Nähen ist ein tolles Hobby, das jedoch einiges an Konzentration sowie Perfektion verlangt, damit alles gut gelingt und hübsch aussieht. Um das Zuschneiden, Nähen und Verarbeiten zu erleichtern, gibt es viele mehr oder weniger nützliche Produkte und Helferlein, sogenannte Gadgets. Welche das sind, verrät Influencerin Nastasia Mohren aus Lichtenberg.

Die gebürtige Prenzlauer Bergerin ist seit acht Jahren als DIY Eule – kurz für: do it yourself; Eule ist ein Akronym für: eigene und liebevolle Einzelstücke – auf Youtube unterwegs, hat dort mittlerweile 188.000 Abonnenten und mehr als 530 Videos rund ums Nähen und Selbermachen veröffentlicht. Jeden Dienstag um 12 Uhr postet sie ein neues Video, erklärt Schnittmuster, Näh-Hacks und testet Produkte rund ums Hobby.

Exklusiv für die Berliner Zeitung verrät die Nähexpertin, welches Zubehör man als Nähanfängerin definitiv braucht, worauf man achten sollte und wie viel das kosten darf. Denn Nähen ist ein teures Hobby, da will jede Investition gut überlegt sein.

Tipp 1: eine gute Schneiderschere

Natürlich braucht man zum Schneiden der Stoffe eine Schere. „Und das sollte eine vernünftige Schneiderschere sein“, sagt Nastasia Mohren. „Diese haben einen speziellen Schliff und sind sehr scharf. Wichtig ist, dass man damit auch wirklich nur Stoffe schneidet und nicht etwa Papier, weil man schnell das Schnittmuster ausschneiden möchte.“ Das nämlich kann die Schere stumpf machen und in der Folge die Stoffe beim Schneiden beschädigen.

Kaufen sollte man die Stoffschere in einem Fachhandel. „Dort wird man gut beraten, was vor allem dann wichtig ist, wenn man seine Schere später einmal schleifen lassen möchte. Das geht nämlich nicht mit jeder Schere“, weiß die Influencerin. „Wer sich eine einfache Stoffschere kauft, die nach einem Jahr stumpf wird und diese dann nicht schleifen lassen kann, muss sich eine neue kaufen. Das kann auf Dauer ziemlich ins Geld gehen.“ Eine gute Stoffschere bekommt man für 30 bis 100 Euro.

Tipp 2: gutes Garn

„Auch wenn die Garn-Angebote im Discounter verlockend sind, rate ich aus eigener Erfahrung dringend davon ab“, sagt Mohren. „Das reißt total schnell und dann ärgert man sich, weil die Naht nicht schön aussieht. Und es kostet außerdem Zeit.“ Gleiches gilt für altes Garn, das man vielleicht bei Oma im Nähkästchen gefunden hat. „Garn wird mit der Zeit einfach spröde, und dann macht die Arbeit damit keinen Spaß mehr.“

Tipp: Allesnäher-Garn aus Polyester im Fachhandel kaufen. Das ist zwar etwas teurer, dafür aber qualitativ hochwertig. Für ein Grundfarben-Set (etwa sechs Rollen, je nach Anbieter) sollte man gute 20 Euro einplanen – jede Rolle hat 250 Meter Lauflänge.

Tipp 3: Trickmarker

Viele Nähanfänger beginnen, das Schnittmuster mit Kreide auf den Stoff zu übertragen. „Und das kann echt frustrieren, weil manche Stoffe schnell verrutschen oder die Kreide einfach nicht exakt malt“, weiß die Nähexpertin. „Die Lösung für das Problem sind Trickmarker, die ich selbst auch ständig benutze, weil sie das Aufzeichnen so viel einfacher machen.“

Es gibt Trickmarker, deren Linien mit der Zeit verblassen, und welche, die wasserlöslich sind und deren Farbe bei der nächsten Wäsche herausgespült wird. „Beide Trickmarker sind gut, allerdings sollte man bei jenen, die verblassen, sein Nähstück nicht liegen lassen, um es tags darauf oder später zu beenden, sondern direkt zu Ende nähen, sonst sind die Markierungen nachher verschwunden.“

Trickmarker sehen aus wie Filzstifte und funktionieren auch so. Sie kosten zwischen drei und zehn Euro, es gibt sie in verschiedenen Farben, zum Beispiel Lila und Weiß.

