Mimik lesen: So erkennen Sie, ob das Weihnachtsgeschenk gefällt oder nicht

Heiligabend, alle packen Geschenke aus: Ob Sie das richtige gekauft haben, können Sie an kleinsten Gesichtsbewegungen ablesen. Ein Mimikleser erklärt, wie.

Öhm, na ja: Nicht immer sorgen Geschenke für Freude. 
Öhm, na ja: Nicht immer sorgen Geschenke für Freude. dpa/Christin Klose

Es sind die spannendsten Momente des Weihnachtsfestes: Wenn die Geschenke ausgepackt werden und alle sich freuen. Oder zumindest so tun. Bei Kindern ist es relativ einfach zu erkennen, ob man mit dem Geschenk ins Schwarze getroffen hat. Sie sind (meist) ehrlich und unverstellt, juchzen los oder legen das Präsent enttäuscht zur Seite.

Erwachsene hingegen wollen ihre wahren Gefühle verschleiern, wenn das Geschenk nicht das richtige ist. Kaum jemand würde zugeben, dass man es nicht gebrauchen kann oder dass es nicht gefällt – zumindest nicht unterm Weihnachtsbaum, wo Glückseligkeit und Harmonie herrschen sollen. Und deswegen wird ganz viel gelächelt.

Falls Sie sich nun fragen, wie man Überraschung erkennen kann, anhand welcher Mimikregungen man echte von gespielter Freude unterscheidet, weiß der Mimik-Experte Dirk Eilert aus Spandau Rat. Der Wirtschaftspsychologe betreibt seit 2001 eine eigene Akademie, in der es um die Wissenschaft der Emotionen geht. Und er kann in jedem Gesicht lesen.

Wie erkenne ich, ob jemand nur so tut, als würde er sich freuen?

„Als Erstes muss man wissen, dass es so etwas wie ein Pokerface nicht gibt“, sagt Dirk Eilert. „Unsere Mimik ist schneller als der Verstand. Es passiert, ohne dass wir es wollen.“ Zuständig dafür sind zwei verschiedene Steuerungssysteme in unserem Gehirn: Zum einen das limbische System, das unser Emotionsnetzwerk ist, und zum anderen der motorische Kortex, der unsere Bewegungen steuert.

Letzteren können wir direkt ansteuern, etwa indem wir auf Befehl lächeln. „So können wir bewusst gute Miene zum blöden Geschenk machen“, sagt Dirk Eilert. „Aber die Mimik wird auch vom limbischen System gesteuert. Das geschieht schneller als ein Wimpernschlag und ist kürzer als 500 Millisekunden. In diesem Moment zeigen wir eine Mikromimik, über die wir keinerlei Kontrolle haben.“

Das bedeutet logischerweise: „Sie müssen sehr aufmerksam sein und auf die allererste, kurze Mimikreaktion achten, auf sogenannte Mikroexpressionen, wenn Sie wissen wollen, wie Ihr Gegenüber wirklich empfindet“, sagt Dirk Eilert. Das erfordert ein wenig Übung und vor allem ein gutes Auge. Passen Sie aber auf, dass Sie die Beschenkten nicht anstarren, als wollten Sie sie hypnotisieren.

Falls Sie feststellen, dass Ihr Geschenk gar nicht so gut ankommt wie erhofft, seien Sie nicht enttäuscht. Denn auch die vorgespielte Freude ist nicht an sich schlecht, wie Dirk Eilert erklärt: „Wir Menschen sind soziale Wesen, wir wollen in guten Beziehungen leben und Menschen, die uns nahestehen, nicht verletzen. Darum lächeln wir manchmal, obwohl uns nicht danach zumute ist.“

Geschenk gefällt nicht: So erkennen Sie Enttäuschung

Enttäuschung zeigt sich in der oberen Gesichtshälfte, wie Mimikforscher Dirk Eilert erklärt: „Wer enttäuscht ist, zieht unweigerlich die Augenbrauen-Innenseiten nach oben, dadurch entstehen im Stirnzentrum horizontale Falten.“

Augenbrauen zusammengezogen, Stirnfalten: So sieht Enttäuschung, aber auch Trauer aus.
Augenbrauen zusammengezogen, Stirnfalten: So sieht Enttäuschung, aber auch Trauer aus.Hans Scherhaufer

