Scheidentrockenheit: Was kann ich dagegen tun?

Nicht nur in den Wechseljahren: Scheidentrockenheit ist unangenehm. Eine Berliner Gynäkologin erklärt, was Sie tun können, damit es Ihnen bald besser geht.

In den Wechseljahren ist etwa jede dritte Frau betroffen.
In den Wechseljahren ist etwa jede dritte Frau betroffen.www.imago-images.de

Es ist ein riesiges, schambehaftetes Tabuthema. Kaum eine Frau spricht darüber, weder mit der besten Freundin, noch mit der Gynäkologin. Eher wird leise in der Apotheke nachgefragt, ob es da nicht was gäbe …

Die Rede ist von Scheidentrockenheit. In den Wechseljahren ist etwa jede dritte Frau davon betroffen, aber auch während Schwangerschaft und Stillzeit kann es passieren, dass die Schleimhäute der Vagina nicht feucht genug sind. Die Folge: Brennen, Juckreiz, ein unangenehmes Trockenheitsgefühl, Schmerzen beim Sex.

Es kann sogar passieren, dass kleinere Verletzungen und Entzündungen wegen der Trockenheit in Vulva und Vagina entstehen. Diese sind schmerzhaft und sollten behandelt werden. Aber man muss nicht automatisch zum Arzt oder zur Ärztin, wenn man unter Scheidentrockenheit leidet.

Wie entsteht Scheidentrockenheit?

„Vulva und Vagina sind von einem Mikrobiom besiedelt, das ist normal. Dieses Mikrobiom besteht aus vielen verschiedenen guten Bakterien, manchmal sind diese aktiver, manchmal weniger. Zusammen mit den vaginalen und vulvären Drüsen, die Schleim produzieren, sorgen sie für Feuchtigkeit an Vulva und Vagina. Diese Feuchtigkeit ist mal stärker, mal schwächer“, erklärt Gynäkologin Prof. Dr. Mandy Mangler, Chefärztin am Auguste-Viktoria-Klinikum und am Klinikum Neukölln sowie Expertin bei der Frauengesundheitsplattform MySummer.

Im Laufe des Lebens werden die Schleimhäute dünner. Und je dünner die Schleimhäute, desto weniger Feuchtigkeit können sie absondern. Schmerzen beim Sex können auch aufgrund fehlender Erregung entstehen, wenn also der Körper nicht genügend Feuchtigkeit produziert. Und grundsätzlich sollten Sie überprüfen, ob Sie genug trinken. Denn auch ein nicht gut aufgestellter Wasserhaushalt kann Auswirkungen auf Trockenheit im Intimbereich haben.

„Eine trockene Vulva oder Vagina ist nicht behandlungsbedürftig“, sagt die Ärztin. Gleichwohl sollte man die Symptome behandeln, um nicht unnötig zu leiden. Nur wenn die Scheidentrockenheit trotz der nachfolgend geschilderten Maßnahmen anhält, sollten Sie sich medizinischen Rat holen. Als Ursache kommen auch psychische Probleme und Stress, andere Krankheiten wie beispielsweise Diabetes oder Bluthochdruck infrage, aber ebenso eine zu starke Intimhygiene oder zu viel Alkohol und Nikotin.

Was kann ich gegen Scheidentrockenheit tun?

Da die Schleimhäute in der Regel aufgrund von zu wenig Feuchtigkeit austrocknen, lautet die erste und logischste Maßnahme: Trinken Sie! Viel! „Sie können auch Nahrungsmittel zu sich nehmen, die Feuchtigkeit fördern, etwa Tofu und andere Lebensmittel, die Phytoöstrogene enthalten“, rät Prof. Dr. Mandy Mangler.

Zu den phytoöstrogenhaltigen Lebensmitteln gehören neben Sojaprodukten auch Trockenfrüchte, Sesam, Kuhmilch und Leinsamen. Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, regelmäßig die Klitoris zu stimulieren und für Erregung zu sorgen. Zusätzlich oder alternativ können Sie beim Sex auch zu Gleitcremes oder Ölen greifen. Vorsicht: Letztere können Kondome beschädigen.

„Es hat sich auch bewährt, Lactobazillen, also Milchkulturen, in Form von Tabletten in die Vagina einzubringen beziehungsweise als Creme auf die Vulva aufzutragen“, weiß Prof. Dr. Mandy Mangler. „Lactobazillen sorgen für ein gutes, leicht saures Scheidenmilieu. Und wenn die Vaginalflora im Gleichgewicht ist, nehmen Beschwerden normalerweise ab.“

Darüber hinaus gibt es in Apotheken und Drogerien auch rezeptfreie Gels und vaginale Zäpfchen, die der Scheidentrockenheit entgegenwirken. Zugleich sollten Sie darauf achten, Ihren Intimbereich nicht mit Seifen oder zu viel Wasser zu säubern, weil die Vagina ein selbstreinigendes Organ ist. Ein bisschen lauwarmes Wasser reicht aus, Sie brauchen keine Spezialpflegeprodukte.

Zudem sollten Sie während Ihrer Periode eher Binden oder Menstruationsslips statt Tampons oder Menstruationstassen verwenden, wenn Sie unter Scheidentrockenheit leiden. Das Einführen kann schmerzhaft sein und eventuell sogar zu Verletzungen führen.

Als Ultima Ratio können Sie sich eine Östrogencreme verschreiben lassen. Die Creme wird lokal aufgetragen und wirkt schnell. Im Zuge des Alterungsprozesses produziert der Körper immer weniger des weiblichen Sexualhormons Östrogen, das auch auf die Schleimhäute wirkt, zudem werden die Geschlechtsorgane weniger gut durchblutet, was eine Trockenheit fördert. Die Östrogencreme lindert die entstandenen Beschwerden.

Tipp: Falls Sie gerade ein Antibiotikum nehmen mussten, sollten Sie darüber nachdenken, Vulva und Vagina mit Lactobazillen zu stärken. Antibiotika bekämpfen nämlich nicht nur die krank machenden Keime, sondern töten auch jene, die wichtig und gut für uns sind.