Berlin - Endlich ist die Jahreszeit gekommen, auf die alle Kinder sich so lange gefreut haben: Die Adventszeit ist da! Endlich können Weihnachtskalender-Türchen geöffnet werden, es gibt Plätzchen und die Vorfreude auf Heiligabend steigt mit jedem Tag. Aber es gibt auch Menschen in unserer Stadt, denen es nicht so gut geht. Die sich nur einfache Kleidung leisten können, keinen Restaurantbesuch, manche haben nicht einmal ein Dach über dem Kopf. Und es gibt Kinder, die sich sehnlichst ein paar Buntstifte wünschen - Dinge, die für die meisten Kinder eine Selbstverständlichkeit sind. 

Um diese Not ein bisschen zu mildern und Wünsche zu erfüllen, gibt es die Idee des umgekehrten Weihnachtskalenders: Jeden Tag packt man ein kleines Geschenk in einen Karton und trägt diesen schließlich zu einer Sammelstelle, die alles an Bedürftige verteilt. Man kann die Präsente verpacken und beschriften oder einfach so abgeben. Das ist im Prinzip jederzeit möglich, aber man kann auch bis Weihnachten warten.

Grundsätzlich werden original verpackte und noch haltbare Lebensmittel sowie Drogerieartikel gern genommen. Schenken Sie nichts, was schnell verderblich ist, gekühlt werden muss oder nur noch kurz haltbar ist. Falls Sie Ihre Präsente hübsch verpacken, sollten Sie dazu schreiben, für wen es gedacht ist: Mann oder Frau? Junge oder Mädchen? Welches Alter?

Die Berliner Zeitung hat bei verschiedenen Berliner Organisationen nachgefragt, wo und wann man seinen Sammel-Kalender abgeben kann, was gebraucht wird und was man besser nicht schenken sollte. Falls Sie bei sich in der Nähe einen wohltätigen Verein haben, können Sie auch dort fragen, ob Spenden benötigt werden

Berliner Tafel

„Wir bitten darum, beim umgekehrten Adventskalender keine Spielsachen, Kleidung, Möbel, Elektrogeräte oder ähnliches zu spenden, sondern ausschließlich Lebensmittel oder Hygieneartikel“, sagt Geschäftsführerin Antje Trölsch. „Besonders hilfreich sind Kaffee, Reis, Nudeln, Konserven oder auch Weihnachtsschokolade und -gebäck.“

Die Berliner Tafel unterstützt circa 130.000 bedürftige Menschen im Monat, darunter viele Familien mit Kindern. 90.000 Berlinerinnen und Berliner erhalten Lebensmittel über die Belieferung sozialer Einrichtungen und 40.000 Menschen über die ‚Laib und Seele‘-Ausgabestellen, die es in vielen Ortsteilen der Stadt gibt. „Von den Ausgabestellen wissen wir, dass rund ein Drittel der unterstützten Personen Kinder sind“, so Antje Trölsch.

Falls Sie Spiel- und Schulsachen spenden möchten, können Sie das im Rahmen der ‚Weihnachtsfreude weitergeben‘-Aktion, die noch bis zum 8. Dezember läuft. Die Idee hierbei ist, dass Sie beim nächsten Einkauf einfach einen Artikel mehr kaufen, den Sie spenden. 

Die von Ihnen gesammelten Spenden können vom 1. Dezember bis zum 24. Dezember jeweils montags bis freitags von 10 Uhr bis 12 Uhr in die Halle 1 auf dem Berliner Großmarkt gebracht werden: Berliner Tafel e.V., Halle 1, Beusselstraße 44 n-q in Moabit. Nach Heiligabend haben Sie noch die Möglichkeit, ihre Präsente in der Woche zwischen den Jahren zu den genannten Öffnungszeiten bei der Tafel-Sammelstelle abzugeben.

Caritas

In den Kinder- und Jugendeinrichtungen der Caritas werden folgende Dinge benötigt: CD-Player, Sitzsäcke, Fußbälle, Tretroller, Inlineskates, Fahrräder, -helme und -schlösser, Gesellschaftsspiele (ab 5 Jahren und ältere) sowie Outdoorspiele. Diese Gegenstände können gebraucht sein, müssen aber gut funktionieren und sicher sein. Vor allem bei Inlineskates sollten die Schuhe nicht abgenutzt wirken, auch innen nicht. Faustregel: Verschenken Sie nur Dinge, die Sie Ihren eigenen Kindern auch schenken würden.

Vor allem universell verschenkbare Spielsachen wie Kartenspiele sind eine gute Idee. „Gebrauchte Puzzle und Malbücher sind erfahrungsgemäß nicht so beliebt, weil manchmal Teile oder Seiten schon bemalt sind. Wenn sie hingegen neu sind, werden sie gern genommen“, sagt Susanne Funk, zuständig für Ehrenamt und Fundraising bei der Berliner Caritas. Brettspiele beispielsweise können auch geschenkt werden, sofern noch alle Teile vorhanden sind und das Spiel optisch ansprechend ist.

