Wenn die Haut an der Unterseite der Oberarme erschlafft, ist das vielen Frauen peinlich. Vor allem beim Heben der Arme schlackert die Haut, weshalb sie als Winke- oder Bingoarme verschrien sind. Im Englischen heißt das Phänomen halb lustig Chicken Wings beziehungsweise Bingo Wings. Kaum jemand trägt die herabhängende Haut mit Stolz, zumal sie als eine Alterserscheinung gelten. Die gute Nachricht lautet: Man muss sich mit dem Schicksal nicht abfinden.

Tatsächlich kann man einiges machen, um die Winkearme loszuwerden. Egal, wie alt Sie sind, ob Mann oder Frau oder wie stark Sie betroffen sind: Verzagen Sie nicht, es lässt sich alles wiederherstellen, sodass die Arme wieder fest und frisch werden. Allerdings, und das ist Ihnen sicher klar, geht das nicht gänzlich ohne Anstrengung.

Wie entstehen Winkearme?

„Vereinfacht formuliert sind Winkearme der Ausdruck von einem Missverhältnis zwischen zu viel Haut und zu wenig Muskeln“, sagt Hautarzt Dr. Christian Greis vom Dermatologie-Portal derma2go. „Eigentlich wird der untere Oberarm vom Trizeps stabilisiert. Wird dieser jedoch nicht trainiert, baut sich die Muskulatur ab, sodass die Haut weniger unterpolstert ist. Hinzu kommt, dass die Haut mit zunehmendem Alter an Elastizität verliert.“

Beide Faktoren – die abnehmende Elastizität sowie der Mangel an Trizeps-Muskulatur – führen dazu, dass die Haut schlaff wird und hängt. „Bedingt sind diese durch einen sich ändernden Stoffwechsel, der jeden Menschen ungefähr in der Lebensmitte ereilt“, so Dr. Christian Greis. Mit etwa Anfang bis Mitte 40 beginnt eine Hormonumstellung, die bei den Frauen als Wechseljahre bekannt ist. Aber auch Männer durchlaufen eine Phase der hormonellen Änderungen.

Frauen haben grundsätzlich mehr Fett als Männer, diese wiederum mehr Muskeln als Frauen. Das hat die Natur so eingerichtet. Zugleich ist bei Frauen das Bindegewebe, das die Haut glatt und straff macht, schwächer als bei Männern. Insgesamt also eine Kombination, die vermehrt bei Frauen dazu führt, dass sie Winkearme bekommen.

Kollagen, bekannt aus allerhand Schönheitscremes, ist ein hautstraffendes Eiweiß. „Es gibt Spannkraft“, sagt der Dermatologe. „Jedoch werden ab etwa Mitte 20 bis Mitte 30 zunehmend mehr Kollagenfasern ab- als aufgebaut, weshalb das eben klassischerweise auch die Zeit ist, in der wir erste Fältchen bekommen.“ Und da das Kollagen auch an den Oberarmen abgebaut wird, führt es zu weniger Spannkraft. Die Schwerkraft tut dann ihr Übriges.

Hilft Sport gegen Winkearme?

Kann man sich Winkearme wegtrainieren? „Na klar, und wie“, bestätigt Sportwissenschaftler Dr. Ingo Froböse, Professor an der Deutschen Sporthochschule in Köln. „Der Trick ist ganz einfach: Man muss wieder mehr Volumen aufbauen und den Trizeps richtig fordern. Wer gut trainiert, hat keine Winkearme, so einfach ist das. Niemand muss dafür übermäßig lang trainieren, aber die Muskeln müssen währenddessen brennen, damit sie wachsen.“

Der Sport-Experte empfiehlt zwei Übungen, um den Trizeps wieder prall werden zu lassen, sodass er die herabhängende Haut gut ausfüllt und nichts mehr schlackert. Natürlich eignen die Übungen sich auch für all jene, die den Winkearmen vorbeugen wollen. In jedem Fall: Trainieren Sie mindestens jeden zweiten Tag. Beginnen Sie mit zehn bis 15 Wiederholungen und machen dann eine oder zwei Minuten Pause. Danach die gleiche Anzahl an Wiederholungen. Pause. Und noch ein Satz. „Nach guten drei Monaten sind die Proportionen wieder so weit hergestellt, dass Sie entspannt ein Kurzarmshirt tragen können“, verspricht Froböse.

Übung 1: Nehmen Sie sich zwei Wasserflaschen und halten diese mit ausgestreckten Armen gerade nach oben über den Kopf. Jede Hand hält eine Flasche, die Arme sind in Verlängerung des Körpers, nah an den Ohren, die Daumen zeigen nach hinten, der Trizeps nach oben. Lassen Sie die Schultern locker und ziehen sie nicht nach oben zu den Ohren. Dann beginnen Sie, die Arme zu beugen, sodass Ihre Hände mitsamt den Flaschen am Ohr vorbei Richtung Schulterblätter wandern.

Diese Übung eignet sich besonders gut für Ungeübte. Beginnen Sie mit einer 0,5-Liter-Flasche. Sie könnten dann im Laufe der Zeit auf 1-Liter-Tetrapacks oder 1,5-Liter-Wasserflaschen umsteigen oder die Anzahl der jeweiligen Wiederholungen steigern. Wichtig ist, dass Sie nach Beendigung der drei Durchgänge deutlich spüren, wie Sie Ihren Trizeps trainiert haben.

