Treptow-Köpenick: Größer, grüner, weiter. Erleben Sie den hinreißenden Südosten Berlins!

In unserer Wochenend-Serie stellen wir die Berliner Bezirke vor. Heute Treptow-Köpenick mit dem Hauptmann, der romantischen Ufer-Bahn und Essen auf dem Wasser.

Industriedenkmal, Szene-Gastro, Wasserplätzchen: Leuchtenfabrik in Oberschöneweide.
Industriedenkmal, Szene-Gastro, Wasserplätzchen: Leuchtenfabrik in Oberschöneweide.imago/Schoening

Berlin ist ein Dorf. Sagt man so, und es stimmt auch, wenn man genauer hinguckt. Aber wer tut das schon? Wer fährt einfach mal in einen anderen Kiez, um zu schauen, was da so los ist? Das wollen wir ändern. In der Bezirke-Serie stellen wir alle zwölf Berliner Bezirke vor, lassen Einheimische zu Wort kommen, verraten Geheimtipps, tauchen ein in die Vielfalt der Möglichkeiten. Heute: Treptow-Köpenick.

Der südöstliche Bezirk ist nicht nur der größte Berlins, sondern auch der grünste und wasserreichste. Dahme und Spree fließen durch Treptow-Köpenick, und natürlich ist der Müggelsee der größte der Stadt. Insgesamt 150 Wasserwege führen durch den Bezirk mit seinen mehr als 280.000 Einwohnern und so vielen schönen Strandbädern.

Eine der schönsten Ecken ist mit Sicherheit Neu-Venedig im Köpenicker Ortsteil Rahnsdorf. „Wie in Italien verzweigt sich hier die Müggelspree in Kanäle“, schreibt visitberlin.de, Berlins offizielles Reiseportal und eine zu Recht beliebte Auskenner-Website. „Lassen Sie sich vom neuen Venedig mit Seerosen und Schwänen verzaubern – egal ob beim Spaziergang oder bei einer Fahrradtour.“

Und wenn Sie einmal in Rahnsdorf sind, statten Sie doch dem einzigen Fischer vom Müggelsee einen Besuch ab: Andreas Thamm startet an so ziemlich jedem Morgen um 5 Uhr in den Tag, um draußen auf dem Müggelsee zu fischen. Der Fang (unter anderem Aale und Zander) wird später am Tage am S-Bahnhof Köpenick oder auf dem Netto-Parkplatz am Ortseingang von Rahnsdorf verkauft.

Vor kurzem hat seine 20-jährige Tochter Marie ihre Lehre abgeschlossen. Sie ist die einzige aktive Fischerin Berlins und wird eines Tages den Betrieb ihres Vaters übernehmen.

Haben Sie Lust, auch die anderen Bezirke kennenzulernen? Dann folgen Sie uns doch nach Charlottenburg-WilmersdorfPankow, Neukölln, Mitte, Spandau, Lichtenberg, Reinickendorf, Friedrichshain-KreuzbergMarzahn-Hellersdorf, Tempelhof-Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf.

Was macht Treptow-Köpenick so besonders?

Christian Arbeit, Presse- und Stadionsprecher beim 1. FC Union: „Köpenick ohne Union – das ist kaum vorstellbar. Seit mehr als 100 Jahren wird zwischen dem Waldrand der Wuhlheide und dem Ufer der Wuhle Fußball gespielt. Mit den Jahren wurde, nicht zuletzt dank tatkräftiger Hilfe vieler Unioner, aus dem Sportplatz Sadowa das heutige Stadion An der Alten Försterei, in dem der 1. FC Union Berlin, aktuell Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga, seine Heimspiele austrägt.“

Ganz klar: „Die symbiotische Verbindung von Union mit der den Stadtbezirk prägenden Natur findet viele Ausdrucksformen. So übernahm der Verein die Bachpatenschaft für den Wuhleabschnitt entlang des Stadiongeländes. Eine weitere Partnerschaft verbindet die Eisernen mit den Berliner Forsten. Die ausladenden Waldgebiete des Bezirkes brauchen nach den trockenen Sommern der letzten Jahre viele Unterstützer.“

