Brot aus Meisterhand: Gute Bäckereien im Berliner Osten, die selbst backen

Von Pankow bis Köpenick, von Hohenschönhausen bis Friedrichshain: Wir zeigen, welche Kiez-Bäckereien im Osten der Stadt ihre Brötchen noch selbst backen.

Frisch gebackene Brötchen sind ein echter Genuss.
Frisch gebackene Brötchen sind ein echter Genuss.dpa/Fabian Sommer

Es geht doch nichts über den Geruch frisch gebackenen Brotes, das wohlige Gefühl warmer Brötchen in den Händen, die Kombination aus knuspriger Kruste und weichem Teig. Kein Discounterbrot der Welt, keine Fertigbrötchen für zu Hause können da mithalten.

Natürlich kennt jeder (Ost-)Berliner die Kultbäckerei Siebert in Prenzlauer Berg (Schönfließer Straße 12) mit dem kleinen, urigen Verkaufsraum. Es ist eine der ältesten Bäckereien der Stadt, 1906 eröffnet und bis heute ein Familienbetrieb: Siebert wird in fünfter Generation geführt. Die Brötchen werden von Hand geformt und schmecken wirklich wie früher – echte Ostschrippen eben.

Aber neben Siebert gibt es auch eine Reihe anderer Bäckereien im Berliner Osten, viele noch vergleichsweise jung, aber nicht weniger gut. Acht von denen möchten wir Ihnen vorstellen.


Treptow: Endorphina Backkunst

Hier heißen die Backwaren Kunstwerke, die Bäckerei-Fachleute KünstlerInnen. In einer gläsernen Backstube wird gänzlich ohne Maschinen gebacken. Die Zutaten sind alle bio. Im Hinterhof gibt’s auch ein kleines Café, wo man sich beispielsweise eine der handgerollten Zimtschnecken schmecken lassen kann.

Die Bäckerei engagiert sich auch sozial, stellt beispielsweise Geflüchtete ein. Insgesamt arbeiten für das Unternehmen 30 Menschen aus zehn Nationen.

Endorphina Backkunst, Elsenstraße 52, 12059 Treptow. Öffnungszeiten: montags bis freitags 8 bis 19 Uhr, am Wochenende bis 18 Uhr.


Buch: Brezel-Back Kuchenremise

Ein bisschen versteckt, in einem Hinterhof am fast äußersten Ende vom Pankower Ortsteil Buch befindet sich eine der wundervollsten Bäckereien Berlins. Neben leckeren Kartoffelbrötchen, originalen Schrippen und verschiedensten Vollkornbrötchen gibt es auch diverse Brote, von denen man einfach nie genug kriegen kann.

Die stets gut gelaunte Chefin steht fast immer hinter der Theke. Ein absolutes Highlight sind auch die Torten- und Kuchenkreationen, die nebenan in der Backstube hergestellt werden. Jedes Stück eine herrliche Sünde, die jede Kalorie wert ist!

Brezel-Back Kuchenremise, Alt-Buch 59, 13125 Buch. Öffnungszeiten: montags bis freitags 6.30 bis 16 Uhr, am Wochenende 7 bis 16 Uhr.


Friedrichshain: Keit Bäckerei

In der kleinen Bäckerei legt man Wert auf Regionalität: Alle Zutaten für die Brote stammen aus einem Umkreis von maximal 100 Kilometern rund um Berlin. Die Produktpalette ist überschaubar. Sechs verschiedene Brote sind im Angebot, vom Toast übers Baguette bis hin zum Körnerbrot (je sechs Euro), hinzu kommen vier Brötchensorten (je ein Euro).

Toll: Die Inhaber bitten regelmäßig Sauerteigkurse an, verkaufen auch getrockneten Sauerteig im Glas (vier Euro).

Bäckerei Keit, Grünberger Straße 75, 10245 Friedrichshain. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 10 bis 19 Uhr, samstags 9 bis 17 Uhr, sonntags 9 bis 13 Uhr. Montags geschlossen.


Köpenick: Bäckerei Scholz

Prämiert mit der Goldenen Brezel, dem Preis der Innung, warten hier buchstäblich ausgezeichnete Backwaren auf Sie: 15 Brötchensorten, sieben Brotvarianten (darunter eine, die nach dem 1. FC Union Berlin benannt wurde) sowie jede Menge Süßwaren. Das Unternehmen liefert sogar stadtweit und bietet zudem einen Partyservice an. In der Vorweihnachtszeit gibt es elf verschiedene Stollenvariationen, unter anderem mit Gin aus Berlin oder Köpenicker Honigstollen.

