy

Im Sommer ist es mit dem Wäschetrocknen auf der Leine relativ einfach: Es geht schnell und problemlos, weil das Wetter in der Regel gut mitspielt. Doch zwischen Herbst und Frühling dauert das Trockenwerden frisch gewaschener Wäsche deutlich länger, manchmal zu lang – und dann müffelt die Kleidung.

Aktuell kommt erschwerend hinzu, dass es draußen nasskalt ist und viele von uns ihre Wohnungen nicht wie früher ordentlich aufheizen, sondern eher sparsam sind. Die Folge: Es sind in den Räumen keine 20 Grad mehr. Und manchmal wird die aufgehängte Wäsche eben nicht trocken. Woran liegt das?

Joshua Jahn von der Verbraucherzentrale Brandenburg kennt die Zusammenhänge und weiß Rat. Im Prinzip ist die Trocknungs-Problematik simple Physik: „Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte“, sagt der Experte. „Und je wärmer die Luft, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen.“

Deshalb hat die Luft im Sommer meistens einen höheren Feuchtigkeitsgehalt als im Winter, wo wir dann mit trockener Haut zu kämpfen zu haben. „Momentan ist es draußen kalt, weshalb die frisch gewaschene Wäsche ihre Feuchtigkeit nicht ausreichend schnell abgeben kann. Das Trocknen dauert teilweise also sehr lang“, so der Fachmann.

In der Wohnung ist es zwar deutlich wärmer als draußen, aber eben bei den meisten Menschen auch vergleichsweise kühl, wenn man nicht wie in den Vorjahren heizt. „Dennoch trocknet die Wäsche bei Raumtemperatur besser als derzeit im Freien. Man sollte nur auf die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung achten, es besteht Schimmelgefahr“, warnt Joshua Jahn.

Mit einem Hygrometer kann man die Luftfeuchtigkeit gut im Blick behalten. Es sollten in der Wohnung etwa zwischen 40 und 60 Prozent Luftfeuchtigkeit sein, was auch gut für unsere Schleimhäute ist. In jedem Fall sollten Sie zwei bis drei Mal pro Tag lüften und kondensiertes Wasser an den Fenstern abwischen.

Achten Sie aber auch darauf, die Wäsche nicht eng und nicht doppellagig zu hängen. „Die Luft muss zirkulieren können“, empfiehlt der Verbraucherschützer. Konkret heißt das: Hängen Sie Kleidung am Saum und der Länge nach auf; hängen Sie sie nicht mittig über die Leine. Achten Sie darauf, dass zwischen den Wäschestücken ausreichend Platz und Luft ist.

Mitunter kann es ratsam sein, die Teile nochmals anders aufzuhängen, etwa wenn Ärmel oder Kapuzen durch die Hängung nicht gut durchtrocknen können. Hosen sollten Sie zum Trocknen auf links drehen, damit auch an die Taschen genügend Luft kommt und diese trocken werden.

Ob Sie Ihre Wäsche auf der Heizung trocknen, sollten Sie sich gut überlegen. Zwar ist die Hitze des Heizkörpers dem Trockenvorgang zuträglich, aber erstens können hohe Temperaturen die Fasern des Kleidungsstücks schädigen, und zum anderen wird die Heizleistung beeinträchtigt, wenn der Heizkörper die Wärme nicht frei abgeben kann: Es kommt nicht mehr ausreichend Wärme im Zimmer an und Sie müssen länger heizen, um die gewünschte Raumtemperatur zu erreichen.

Das kann teuer werden. Einzige Ausnahme: Handtuchtrockner beziehungsweise Badheizkörper, die eigens so konzipiert sind, dass man etwas über die Querstreben hängen kann.

Sind Wäschetrockner jetzt eine gute Anschaffung?

Die Verbraucherzentralen als auch das Umweltbundesamt (UBA) raten eher davon ab, sich einen Wäschetrockner zu kaufen beziehungsweise ihn zu benutzen. „Kaufen Sie einen Wäscheständer oder eine Wäscheleine: Das ist die energieeffizienteste Form der Wäschetrocknung“, schreibt das UBA. Falls Sie einen Wäschetrockner kaufen wollen, sollten Sie die Energieeffizienzklasse A++ oder A+++ wählen.

„Bei Wäschetrocknern gibt es noch große Unterschiede im Energieverbrauch. Die Stromkosten summieren sich – je nach Modell und Nutzungshäufigkeit – auf über 1.000 Euro im Laufe von 15 Jahren“, so das UBA weiter.

Joshua Jahn von der Verbraucherzentrale Brandenburg weiß: „Pro Trocknungsgang können bei älteren Geräten bis zu 1,50 Euro anfallen. Und die Strompreise steigen aktuell ja weiter. Nicht zuletzt deshalb sollte man auf einen Wäschetrockner verzichten. Das spart Geld und ist gut für die Umwelt, denn Produktion und Entsorgung der Geräte verschlingen enorme Ressourcen.“