Und weiter: „Doch Kern eines Fußballklubs bleibt natürlich die Förderung des Sports, und auch hier engagiert sich Union weit über die leistungssportliche Ausbildung von Fußballern hinaus. Mit den Projekten ‚Keules Knirpse‘ und ‚Union macht Schule‘ bringt der Verein Kinder und Jugendliche in Kitas und Schulen auf spielerische Weise in Bewegung, viele davon befinden sich in Treptow-Köpenick.“

Und wenn Union mal Pause macht? „Dann ist Köpenick der perfekte Bezirk, um auch selbst zur Ruhe zu kommen. Wendenschloss mit dem wunderschönen Strandbad ist im Sommer einfach unwiderstehlich. Aber auch die Köpenicker Altstadt lädt mit Cafés, Restaurants und einer fast schon maritimen Uferpromenade zum Verweilen ein. Mein ganz persönlicher Lieblingsort, um gut zu essen und ein frisches Bier zu trinken: das Eicheneck in der Mahlsdorfer Straße.“

Das empfiehlt der Hauptmann von Köpenick

Die Geschichte kennt jedes Berliner Kind. Na gut: vielleicht eher alle, die mal Kinder waren. Denn heutzutage ist die Kriminette von anno dazumal in den Familien, Kitas und Schulen kein Thema mehr. In Köpenick jedoch hält man das Gedenken an den Gauner Friedrich Wilhelm Voigt wach.

Der Schuhmacher verkleidete sich 1906 als Hauptmann, narrte preußische Soldaten, verhaftete den Bürgermeister und raubte die Stadtkasse aus dem Rathaus Cöpenick. Verfilmt wurde das unter anderem mit Harald Juhnke, noch so einem Berliner Original, wie es sie heute nicht mehr gibt.

Vor dem Rathaus Köpenick steht eine Statue, die an den Hauptmann erinnert. Und es gibt einen (eigentlich sogar zwei!) aus Fleisch und Blut. Er heißt Heiko Stang, ist Schauspieler, geboren und aufgewachsen in Baumschulenweg und vertritt den Bezirk als offizieller Hauptmann von Köpenick: „Jeden Mittwoch gehe ich zum Boule-Spiel mit Freunden am Schiffsanleger in Grünau, direkt neben der ehemaligen Riviera. Eine tolle Anlage. Ich liebe es auch, auf der Schlossinsel spazieren zu gehen und danach einen Rosé im Weinladen am Schlossplatz zu trinken oder Tapas in der Köpenicker Altstadt zu essen.“

Heiko Stang ist also der offizielle Hauptmann, jener für Repräsentationszwecke. Und dann gibt es noch einen Hauptmann zum Anfassen, sozusagen: Benno Radke bietet als Hauptmann von Köpenick Führungen in der Altstadt an. Und er ist jeden Samstag, von Mai bis Oktober, in der Rolle seines Lebens zu sehen, nämlich in der allwöchentlichen Hauptmannsgarde.

Immer um 11 Uhr wird ein kleines Theaterstück vor dem Rathaus aufgeführt, das Zugucken ist kostenlos. Das Rathaus selbst wird derzeit allerdings renoviert und kann nicht besichtigt werden. Die sehenswerte Ausstellung zum Hauptmann von Köpenick ist aktuell in der nahen Joseph-Schmidt-Musikschule (Freiheit 15) aufgebaut.

Der Südosten zu Wasser

Der Blick aufs Wasser hat immer etwas Beruhigendes. Wir genießen es, dass das Auge sich (fast) nirgendwo stößt, die sanften Wogen, das Plätschern, der ferne Horizont. Falls auch Sie davon nicht genug bekommen, möchten wir Ihnen zwei besondere Highlights vorstellen. Zum einen wäre da die „Moby Dick“. Kennen Sie, oder? Das ist ein Fahrgastschiff im Wal-Design und mit waschechter Schwanzflosse, das Platz für bis zu 130 Menschen bietet.

