Temperaturen jenseits der 30 Grad, blauer Himmel, kein Lüftchen – was einerseits nach bestem Badewetter und dem perfekten Sommertag klingt, ist andererseits für unseren Körper potenziell eine massive Belastung. Hitze setzt einigen Menschen besonders zu. Und selbst wenn ein Wind geht, ändert das wenig am Stress, den der Organismus empfinden kann. Im Gegenteil: Das Lüftchen gaukelt uns Abkühlung vor, während die Sonne brennt.

Und obwohl man sich gut eincremt beziehungsweise im Schatten ist, kann man – je nach Hauttyp – einen Sonnenbrand bekommen. Der schmerzt und kann ernste Hautschäden zur Folge haben. Akut schlimmer sind jedoch Hitzschlag und Sonnenstich. Beides sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern schnell handeln.

Was ist ein Hitzschlag?

Ein Hitzschlag kann lebensgefährlich werden, weil der Körper sich binnen kurzer Zeit stark erhitzt (auf etwa 40 Grad) und dabei keinen oder nur wenig Schweiß produziert. Darum kommt es zu keiner körpereigenen Kühlung, was den Organismus extrem überanstrengt.

Das Gefährliche daran ist, dass die Symptome auch erst auftreten können, nachdem man zu Hause ist, und das eigene Unwohlsein deshalb gar nicht in direkten Zusammenhang mit dem Sonnenbad bringt. Besonders gefährdet sind (kleine) Kinder, alte Menschen, chronisch Kranke sowie alle, die keine Hitze gewohnt sind.

„Vor allem ältere Menschen und Kinder haben ein weniger starkes Durstempfinden, was vor allem bei hohen Temperaturen für sie schnell problematisch werden kann“, erklärt Internistin Dr. Anne Fleck. „Deshalb muss aktiv darauf geachtet werden, regelmäßig und auch ausreichend zu trinken.“

Ein Hitzschlag tritt vergleichsweise selten auf, häufiger kommt der Sonnenstich (siehe unten) vor. Falls Sie den Verdacht haben, einen Hitzschlag zu haben, sollten Sie den Notruf wählen, damit Sie schnell Hilfe bekommen. „Bis dahin sollten Sie sich an einem kühlen, dunklen Ort aufhalten und den Oberkörper hoch lagern“, rät die Ärztin. „Und trinken Sie lauwarmes Wasser oder ungesüßten Tee, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Bitte nichts Kaltes trinken, denn das muss der Körper erwärmen, was viel Energie kostet.“

Wie erkenne und vermeide ich einen Hitzschlag?

Die Symptome für einen Hitzschlag sind neben der plötzlich auftretenden hohen Temperatur Nackenschmerzen bis hin zu Steifheit, Übelkeit oder Erbrechen, Kopfschmerzen, stark gerötete und teils schmerzende Haut. Je nach Schwere des Hitzschlags können Schwindel und Bewusstseinsstörungen hinzukommen, aber auch Organversagen.

Deshalb gilt: Vermeiden Sie es, zu lange in der prallen Sonne zu verweilen. Ganz besonders wenn es generell sehr heiß ist, sollten Sie sich ausschließlich im Schatten aufhalten. Lassen Sie sich auch nicht vom Wind am Wasser verleiten, sich dennoch in die Sonne zu legen. Zwar fühlt sich die Haut gekühlt an, aber die Sonnenstrahlen treffen Sie dennoch.

Was ist ein Sonnenstich?

Ein Sonnenstich ist die Reaktion des Körpers, wenn vor allem Kopf und Nacken zu viel Wärme abbekommen haben. Die Reaktionen sind daher auch hauptsächlich am Kopf zu spüren, wohingegen bei einem Hitzschlag (siehe oben) eher der ganze Körper betroffen ist. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Haut des Körpers sich eher kühl anfühlt.

„Betroffen sind meistens Menschen, die im Freien arbeiten, wie Dachdecker oder Landwirte, aber auch wer jetzt Sport im Freien treibt, sollte besonders viel trinken und auf eine Kopfbedeckung mit Nackenschutz achten“, rät Medizinerin Dr. Anne Fleck.

Wie erkenne und vermeide ich einen Sonnenstich?

Typisch für einen Sonnenstich sind ein roter Kopf und Nacken sowie Nackensteifheit, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. Oftmals berichten Betroffene auch von einer starken Erschöpfung und Unwohlsein.

