Ohren auf: Mit diesen Audiotouren macht Spazierengehen in Berlin doppelt Spaß

Stadtgeschichte, Musikstars, Hörbuch, Schicksale: Es gibt so viele gute Audiowalks für Berlin. Ein paar möchten wir Ihnen empfehlen.

Mit einer der vielen Berliner Audiotouren lernt man die Stadt noch mal ganz anders kennen.
Mit einer der vielen Berliner Audiotouren lernt man die Stadt noch mal ganz anders kennen.imago/Antonie Guillem

Irgendwie denkt man ja immer, man würde Berlin ziemlich gut kennen. Aber egal wie sehr man mit der Stadt verwachsen ist: Es gibt immer Ecken und Geschichten, von denen man noch nichts gehört oder gesehen hat. Aber wer macht sich schon einfach so aus Daffke auf, um einen anderen Kiez zu erkunden?

Meistens braucht es einen Anlass, um Tourist in der eigenen Stadt zu sein oder sich über andere Ortsteile ein eigenes Bild zu machen. Wir haben für Sie ein paar tolle Motivationen herausgesucht: Audiowalks und Podcasts, mit denen Sie sich ganz viel Stadtgeschichte erlaufen können. Denn mit dem richtigen Sound macht auch der längste Spaziergang Spaß.

Überhaupt: Spaziergänge sind ganz besonders in der trüben Jahreszeit ein Muss. Wenn nämlich die Tage kurz sind, die Lichtintensität abnimmt, ist es umso wichtiger, dass wir draußen sind. Das UV-Licht hat nämlich Einfluss auf unseren Biorhythmus und die Ausschüttung der Schlaf-wach-Hormone. Zudem ist Bewegung gut für den Körper, vor allem für den Darm, der mit jedem Schritt auf Trab gehalten wird und somit besser arbeiten kann.

Kurzum, es ist für Sie eine echte Win-win-Situation. Sie tun sowohl Ihrem Körper als auch Ihrem Geist etwas Gutes. Also, an die Kopfhörer, fertig, los!


Mit Thomas Mann die Spree entlang

Sie müssen nicht nach Italien reisen oder sich mit dem Buch im Bett verkriechen, um den Zauber von Thomas Manns „Tod in Venedig“ zu erleben. Stattdessen können Sie sich den toll erzählten Audio-Spaziergang des Kunstschaffenden-Kollektivs Raum+Zeit herunterladen und am Nikolaiviertel startend durch Mitte spazieren.

Es gibt keinen festen Preis für die mp3-Datei, stattdessen gilt das Prinzip, dass man zahlt, was man möchte (Paypal, Überweisung). Der Audiowalk dauert 35 Minuten und führt auch ins Klosterviertel. Sie hören neben Teilen der Novelle auch Möwengeschrei, das Rauschen von Wind, Wasser und Verkehr, Schritte. Und dann stellt man fest, wie aktuell die Beschreibungen Thomas Manns noch heute sind, wie sie in unsere Zeit und in unsere Stadt passen.


Kiezgeschichten über Architektur und Hauptstadtgestalten

Friedrichshain, Wedding, Prenzlauer Berg. Hinterhöfe, DDR-Baudenkmäler, Schicksale, Einsichten, Erlebtes – die acht verschiedenen Audiotouren von Stadt im Ohr sind einzigartig, spannend und informativ. Es gibt darunter zwei Geschichten für Kinder und eine Utopie über Queertopia. Manch eine Audiotour dauert 2,5 Stunden, jede einzelne führt Sie durch Berliner Kieze, die Sie anhand von Anekdoten neu oder anders kennenlernen.

Tipp: Der Friedenau-Audiowalk ist „eine Reise durch 15 Dekaden deutscher Geschichte“, von den 1870ern bis heute, wie es auf der Website heißt. Die Route erstreckt sich zwischen dem Bahnhof Bundesplatz (Ringbahn, S46, S9) und dem U-Bahnhof Friedrich-Wilhelm-Platz (U9).

Die Audiotouren können per App heruntergeladen werden (Android, Apple). Hörproben gibt es auf der Homepage. Die App selbst ist kostenlos, die gewünschten Audiotouren werden dann in der App gekauft. Ein Erwachsenenhörstück kostet 11,99 Euro. Die Kinderstücke kosten 6,99 Euro. Gutscheine zum Verschenken kann man auf der Website kaufen.