Die gute Nachricht lautet: Sie können auf „Moby Dick“ eine dreistündige Spreefahrt zum Müggelsee buchen (über Stern und Kreis Schifffahrt), an Bord werden leckere Menüs oder ein Kaffeegedeck kredenzt. Sie fahren unter anderem am Köpenicker Schloss sowie an den Müggelbergen vorbei, können unterwegs sogar aussteigen. Die schlechte Nachricht: Das geht nur noch bis zum 9. Oktober, weil da die Schifffahrtssaison endet. Dann geht’s erst wieder im Frühling los.

Ganzjährig bei schönem Wetter geöffnet hat hingegen die Spree Arche (Müggelschlößchenweg) – ein Holzhaus-Restaurant mit Sonnendecks, umgeben von Wasser, das nur per Floß erreicht werden kann. Sie müssen an Land kurz klingeln, dann wird übergesetzt. Speisen Sie inmitten der Müggelspree, kurz vor der Mündung zum Großen Müggelsee. Es gibt viele Fischgerichte, aber auch für einen Feierabend-Drink lohnt sich der Ausflug zur Spree Arche. Ab diesem Wochenende wird auch wieder der beliebte Sonntagsbrunch angeboten.

Man kann das Wasser aber auch noch viel näher erleben, wie Sandra Zorn vom Tourismusverein Treptow-Köpenick weiß: „Ich kann super abschalten, wenn ich mit meinem Stand-up-Paddle die Dahme oder den Teltow-Kanal entlangfahre. Auch an einem sonnigen Herbsttag macht das Spaß. Und die Sonnenuntergänge sind einmalig. Manchmal begegne ich unterwegs einer Biber-Familie.“

Ungeübte sollten vielleicht auf wärmere Tage warten, um nicht unbeabsichtigt im kalten Wasser zu landen. Stand-up-Paddle kann man an verschiedenen Stellen im Bezirk ausleihen.

Und noch einen Tipp hat die Grünauerin parat: „Mit meiner Familie gehe ich gern in das italienische Restaurant Cucina in der Regattastraße. Das Personal ist sehr freundlich, das Essen kommt schnell und schmeckt hervorragend. Was ich aber besonders schön finde: Wenn man draußen sitzt, gibt es für Kinder die Möglichkeit zu spielen, ein bisschen im Sand zu buddeln. Das macht den Besuch für mich und uns total entspannt.“

Kommen Sie (mal wieder) ins FEZ: So viel Tolles an einem Ort

Es gibt in ganz Berlin wohl keine Institution, die so viel zu bieten hat wie das Freizeit- und Erholungszentrum in der Wuhlheide. Das FEZ ist Europas größtes gemeinnütziges Kinder-, Jugend- und Familienzentrum mit 13.000 Quadratmetern Indoor- und 175.000 Quadratmetern Outdoor-Fläche sowie einer schönen alten Parkeisenbahn, die von Kindern und Jugendlichen mit betrieben wird. Das Mitfahren ist ein Erlebnis: Gemütlich schuckelt man durch Wald und Flur, dreht eine große Runde durch den Park und erfreut sich an so viel Nichtstun.

Das FEZ bietet neben wirklich tollen Familienevents, verschiedenen Ausstellungen und spannenden Spielplätzen unter anderem auch eine Öko-Insel mit grünem Klassenzimmer, ein Hallenbad, eine Raumfahrtstation sowie eine Theaterbühne und einen beeindruckenden Kletterwald, der für kleine Menschen ab drei Jahren Spaß bietet, aber auch für wagemutige Erwachsene.

Ufer- und Waldbahn: Die romantischen Straßenbahnstrecken

Man kann Treptow-Köpenick wirklich gut zu Wasser und mit dem Rad oder Skates erkunden. Tipp: Zwischen Strandbad Grünau und Karolinenhof ist eine autofreie Strecke, auf der es sich herrlich fahren lässt, natürlich auch spazieren, einmal durch den Wald, immer entlang der Dahme und vorbei an der Bammelecke. Unterwegs können Sie auch Pilze suchen.