Falls Sie davon ausgehen, einen Sonnenstich zu haben, sollten Sie Bettruhe halten, den Oberkörper leicht hoch lagern und viel trinken. „Bei zunehmenden Bewusstseinsveränderungen sollte umgehend der Notfalldienst kontaktiert werden“, rät Fleck. „Und sofern es Ihr Kind betrifft, sollten Sie es keinesfalls unbeobachtet lassen. Beruhigen Sie es, legen ihm einen kühlen Lappen auf die Stirn und in den Nacken.“

Geheimtipp der Medizinerin: Naturjoghurt oder Quark auf die betroffenen Hautstellen geben. Das beruhigt die Haut und hilft auch gut bei Sonnenbrand. „Nachdem Sie Quark oder Joghurt aufgetragen haben, wickeln Sie die Stelle mit einem Baumwolltuch ein oder mit Frischhaltefolie, damit es gut einziehen kann“, sagt die Medizinerin. „So unterstützen Sie den Heilungsprozess, und sowohl Quark als auch Joghurt haben einen angenehm kühlenden Effekt.“

Um einen Sonnenstich zu vermeiden, sollten Sie viel trinken: „Wer bereits vor dem Aufenthalt im Freien ausreichend trinkt, etwa 30 bis 40 Milliliter Wasser pro Kilo Körpergewicht, hat eine gute Basis, damit der Körper weder dehydriert noch überhitzt“, sagt die Ärztin. „Darüber hinaus ist eine Kopf- und Nackenbedeckung absolut wichtig. Achten Sie auch auf luftige und helle Kleidung. Dunkle Farben nehmen Wärme eher auf, wohingegen helle Farben sie nicht speichern.“

Ärztin rät: So geht es Ihnen trotz Hitze gut

Atmungsaktive Kleidung, viel trinken, das Meiden der prallen Sonne vor allem über die Mittagszeit sowie der Verzicht auf körperliche Anstrengung sind die Grundzutaten, um trotz großer Hitze einen dennoch – im wahrsten Sinne des Wortes – kühlen Kopf zu bewahren.

„Sie können Ihr Empfinden aber auch mit der Ernährung steuern und so die Hitzetoleranz des Körpers deutlich verbessern und entspannt den Sommer genießen“, so Internistin Fleck. „Lebensmittel haben innerhalb des Körpers, also nach dem Verzehr, ein eigenes Temperaturverhalten. Einige wirken eher kühlend, andere wärmend.“

Zu den kühlenden Lebensmitteln gehören unter anderem Melone, Äpfel, Birnen, Ananas, Erdbeeren, Buttermilch, Gurken, Salate, grüner Tee sowie kalter Hibiskustee. Zu den wärmenden Lebensmitteln gehören beispielsweise Fenchel, Ingwer, Kakao und Kaffee, ebenso Hafer, Kirschen, Lauch, Schinken, Walnüsse, Zimt, Zwiebeln – und Alkohol, weil der die Blutgefäße weitet.

Wenn es draußen sehr heiß ist und sich die Wohnungen aufheizen, findet man abends kaum in den Schlaf und nachts keine Ruhe. Das ist schlecht, weil das unseren Körper stresst. Dr. Anne Fleck empfiehlt: „Dunkeln Sie Ihre Fenster bestmöglich auch tagsüber ab. Sofern Sie eine Tiefkühltruhe haben, legen Sie Ihre Bettwäsche dort hinein oder legen sich vor dem Zubettgehen eine Weile Kühlakkus aufs Kissen. Außerdem sollten Sie sich das Gesicht kalt abwaschen. Denn diese Erfrischung am Kopf sorgt auch im Winter dafür, dass wir besser schlafen.“

Eine alte Schlafregel lautet nämlich: kühler Kopf, warme Füße. „Das sind gute Startvoraussetzungen für einen erholsamen Schlaf“, sagt Dr. Anne Fleck. „Achten Sie im Sommer auch darauf, keine schweren Decken zu verwenden, unter denen sich die Hitze staut. Besser ist es, Sie nehmen ein Laken aus Baumwolle oder Leinen. So kann ein Luftaustausch stattfinden.“

Fazit der Medizinerin: „Insgesamt sollten wir jedoch cool bleiben, da die wärmeren bis heißen Temperaturen nur wenige Tage dauern. Wer gut vorsorgt, sollte ein entspanntes Sommerwochenende genießen.“

Die Expertin hat auch ein Buch mit Tipps verfasst: Dr. Anne Fleck, „Gesunde Sommerküche – Schnell, Einfach, Köstlich – Mit frischen Rezepten gesund durch die heißen Tage“, Becker Joest Volk Verlag, 192 Seiten, ca. 30 Euro.