Ein anderes Anzeichen kann das kurze, unwillkürliche Rümpfen der Nase sein. „Das geschieht ganz schnell und weist auf Ablehnung hin: Das gefällt mir nicht“, fasst Dirk Eilert zusammen. „Auf beide Mikroexpressionen folgt meist ein maskierendes Lächeln. Das ist ein Lächeln, das aufgesetzt wird, um die wahren Gefühle zu verschleiern.“

Ist das Geschenk gut? So erkennen Sie wahre Freude

Beim maskierenden Lächeln, das wir zeigen, wenn wir glauben, dass es angebracht sei zu lächeln, lacht nur der Mund, wie Dirk Eilert erklärt: „Dann gehen die Mundwinkel zwar nach oben, doch im restlichen Gesicht passiert im Prinzip nichts. Das ist relativ einfach zu erkennen.“

Wahre Freude hingegen zeigt sich an lachenden Augen, wenn sie wirklich strahlen und sich kleine Lachfältchen zeigen.

Wenn auch die Augen strahlen und nicht nur der Mund lächelt, ist es wahre Freude.
Wenn auch die Augen strahlen und nicht nur der Mund lächelt, ist es wahre Freude.Hans Scherhaufer

Das perfekte Geschenk: So erkennen Sie Rührung

Man kann sich über ein Geschenk nicht nur freuen, sondern auch gerührt sein, ehrlich bewegt. „Das ist die intensivste Emotion, die es gibt“, weiß Mimikleser und Gefühlsexperte Dirk Eilert. „Wenn Sie Rührung im Gesicht des oder der Beschenkten sehen, können Sie sicher sein, alles richtig gemacht zu haben.“

Rührung ist gekennzeichnet durch das Hochziehen der Augenbrauen-Innenseiten und lachende Augen, eine Mischung also aus den beiden zuvor beschriebenen Gesichtsausdrücken. Rührung ist mimisch ein Zusammentreffen von Trauer und Freude.

„Übersetzt heißt das, dass der- oder diejenige sich das wirklich gewünscht hat. Im Moment des Beschenktwerdens spürt die Person Freude, aber eben auch noch einmal das, was vorher gefehlt hat. Letzteres erklärt den Trauer-Aspekt der Rührung“, so Dirk Eilert. „Sie können den Kassenzettel also getrost wegschmeißen.“

Ein gerührter Gesichtsausdruck ist eine Mischung aus Trauer und Freude.
Ein gerührter Gesichtsausdruck ist eine Mischung aus Trauer und Freude.Hans Scherhaufer

Übrigens: Falls der oder die Beschenkte überrascht ist, weil er oder sie mit genau diesem Geschenk nicht gerechnet hat, ist das „das Intensivste, was Sie an Emotionen kriegen können“, sagt der Mimikleser. „Überraschung an sich ist weder gut noch schlecht, aber sie verstärkt die darauffolgende Emotion um das Drei- bis Fünffache. Wenn sich also gefreut wird, dann extrem und quasi nicht steigerungsfähig.“

Sollte man es ansprechen, wenn das Geschenk nicht gefällt?

Je nach Situation und Beziehung können Sie es ansprechen, wenn das Geschenk nicht ganz passend war – unabhängig davon, ob Sie beschenkt wurden oder die schenkende Person sind. In beiden Fällen kann man in einer ruhigen Minute, mit etwas zeitlichem Abstand zum Auspacken der Geschenke, das Gespräch suchen.

Als Schenkende(r) können Sie sagen, dass es für Sie okay ist, wenn das Geschenk umgetauscht werden soll. „Sie könnten anfangen mit den Worten: ‚Ich hatte das Gefühl, du warst nicht ganz glücklich mit meiner Wahl. Das tut mir leid. Sag ruhig, wenn du es nicht haben möchtest, dann suchen wir etwas anderes, denn es ist mir wichtig, dass du dich freust‘“, empfiehlt Dirk Eilert.

Als Beschenkte(r) sollte man sich eher auf die Intention denn auf das tatsächliche Geschenk konzentrieren, sofern man diesen Umstand nicht adressieren will. „Versetzen Sie sich kurz in die Lage desjenigen, der Sie beschenkt hat. Sicher hat er oder sie es gut gemeint und sich etwas dabei gedacht. Das wird Sie sicher milde stimmen, denn auch wenn das Geschenk nicht perfekt ist, so hat sich die Person ja doch die Mühe gemacht, etwas für Sie zu besorgen“, so der Experte.

Dirk Eilert: Was dein Gesicht verrät, Droemer-Verlag, 288 Seiten, 20 Euro.