Aber selbst eine Fahrt mit den Öffis ist hier im Südosten etwas Besonderes. Steigen Sie entweder in die Tramlinie 68 (Schmöckwitz–Grünauer Uferbahn) oder in die 87, die zwischen Rahnsdorf und Woltersdorf (LDS) verkehrt. „Mit seiner seit der Eröffnung im Mai 1913 trotz diverser Ausbaupläne an beiden Enden unverändert gebliebenen Streckenlänge von nur 5,6 Kilometern zählt das Unternehmen zu den kleinsten Straßenbahnbetrieben Deutschlands (…) Darüber hinaus ist es einer der letzten Betriebe, die den in der DDR gefertigten Gothawagen einsetzen“, steht auf Wikipedia. Diese sollen jedoch im kommenden Jahr ersetzt werden.

Die Uferbahn hingegen punktet weniger mit Nostalgie, sondern vielmehr durch die Streckenführung. Sie hält auch am Strandbad Grünau, unterwegs nach Alt-Schöckwitz sieht man Wald und Wasser, Villen und Gehöfte, lernt auf 7,8 Kilometern Berlin von seiner idyllisch-romantischen Seite kennen.

Geheimtipp: Naturschutzgebiet auf dem Flugplatz Johannisthal

Früher wurden auf dem 1909 eröffneten Flugplatz in Johannisthal (Groß-Berliner Damm) Flugzeuge konstruiert und getestet, auch Zeppeline hoben ab. Es gab zwei Tribünen mit Platz für mehr als 4000 Menschen. Nachdem der Flughafen Tempelhof eröffnet hatte, endete die zivile Luftfahrt hier am Stadtrand.

Heute ist das Gelände ein einzigartiger Naturraum, wie das Expertenteam von visitberlin.de schreibt: „In Steinmauern eingefasst bilden rund 26 Hektar des ehemaligen Flugfeldes das Naturschutzgebiet, den Kern des Parks. Rund um das Naturschutzgebiet führt ein teilweise erhöhter Wanderweg. Er ermöglicht einen Ausblick auf das grüne Gelände und unterrichtet mithilfe von Schautafeln über die Historie des Ortes und die Tier- und Pflanzenwelt.“

Und das Areal hat noch mehr zu bieten, wie das Portal weiß: „Um das Naturschutzgebiet gruppieren sich die etwa 30 ‚Stadtkammern‘ – sie bilden den Aktivpark. Hier stehen zahlreiche Grünflächen für Sport, Spiel und Freizeit zur Verfügung, unter anderem eine Skaterbahn, ein Beachvolleyball-Feld sowie Spiel- und Liegewiesen.“

Direkt am Flugfeld steht auch der sogenannte Trudelturm (Brook-Taylor-Straße in Adlershof), direkt neben einem längst stillgelegten, 130 Meter langen Windkanal. Beide Gebäude wurden zwischen 1934 und 1936 errichtet und stehen heute unter Denkmalschutz – nur zwei von sehr vielen spektakulären Industriedenkmälern im Bezirk, weshalb Sie wirklich auch mal nach Oberschöneweide kommen und wir alle das olle „Oberschweineöde“ aus unserem Wortschatz streichen sollten. Allein der Industriesalon (Reinbeckstraße 9) mit seiner außergewöhnlichen Sammlung ist einen Tagesausflug wert!

Im Trudelturm wurde damals das äußerst gefährliche Trudeln eines Fliegers simuliert und untersucht. Besichtigen kann man weder den Turm noch den Windkanal, zumindest nicht von innen. Selbst die größten Stars nicht – aber immerhin dürfen die mal die geschwungene Außentreppe hinaufrennen oder im Gleichschritt herabsteigen, so wie Charlize Theron in dem Zukunftsstreifen „Aeon Flux“ aus 2015, der in Teilen auch im Windkanal gedreht wurde, oder Rammstein für das Cover ihres aktuellen Albums „Zeit“.

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