Rollos, Jalousien, Plissees: Helfen Vorhänge am Fenster, Energie zu sparen?

Bringt es was, wenn man die Vorhänge zuzieht? Sollte man Rollos anbringen? Eine Energieberaterin erklärt, welche Maßnahmen sinnvoll sind, um Energie zu sparen.

So schön alte Holzfenster auch sind: Meistens sind sie nicht dicht. Vorhänge sind da sinnvoll.
So schön alte Holzfenster auch sind: Meistens sind sie nicht dicht. Vorhänge sind da sinnvoll.imago/Robert Kalb

Wenn es draußen kalt ist, möchte man es drinnen warm haben. Durch die Energiekrise mit nahezu explodierenden Strom- und Gaspreisen ist das Heizen jedoch extrem teuer geworden, weshalb an allen Ecken und Ende gespart werden muss.

Zu Hause wird häufiger das Licht ausgeknipst, wenn man einen Raum verlässt, und viele von uns drehen – notgedrungen – die Heizung weniger stark auf als gewohnt und gewünscht. Denn jedes Grad weniger im Zimmer spart etwa sechs Prozent Energie und somit bares Geld.

Gerade jetzt im Winter fällt es auf, wenn Fenster und Türen undicht sind, es zieht und die Räume schneller auskühlen. Abhilfe schafft da beispielsweise ein Zugluftstopper. Das können Dichtungsschienen sein, die man von innen an die Tür klebt, oder lange, befüllte Stoffbahnen, die vor Tür oder Fenster gelegt werden.

„Generell ist es ratsam, Fenster und Türen mit Dichtungen zu versehen“, rät Architektin Margrit Unger aus Falkensee (Havelland). Die Selbstständige ist auch als Energieberaterin für die Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB) unterwegs und kennt die Sorgen und Nöte der Menschen, wenn es ums Lüften, Heizen und Energiesparen geht.

Dichte Fenster und Türen sind eigentlich Vermietersache. „Wenn es zieht, sollte man den Vermieter anschreiben, den Mangel anzeigen und unter Fristsetzung eine Mangelbeseitigung fordern“, so Margrit Unger. Wem das zu anstrengend scheint oder wer von der Hausverwaltung wenig Resonanz erwartet, darf auch selbst tätig werden – sofern diese Maßnahmen die Fenster nicht beschädigen und wieder rückbaubar sind.

Zum Abdichten gibt es diverse Klebdichtungen, die sich mühelos und auch ohne handwerkliches Geschick einfach in den Rahmen anbringen lassen. Wichtig: „Bei Kastenfenstern, also altbautypischen Doppelfenstern, sollte man den inneren Rahmen abdichten, damit die Wärme im Raum bleibt“, empfiehlt die Expertin. „Wenn nämlich die warme Luft des Zimmers zwischen die Fensterelemente gelangt und auf das kühle Außenfenster trifft, können sich Eisblumen und Schimmel bilden.“

Helfen Vorhänge, Energie zu sparen?

Die Energiespar-Grundregel lautet: „Je schlechter die Fenster, desto sinnvoller ist es, etwas davorzuhängen, um eine Isolierung zu schaffen“, weiß die Energieberaterin Margrit Unger. Wenn Sie hochmoderne Dreifachverglasung zu Hause haben, dienen Vorhänge jedweder Art vorrangig Ihrem ästhetischen Empfinden.

Bei einfach verglasten Altbaufenstern hingegen sind Vorhänge ein sinnvolle Investition. „Je flächiger und dicker der Stoff, desto besser“, so die Expertin. „So können Sie automatisch Heizenergie einsparen, weil Sie den Verlust über die Fenster extrem minimieren.“ Die Zugluft bleibt dann nämlich zwischen Fenster und Vorhang, die Wärme im Raum.

Die Kuscheldecke und ein heißes Getränk: Energiesparen mit einfachen Mitteln.
Die Kuscheldecke und ein heißes Getränk: Energiesparen mit einfachen Mitteln.IMAGO / Westend61

Jedoch sollten die Vorhänge im Idealfall nur bis zum Fensterbrett reichen und nicht den darunter angebrachten Heizkörper verdecken. Dann nämlich würde die Wärme sich zwischen Vorhang und Fenster stauen, aber nicht im Raum ankommen. Wenn Sie mögen, können Sie die Vorhänge auch auf dem Fensterbrett so drapieren oder fixieren, dass keine Luft von unten mehr hineingelangt.

„Wer lange Vorhänge hat, sollte am besten den Heizkörper abdrehen, um den Heizverlust möglichst gering zu halten“, rät Margrit Unger. „Da die Heizung eine ganze Weile zum Abkühlen braucht, sollten Sie die Restwärme nutzen und den Heizkörper etwa zwei Stunden vor dem Zuziehen der Vorhänge abdrehen.“

Allerdings können Vorhänge auch das Schimmelrisiko erhöhen, weshalb Sie stets ausreichend lüften sollten und die Bereiche hinter den Vorhängen gut im Blick behalten sollten. „Der Bereich zwischen Vorhang und Fenster kann sehr kalt werden, was eine Schimmelentstehung begünstigt. Daher sollten Sie grundsätzlich alle Vorhänge zum Lüften öffnen“, so die Verbraucherschützerin.

Kann man mit Rollläden, Rollos, Plissees und Jalousien Energie sparen?

Rollläden dichten die Fenster sozusagen von außen ab. Dadurch kommen Wind und Minusgrade nicht mehr direkt an die Scheiben, die daher nicht so schnell auskühlen. „So lässt sich auch ein wenig sparen“, weiß Margrit Unger. „Aber auch hier ist das vom Fenstertyp abhängig. Bei ganz neuen Fenstern ist der Effekt sicher nicht sehr groß, bei alten jedoch deutlich spür- und messbar.“

Rollos, Plissees und Jalousien sind meistens jedoch so angebracht, dass sie das Glas verdecken. „Das hilft wenig, wenn die Fenster undicht sind, weil es vor allem an den Seiten ziehen kann“, erklärt die Expertin. Gänzlich sinnlos sind die Verdunkelungsvarianten jedoch nicht, wie sie weiter ausführt: „Die Scheiben strahlen durchaus auch Kälte ab, was das subjektive Wärmeempfinden beeinträchtigen kann. Insofern können beispielsweise auch Rollos helfen, die Kälte draußen zu halten.“

Doch Vorsicht bei Plissees: „Da sehe ich bei Beratungen besonders häufig Schimmel, vor allem bei Isoglasfenstern“, warnt Unger. „Dadurch, dass die Plissees sehr dicht an der Scheibe angebracht sind, kann die Luft schlecht zirkulieren, was das Entstehen von Feuchtigkeit und in der Folge von Schimmel an den Silikonfugen begünstigt.“

Besonders problematisch ist es, wenn man die Plissees beim Zusammenschieben ganz nach oben oder ganz nach unten schiebt. Dort nämlich, an den Silikonfugen in den Ecken, entstehen dann die Schimmelflecken. Deshalb empfiehlt die Verbraucherschützerin: „Bei Plissees sollte man, zumindest zeitweise, oben und unten möglichst einen Spalt lassen, damit ein Luftaustausch stattfinden kann.“