Es heißt ja, Stadtkinder würden glauben, Kühe seien lila-weiß, Kartoffeln kämen aus dem Supermarktregal und Eier aus der Pappschachtel. Das ist natürlich Quatsch, denn gerade Berliner Kinder haben viele Möglichkeiten, in den Kiezen auch mal Landluft zu schnuppern – und zwar auf einem der vielen Kinderbauernhöfe der Hauptstadt.

Wir haben uns fünf der ältesten herausgesucht, weil sie immer noch und immer wieder eine Reise Wert sind. Versprochen: Ihre Kinder werden es lieben. Allerdings sollten Sie daran denken, Wechselwäsche einzupacken. Denn für diese wie für alle anderen Bauernhöfe gilt: Picobello ist anderswo, hier macht man sich (mindestens) die Hände schmutzig. Das gehört dazu.

Pankow: Pinke-Panke

Direkt an der Panke und unweit vom gediegenen Florakiez entfernt liegt der Kinderbauernhof Pinke-Panke. Hier leben die Esel Bruja und Momo sowie die Wollschweine Rosa und Locke – die Kinderlieblinge. Die Schweine hören sogar, wenn man sie beim Namen ruft! Es gibt aber auch noch Hühner, Schafe, Enten, Kaninchen. Inmitten des urigen Bauernhofes befindet sich eine Hütte mit Feuerstelle, wo am Wochenende selbst Stockbrot gebacken werden kann. Ein echtes Erlebnis! Jeden Tag dürfen die Kinder beim Versorgen der Tiere helfen.

Die Pinke-Panke ist aber noch viel mehr als nur ein Bauernhof. Kinder können hier auch Hammer, Nägel und Sägen ausleihen und sich in einem eigens abgetrennten Bereich an Bretterbuden oder sonstigen Projekten versuchen. Am Wochenende wird zudem das Bauen von Vogelhäuschen angeboten. Es gibt viele Möglichkeiten zum Spielen: vom echten Traktor über den Sandkasten und die Nestschaukel bis hin zum Ast-Tipi. Im hinteren Teil der Pinke-Panke wird Gemüse angebaut.

Tipp: Wenn Sie noch Ziegen angucken und streicheln wollen, machen Sie doch einen Abstecher in den Bürgerpark gegenüber vom Eingang der Pinke-Panke. Nur fünf Minuten Fußweg entfernt leben Ziegen in einem eingezäunten Areal und lassen sich gern mal kraulen.

Leider bringen Menschen immer wieder Toast, Nudeln oder andere vermeintliche Leckerlis mit, um die Ziegen zu füttern. Sie fressen das mit großer Freude – unwissend, wie ungesund das für sie ist und dass sie im Zweifel daran sterben könnten. Darum: Geben Sie den Tieren nichts. Rupfen Sie auch keine Blätter von den Bäumen. Das tut den Pflanzen nicht gut und die Ziegen brauchen es nicht.

Geöffnet: Von April bis Oktober mittwochs bis freitags von 12 bis 18.30 Uhr, am Wochenende sowie feiertags von 10 bis 18.30 Uhr. Von November bis März bis 17 Uhr beziehungsweise 17.30 Uhr. Dienstags dürfen nur Schulkinder kommen, montags ist immer Ruhetag.

Erreichbar: Am Bürgerpark 15–18, 13187 Pankow. Vom S-Bahnhof Wollankstraße (S1, S25, S26) sind es nur ein paar Minuten zu Fuß.


Prenzlauer Berg: Moritzhof

Wie der Moritzhof zu seine Namen kam, ist eine rührende Geschichte, die zugleich auch alles über die Ambitionen des Kinderbauernhofes erzählt: „Im Jahr 2000 retteten Vereinsmitglieder einen Deutschen Edelziegenbock vor dem Schlachthaus“, steht auf der Website. „Schon kurz nach seinem Einzug bei uns erlitt Moritz einen schweren Unfall, bei dem er ein Horn verlor und fast drei Monate in der Tierklinik der Freien Universität Berlin behandelt werden musste.“

Und weiter: „Danach war Moritz die Attraktion des Hofes eben ‚das letzte Einhorn vom Prenzlauer Berg‘. Im Sommer 2003 ging es Moritz dann immer schlechter, ein Herzfehler und das langsame Versagen der Nieren war die Diagnose, sodass wir uns im Dezember 2003 dazu entschließen mussten, ihn von seinen Leiden zu erlösen.“ Zu seinen Ehren trägt der Kinderbauerhof nun seinen Namen.