Tipp 4: ordentliche Stecknadeln

Ein klassischer Anfängerfehler: Um das Schnittmuster auf dem Stoff zu befestigen oder sein Nähstück zu fixieren, nimmt man herkömmliche Stecknadeln. Keine gute Idee, weiß DIY Eule Nastja: „Stecknadeln fürs Nähen sollten spitz sein, damit sie keine Löcher in den Stoff machen beziehungsweise so kleine, dass man sie nicht sieht. Ich selbst kaufe Stecknadeln nur von spezialisierten namhaften Herstellern, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass die Stoffe so am wenigsten beschädigt werden.“

Alternativ kann man auch Stoffklemmen verwenden. Diese machen gar keine Löcher, sondern werden – der Name verrät es – einfach angeklemmt. Das funktioniert ähnlich wie bei Wäscheklammern. Sinnvoll sind Stoffklemmen vor allem bei beschichteten Stoffen, weil die Löcher sich hier nicht zusammenziehen können, wie etwa bei Jersey. Sowohl Klemmen als auch Nadeln kosten selbst als Markenprodukt nur ein paar Euro.

Tipp 5: Nahttrenner

Wer eine Nähmaschine besitzt, hat auch einen Nahttrenner, denn der kleine Helfer gehört zur Grundausstattung dazu und ist im Alltag unverzichtbar. Dennoch: „Die zur Nähmaschine gehörenden Nahttrenner sind immer recht klein und deshalb etwas nervig in der Handhabung. Ich rate, sich einen neuen Nahttrenner zu kaufen – einfach, weil man ihn so oft braucht, am Anfang besonders häufig. Auch ich vernähe mich regelmäßig mal und bin dann froh, einen Nahttrenner zu haben, der gut in der Hand liegt und effektiv arbeitet.“

Achten Sie beim Kauf darauf, dass der Nahttrenner etwa so groß wie ein Stift ist und eine Kappe hat, womit man das scharfe Ende abdecken kann. „Es gibt auch welche mit Gummikappe, womit man die Garnreste, die nach dem Öffnen der Naht noch am Stoff hängen, wegradieren kann. Das ist wahnsinnig praktisch und erspart einem viel Arbeit.“

Tipp 6: ein gutes Dampfbügeleisen

Eigentlich möchte man einfach nur nähen, aber tatsächlich ist das ja oft der geringste Teil beim Selbermachen eines Kleidungsstücks. Man muss viel zeichnen, schneiden, zurechtlegen – „und bügeln“, weiß Nastasia Mohren. „Man unterschätzt das am Anfang meistens total, wie wichtig es ist, den Stoff vor dem Schnitt einmal glatt zu bügeln und auch die Nähte zu bügeln. Dabei ist das extrem wichtig. Es sieht am Ende einfach besser aus, das Ergebnis bereitet mehr Freude.“

Deshalb empfiehlt die Youtuberin: „Ein gutes, sauberes Dampfbügeleisen mit einer entsprechenden Unterlage ist unverzichtbar, wenn man schöne Nähergebnisse haben möchte.“ Idealerweise ist das Bügeleisen (ab ca. 20 Euro) beschichtet. Es gibt auch Mini-Dampfbügeleisen (ca. 30 Euro). Wichtig: Niemals über beschichtete Stoffe oder Fleece bügeln. Beim Bügeln sollten immer die Herstellerangaben beachtet werden – einige Stoffe dürfen beispielsweise nur mit geringer Hitze oder ohne Dampf gebügelt werden.