Bäckerei Scholz, Borgmannstraße 6, 12555 Köpenick. Öffnungszeiten: montags bis freitags 6 bis 17.30 Uhr, samstags 6 bis 11.30 Uhr, sonntags 7 bis 11 Uhr.


Hohenschönhausen: Bäckerei Blauert

Am Wochenende heißt es hier wie bei so vielen guten Bäckereien: anstehen, etwas Zeit mitbringen. Die Schlangen sind oft lang, aber man weiß halt auch, weshalb. „Bester Bäcker in der Umgebung. Hier wird noch alles selbst gebacken. Immer frisch und lecker! Zur Weihnachtszeit unbedingt die Dominosteine probieren“, schreibt Google-Local-Guide Nils Claussen. Die Bäckerei wird bei mehr als 250 Rezensionen mit insgesamt 4,3 von 5 möglichen Sternen bewertet.

Bäckerei Blauert, Konrad-Wolf-Straße 112, 13055 Hohenschönhausen. Öffnungszeiten: montags bis freitags 7 bis 17.30 Uhr, samstags 7 bis 13 Uhr, sonntags 7.30 Uhr bis 16.30 Uhr.


Mitte: Wiener Brot

Bei der Biobäckerei gibt es beispielsweise Demeter-zertifizierte vegane Zwei-Kilo-Brotlaibe, die auf Stein gebacken werden. „Durch die lange Ruhezeit des dreistufig geführten Sauerteigs ist unser Brot sehr lange haltbar. Es wird nicht alt, es reift. Probieren Sie es aus“, versprechen die Bäcker auf ihrer Homepage.

Als Berliner muss man sich vielleicht daran gewöhnen, dass die Brötchen hier Weckerl oder Semmel heißen. Aber: Alles hier vor Ort wird in echter Handarbeit hergestellt. Viele Backwaren kommen aus dem speziellen Holzbackofen mit echtem Feuer. Der Sauerteig reift in Stahlkesseln, nicht in Sauerteiganlagen. Das muss man den Wienern lassen: Sie gehen wirklich die berühmte Extrameile, um besonderes Brot herzustellen.

Wiener Brot, Tucholskystraße 31, 10117 Mitte. Öffnungszeiten: montags bis freitags 7 bis 19 Uhr, samstags 8 bis 16 Uhr.


Biesdorf: Hennig Steinofen-Bäcker

In und um Berlin gibt es knapp 30 Filialen der Bäckerei Hennig, die 1913 gegründet wurde. Schon zu DDR-Zeiten stellte man in dem Betrieb selbst Eis her, belieferte damit Kaufhallen. Das Eis gibt es bis heute, die Saison geht vom frühen Frühling bis in den Herbst hinein.

Bekannt ist die Bäckerei aber natürlich für ihre fantastischen Schrippen und Knüppel sowie das knusprig-fluffige Steinofenbrot. Gebacken wird nach allen Regeln der Handwerkskunst seit 1997 im Haupthaus in Hennickendorf (Märkisch-Oderland), von wo aus die Filialen beliefert werden.

Hennig Steinofen-Bäcker, Wulkower Straße 2 (im Biesdorf-Center), 12683 Biesdorf. Öffnungszeiten: montags bis freitags 6.30 bis 19 Uhr, samstags bis 18 Uhr, sonntags 7.30 Uhr bis 10.30 Uhr.


Prenzlauer Berg: 100 Brote

Brot, das richtig satt macht. Das kracht, wenn man es aufschneidet, und das einfach nur gut schmeckt – ohne Schnickschnack. Das Mehl (Roggen, Dinkel) kommt aus dem Spreewald. Hinzu kommen nur noch Salz und Wasser, mehr brauchen die Brotbäcker aus dem Bötzowviertel nicht, um ein wirklich gutes Brot zu zaubern.

Aber sie können noch mehr: Probieren Sie mal das Walnuss-Thymian-Brot. Oder einen Hefezopf. Zum Anbeißen! Übrigens, typische Amtsposse: Weil sich die Bäckerei nicht für teures Geld nach einer EU-Norm zertifizieren lassen will, darf es seine Produkte nach eigener Aussage seit dem Sommer nicht mehr bio nennen. Darum heißt es jetzt: „100 Prozent Natur“.

100 Brote, Hufelandstraße 2, 10407 Prenzlauer Berg. Öffnungszeiten: montags bis freitags 8 bis 20 Uhr, samstags bis 18 Uhr, sonntags 9 bis 18 Uhr.