Übung 2: Setzen Sie sich auf einen Stuhl mit Armlehne. Dann umgreifen Sie diese beidseitig – also: linke Hand umgreift linke Armlehne, rechte Hand umgreift rechte Armlehne. Versuchen Sie nun, sich allein mit der Kraft Ihrer Armmuskeln nach oben zu drücken, sodass Po und Oberschenkel von der Sitzfläche abheben.

Sollte Ihnen das nicht gelingen, versuchen Sie Folgendes: Legen Sie Ihre Hände seitlich neben den Oberschenkeln flach auf der Sitzfläche des Stuhls ab und probieren nun, sich nach oben zu drücken, indem Sie die Arme nicht mehr gebeugt halten, sondern gerade machen und die Muskulatur anspannen. „Egal, wie Sie die Übung ausführen: Das Wichtigste ist der Rückweg. Lassen Sie sich nicht plumpsen, sondern setzen Sie sich ganz langsam und sanft ab“, rät Dr. Ingo Froböse. „Nur so wird der Trizeps gezielt trainiert.“

Alternative: Winkearme chirurgisch korrigieren lassen

Man kann sich seine Winkearme auch operativ straffen lassen. Hier gibt es verschiedene Verfahren, wie Dr. Joachim Graf von Finckenstein, plastischer und ästhetischer Chirurg und Leiter der Praxisklinik in den Seearkaden Starnberg, erklärt: „Bei kleinen Fettpölsterchen können Betroffene beispielsweise auf die nicht invasive Methode der Kryolipolyse zurückgreifen. Bei diesem schonenden Verfahren kühlt ein spezieller Applikator die Fettzellen im gewünschten Bereich auf bis zu minus neun Grad Celsius herunter, sodass es zur Apoptose – dem sogenannten Zelltod des Fettes – kommt. Anschließend baut der Körper die abgestorbenen Fettzellen ab.“

Eine Kryolipolyse-Sitzung dauert etwa 60 bis 70 Minuten und kostet zwischen 500 und 600 Euro. „In der Regel sind je nach Fettmenge zwei bis drei Sitzungen mit einem Abstand von mindestens sechs Wochen erforderlich“, so der Mediziner. Man kann direkt nach einer Sitzung wieder nach Hause, hat aber blaue Flecken, Schmerzen an den behandelten Stellen sowie „eventuell ein kurzzeitiges leichtes Taubheitsgefühl“.

„Eine weitere Methode stellt die ebenfalls nicht invasive Radiofrequenztherapie dar“, sagt Dr. Joachim Graf von Finckenstein. „Mithilfe eines entsprechenden Gerätes gibt ein Facharzt Radiowellen an die Haut ab. Diese Energie wandelt sich im Gewebe in Wärme um und regt so den Metabolismus an, sodass die Fettzellen regelrecht schmelzen. Sie werden ebenfalls vom Körper entsorgt.“

Eine Sitzung dauert zwischen zehn und 45 Minuten und kostet circa 70 Euro. In der Regel sind sechs bis acht Sitzungen notwendig, die Pausen dazwischen sind rund vier Wochen. Rötungen und Schwellungen sind möglich, sonst treten im Normalfall keine weiteren Beschwerden auf.

Fettabsaugung und Hautstraffung bei Winkearmen

„Bei größeren Fettpolstern empfiehlt sich eine Liposuktion“, berichtet der Chirurg weiter. „Dazu spritzt der Arzt Tumeszenz-Flüssigkeit mithilfe einer kleinen Kanüle in das Unterhautfettgewebe der betroffenen Bereiche. Derart aufgeschwommen werden Fettzellen mit einer weiteren schmalen Kanüle über ein Vakuum abgesaugt.“

Eine Fettabsaugung dauert 30 bis 60 Minuten und die Kosten beginnen bei etwa 2000 Euro. In den ersten Tagen nach dem Eingriff hat man blaue Flecken und Schmerzen, die einer Prellung ähneln. Ebenso kann es sein, dass man ein Taubheitsgefühl hat. Es wird geraten, eine mehrtägige Ruhephase einzuhalten.

„In manchen Fällen bedarf es anschließend außerdem einer Hautstraffung, wenn die Oberarmhaut sich nicht ausreichend zurückbildet. Bei diesem Eingriff entfernt der Facharzt das erschlaffte Gewebe über einen Schnitt, der in der Achselhöhle beginnt und versteckt in der Oberarminnenseite liegt“, fasst von Finckenstein zusammen.

Eine Hautstraffung dauert 60 bis 90 Minuten und kostet in der Regel mindestens 2400 Euro. „Schwellungen, leichte Schmerzen und kleine Blutergüsse in den ersten Tagen sind normal. Nach gut zwei Wochen verschwinden sie wieder“, so der Mediziner. „Zu Beginn trägt man eine Kompressionsbandage, um die Haut zu unterstützen. In den ersten Tagen dürfen Sie keine schweren Gegenstände tragen. Nach einer Woche können Sie alle Bewegungen wieder aufnehmen. In der Regel ist man nach zwei bis vier Wochen wieder gesellschaftsfähig. Die Wunde sollte ein- bis zweimal kontrolliert werden.“