Viel zu oft ungehört: Die Stimmen vom Bahnhof Zoo

Armut und Obdachlosigkeit sind ein Teil Berlins, wenngleich ein tabuisierter. Der Audiowalk „Stimmen vom Bahnhof Zoo“ von Querstadtein rückt die Schicksale von vier Betroffenen in den Mittelpunkt. Die Tour startet am Bahnhof Zoo, führt bis zur Fasanenstraße und dauert rund 80 Minuten. Man erfährt viel über den Alltag von sogenannten stadtarmen und wohnungslosen Menschen, von ihren Sorgen ebenso wie von ihren Träumen. Ganz ehrlich und nahbar.

Man muss sich den Audiowalk herunterladen. Das kostet zwischen fünf und zehn Euro. Danach kann man die Datei (ca. 100 MB) auf dem Handy abspielen.


Deportationsgeschichten aus Moabit

Es ist der dunkelste Moment deutscher Geschichte: der Holocaust. Berlin spielt hierbei eine nicht unerhebliche Rolle – und was viele nicht wissen: Der Güterbahnhof Moabit war während der NS-Zeit einer der größten Deportationsbahnhöfe. Als Sammellager diente damals die Synagoge in der Levetzowstraße, von wo aus auch der Audiowalk „Ihr letzter Weg“ startet.

75 Minuten dauert das Hörstück beziehungsweise der etwa zwei Kilometer lange Spaziergang. Sie erfahren viel über Einzelschicksale und Ereignisse. Man kann den Audiowalk als Ganzes herunterladen oder sich die einzelnen Stationen direkt auf der Website anhören.


Der offizielle Berlin-Podcast für zwischendurch

Mit den „Unboxed-Podcasts“ von visitberlin, des stadteigenenen Tourismus-Portals, kann man sich jederzeit Wissenshäppchen anhören. Die Audiostücke sind jeweils etwa 20 bis 30 Minuten lang. Sie können frei wählen: Möchten Sie etwas über Berlins Industriekultur erfahren? Oder alles über die Musikszene von damals bis heute? Sie können sich auch zur Berlinale entführen lassen. Oder sich zur Dino-Forschung im Naturkundemuseum schlaumachen.

Mittlerweile gibt es zehn Episoden, sie sind alle kostenlos und ideal, wenn man beim Schlendern mal an was anderes denken möchte als an all die alltäglichen To-dos, die einem auf der Seele lasten.


Einmal durch die Berliner Musikgeschichte

Einmal quer durch Pankow, Weißensee und Prenzlauer Berg, von Deichkind über Rammstein bis hin zu BossHoss, vorbei am Kesselhaus, an der Schmelinghalle und dem nicht mehr existenten Knaack Club. Ja, die ganze musikalische Breitseite des Berliner Nordostens bietet die „Pankow Music Tour“.

Insgesamt 15 Stationen kann man besichtigen und anhören. Man muss aber nicht vor Ort sein, um sich an den teils skurrilen Anekdoten, Interviews oder tollen Konzertschnipseln zu erfreuen. Die Audiotour dauert insgesamt mehr als drei Stunden, pro Station können Sie etwa zehn bis 15 Minuten einplanen.


Legenden am See

Der Obersee und der Orankesee sind zwei teilweise verwunschen wirkende Seen in Hohenschönhausen und außerhalb des Bezirks kaum einem Berliner bekannt. Schade! Denn die Ecke ist wirklich schön. Machen Sie doch mal einen Ausflug, genießen Sie Luft und Aussicht und lassen Sie sich den Spaziergang von einem Audioguide versüßen.

Vor Ort gibt es QR-Codes, mit denen Sie die Tour ganz bequem starten können, oder Sie laden sie sich auf hörenschönhausen.de runter. Beides ist kostenlos. Der Rundgang dauert eine Stunde und berichtet von Legenden rund um Ober- und Orankesee, aber man erfährt auch viel über die Geschichte des Stadtteils, über sowjetische Sperrzonen und Stasi-Wohnungen.


Und für Sofa-Fans: Ein Museumsbesuch als Audiowalk

Nun gut, wir wissen ja: Nicht immer hat man Lust, draußen rumzulaufen. Manchmal muss es das Sofa sein und eine dicke Decke. Auch okay. Für solche Momente hat das Museum für Kommunikation drei Audiotouren in petto. Gedacht sind diese eigentlich zum Erkunden vor Ort, aber sie funktionieren auch an jedem anderen beliebigen Platz.

Hierzu müssen Sie sich die kostenlose App herunterladen (Android, Apple) und können sich dann für eine der drei Touren entscheiden. Natürlich können Sie auch alle hintereinander hören. Berichtet wird unter anderem von einer schwebenden Postkutsche und der Chiffriermaschine Enigma. In der App können Sie sich die verschiedenen Ausstellungsobjekte auch virtuell angucken.