Offiziell fungiert der Moritzhof am Mauerpark als Jugendfarm, weshalb sich die Angebote auch eher an größere Kinder beziehungsweise Teenager richten. Aber auch für kleine Kinder ist ein Besuch nicht langweilig. Hier leben unter anderem fünf Schafe, darunter drei Kamerunschafe. Außerdem noch vier Ziegen, jede Menge Geflügel, Kaninchen und Meerschweinchen. Die Tierhaltung ist als „artgerecht und lebensfroh“ zertifiziert. Täglich um 17 Uhr werden die Tiere gefüttert.

Die Angebote des Moritzhofes gehen aber weit über Tierpflege hinaus: Man kann das Filzen lernen, Töpfern, Schmieden und Korbmachen. Zudem können spezielle Hofführungen gebucht werden, bei denen Kindergruppen alles erklärt bekommen. Je nach Alter kostet das 1 bis 2 Euro pro Kind.

Geöffnet: Für Kinder und Jugendliche zwischen 6 uns 16 Jahren montags bis freitags zwischen 13 und 18.30 Uhr; für Familien samstags von 13 bis 18 Uhr.

Erreichbar: Schwedter Str. 90, 10403 Prenzlauer Berg. Am nächsten ist der U- und S-Bahnhof Schönhauser Allee (Ringbahn, U2), von dort sind es etwa zehn bis 15 Minuten zu Fuß.


Kreuzberg: Kinderbauernhof im Görlitzer Park

Die Anfänge des „Kinderbauernhofes auf dem Görlitzer“ reichen bis 1978 zurück, als sich Eltern und Pädagogen zusammenfanden und in SO36 einen Bauernhof für Kinder konzipierten. 1981 wurde der gemeinnützige Verein gegründet, es folgten Auf- und Umbauten, Bangen um Finanzierungen, Anträge und Pläne wurden geschrieben, Feste gefeiert. Ein Auf und Ab, aber eben auch: der lebende Beweis, was Engagement bewirken kann. Denn trotz aller Widrigkeiten gibt es diesen wundervollen Ort bis heute.

Sozialpädagoginnen, Erzieher, Tierpflegerinnen und ein Hausmeister halten den kleinen Bauernhof im Görlitzer Park am Laufen und ermöglichen es Kindern, die Hühner, Gänse, Ziegen, Kaninchen, Ponys und Esel des Hofes kennenzulernen. Bei speziellen Tier-AGs können die Kinder den richtigen Umgang mit den Vierbeinern lernen. Bei Bedarf wird sogar Hausaufgabenhilfe angeboten. Regelmäßig werden Lagerfeuer veranstaltet und Stockbrot gebacken. Samstags haben Erwachsene keinen Zutritt: Da haben Kinder von 6 bis 15 Jahren den Bauernhof ganz für sich allein – und um hinein zu kommen, müssen sie die Eingangstür überklettern. Was für ein herrliches Abenteuer in einer sonst gut bewachten Kindheit!

Für kleinere Gäste gibt es einen schönen Buddelkasten mit allerhand Spielgeräten und bei gutem Wetter auch einen Wasserspielplatz. Auch Kindergeburtstage kann man hier feiern. Und wenn nicht gerade Pandemie ist, bietet der Kinderbauernhof auch spannende Module für Kitas, Hort und Schulen an, wo man beispielsweise im Lehmofen backt oder Tiere pflegen kann. Die Kosten richten sich je nach Aufwand und Gruppengröße und beginnen bei 2 Euro pro Kind.

Geöffnet: Montags, dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 19 Uhr, im Winter bis 18 Uhr, mittwochs geschlossen. Sonntags ist von 11 bis 18 Uhr, im Winter bis 17 Uhr für alle geöffnet.

Erreichbar: Wiener Str. 59 b, 10999 Kreuzberg, U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof (U1), von dort die Wiener Straße runter laufen und in Höhe der Liegnitzer (vierte Querstraße) in den Park einbiegen.


Wedding: Kinderbunter Bauernhof

Neuer Träger, neuer Name. Früher hieß der Bauernhof „Weddinger Kinderfarm“ – viele Locals nennen ihn noch immer so und sparen nicht mit Kritik, weil sich angeblich so viel geändert hat, unter anderem hauptsächlich nur noch für Kinder von 6 bis 14 Jahren geöffnet ist. Das kann man bedauern. Oder feiern: Wenn man nämlich als Zehnjähriger nicht ständig Rücksicht auf tapsige Kleinkinder nehmen muss, sondern sich voll und ganz auf seinen „Job“ konzentrieren kann. Und für Eltern, die ihre Schulkinder hier abgeben und in guten Händen wissen, ist es auch mal schön, einen „freien“ Nachmittag zu haben, während die Mädchen und Jungs Ställe ausmisten, Hufe auskratzen und beim Füttern helfen.