In einer Gemeinschaftsunterkunft der Malteser für geflüchtete Menschen werden hauptsächlich Malbücher für Klein- und Schulkinder benötigt, aber auch welche für Jugendliche, zum Beispiel Mandala-Ausmalbücher. Dazu fehlen auch noch Buntstifte und Fasermaler. „Und außerdem wünschen sich zwei sehr musikalische Bewohner, ein Jugendlicher und sein Vater, sehnlichst Musikinstrumente: ein Keyboard und ein Akkordeon“, so Susanne Funk.

In einem Wohnprojekt für Frauen mit Gewalterfahrungen freuen sich die Bewohnerinnen vor allem über Hygieneartikel, kleine Schönheitsprodukte sowie Parfums.

Wichtig: Beschriften Sie Ihre Gaben („umgedrehter Adventskalender“) oder sagen Sie den ehrenamtlichen Caritas-Helfern und -Helferinnen, dass Sie im Rahmen des umgekehrten Weihnachtskalenders spenden, damit die Dinge richtig zugeordnet werden können. Falls Sie die Sachen verpacken, schreiben Sie auch dazu, was sich darin befindet, damit die Spenden entsprechend zugeteilt werden.

Abgeben können Sie Ihre „Kalendertürchen“ in der Kleiderkammer der Residenzstraße 90 im Wedding. Diese ist von Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Der nächste U-Bahnhof ist Osloer Straße.

Obdachlosenhilfe

Die Berliner Obdachlosenhilfe freut sich über alles, was den Menschen das Leben auf der Straße erträglicher macht: Zelte, Schlafsäcke, warme Jacken, dicke Handschuhe sowie Rucksäcke, Socken und Unterhosen. In erster Linie werden Sachen für Männer benötigt, teilt der Verein auf Anfrage mit. Sollten Sie größere Mengen abzugeben haben, fragen Sie am besten vorher telefonisch nach, weil die Lagerkapazitäten begrenzt sind.

Erwachsenenkleidung in kleinen Größen wird nicht sehr häufig angefragt, ebenso wenig wie Kinderkleidung. Das also eher nicht in die Kalenderbox legen.

Abgeben können Sie die Spenden in der Lynarstr. 38 im Wedding. Mittwochs, freitags und samstags zwischen 14 und 18 Uhr sowie sonntags zwischen 15.30 Uhr und 18 Uhr. Es besteht auch die Möglichkeit, ein Paket mit Ihren Präsenten dorthin zu schicken.

Stadtmission

Wenn Sie den Besucherinnen und Besuchern der Stadtmission eine Freude machen wollen, schenken Sie Kaffee, Tee, Zucker, Margarine, Reis, Nudeln, Marmelade oder Milch. Auch frisches Obst und Joghurt werden gerne angenommen. Lebensmittelspenden müssen direkt in der Küche der Notübernachtung am Hauptbahnhof abgegeben werden, und zwar in der Lehrter Str. 68. Geöffnet ist täglich von 12 bis 20 Uhr.

Auch in der Bahnhofsmission am Zoo sind Hygieneartikel und Essbares ein schönes Geschenk, denn hier werden jeden Tag etwa 600 Menschen versorgt. Derzeit brauchen sie dort Margarine, Würfelzucker, H-Milch, Kaffee und Käse. Zudem kann man im nahen Ullrich-Supermarkt Lebensmittelgutscheine kaufen, die Mitarbeitende der Bahnhofsmission nach Bedarf einlösen können.

Aber es wird auch Kleidung benötigt. Für Männer: Schuhe (Gr. 40-50), Hoodies, Winterjacken, Jogginghosen, Unterhosen und T-Shirts (alle Gr. S-XL), Jeans (bis Gr. 34) sowie Socken, Caps, Handschuhe, Mützen, Schals und Arbeitsbekleidung. Für Frauen: Leggins, Sporthosen, Hoodies, Cardigans, Schuhe und Winterjacken, jeweils in allen Größen.

Ganz allgemein können Sie auch Decken (keine Bettdecken), Gürtel, Isomatten, Schlafsäcke, Rucksäcke, Sporttaschen, Koffer sowie große Tragebeutel spenden. Achten Sie darauf, dass alles, was Sie spenden, sauber und ohne Löcher oder Risse ist. 

Sie können die Advents-Geschenke direkt am Hauptbahnhof (Montag bis Freitag, 8 bis 18 Uhr) abgeben oder per Post schicken: Berliner Stadtmission, „Spendenservice“, Lehrter Str. 68, 10557 Berlin.

„Durch die anhaltende Pandemie bitten wir Sie, möglichst die Container vor dem Eingang zu nutzen, um eine kontaktlose Spende zu ermöglichen“, sagt Barbara Breuer von der Stadtmission. „Diese können auch außerhalb unserer Öffnungszeiten und am Wochenende genutzt werden.“ Sollten Sie besonders viele Sachen zu verschenken haben (mehr als fünf Säcke), bringen Sie diese mit zum Textilhafen in die Storkower Straße 139 D am S-Bahnhof Landsberger Allee. Geöffnet ist montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr, eine vorherige telefonische Anmeldung ist wichtig (030/467-748-65).

Alle vier Organisationen möchten sich schon jetzt bei den Leserinnen und Lesern für ihre Unterstützung bedanken. Es sei schön, wenn „in dieser doch für alle recht ungewissen und schwierigen Zeit an die Ärmsten in der Gesellschaft“ gedacht werde, so Barbara Breuer von der Stadtmission.