Das Gelände ist – vor allem für Weddinger Verhältnisse – großzügig, lädt zum Erkunden und Erleben ein. Die vielen glücklichen Kindergesichter sind der beste Beweis. Schon beim Reinkommen staunt man: ein echter Ententeich! Aber hier leben auch noch Gänse, Hühner, Meerschweinchen, Ponys, Ziegen, Schafe und Kater – vielen von ihnen handzahm. Und gute Lehrmeister: Teil des pädagogischen Konzeptes des Bauernhof ist es, dass Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen, die Körpersprache der Tiere zu lernen und wie ökologische Kreisläufe funktionieren.

„Der Bauernhof ist ein anregender Freiraum für Bewegung und umfassende Körpererfahrung […]. Er bietet Raum zur Entspannung, zum Beispiel im Kuscheln mit Tieren, […] in seinen vielfältigen Nischen und Rückzugsmöglichkeiten. In der Verarbeitung selbst angebauter Lebensmittel ist er Lernfeld für ausgewogene Ernährung“, schreiben die Vereinsmitglieder auf der Website.

Und tatsächlich: Hier wird so spielerisch gelernt, dass die Kinder gar nicht mehr gehen wollen. Egal, ob Ponyreiten, Handwerken oder Gärtnern. Es ist immer was zu tun, und immer ist es spannend. Ja, manchmal steht man trotz Öffnungszeiten vor verschlossenen Türen. Aber das kann einem bei jedem anderen Kinderbauernhof auch passieren. Es gibt Gründe dafür, und sei es nur, dass jemand vom Team erkrankt ist. Deshalb muss man aber nicht gleich böse Internet-Kommentare verfassen und die ansonsten ambitionierte Arbeit auf dem Kinderbauernhof torpedieren.

Geöffnet: Dienstags bis freitags für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren von 13 bis 18 Uhr, am Wochenende von 10 bis 18 Uhr. In den Ferien ist auch unter der Woche ab 10 Uhr geöffnet. Montags ist immer Ruhetag.

Eltern mit Kindern unter sechs Jahren können an folgenden Tagen kommen: dienstags bis donnerstags, jeweils zwischen 13 und 17 Uhr.

Erreichbar: Luxemburger Str. 25, 13353 Wedding, vom U-Bahnhof Leopoldplatz (U6, U9) sind es nur ein paar Minuten zu Fuß.


Marzahn: Tierhof

„Eingebettet in das denkmalgeschützte Dorf, umgeben von Gärten und Tierweiden, der Bockwindmühle, dem historischen landwirtschaftlichen Maschinenpark und dem Getreidelehrgarten, ist der Tierhof ein attraktives Ensemble.“ So wird der mehr als 250 Jahre alte Dreiseithof in Marzahn auf berlin.de beschrieben – und es ist kein bisschen übertrieben. Denn der Tierhof in Alt-Marzahn sucht stadtweit seinesgleichen, was auch daran liegt, dass die architektonischen Grundstrukturen erhalten geblieben sind und das bäuerliche Leben hier noch so vonstattengeht wie vor mehr als 100 Jahren. Das ist ebenso spannend wie lehrreich.

Der Blick auf die umliegenden Hochhäuser und der etwas entfernt brummende Autoverkehr erinnern einen daran, dass man weder Berlin verlassen noch in der Zeit gereist ist, auch wenn man das denken könnte, wenn man den Tierhof besucht. Überall wird gearbeitet, geackert und sich gekümmert – um die vielen Nutzpflanzen, aber selbstverständlich auch um die Tiere. Schafe, Ziegen, Hühner, Pferde, Esel und Alpakas leben hier. Auf Anfrage ist Ponyreiten möglich. Im Hofladen kann man sich Souvenirs mitnehmen, aber auch Marmelade und Honig.

Geöffnet: Montags bis donnerstags von 10 bis 15.45 Uhr, freitags bis 16 Uhr, am Wochenende von 10 bis 15 Uhr.

Erreichbar: Alt-Marzahn 63, 12685 Marzahn. Von der Haltestelle Alt-Marzahn sind es nur wenige Minuten zu Fuß (Bus 154 und 192, Tram 18, 27, M4, M5, M8, M17), ebenso von der Haltestelle Hinter der Mühle (Bus 192, 195). Der nächste S-Bahnhof ist Marzahn (S7), von hier läuft man gute 20 Minuten.