Drei Wochen am Stück oder knackig kurz: Wie lang muss der perfekte Urlaub sein?

Die einen plädieren für längere Auszeiten, die anderen nehmen lieber öfter und dafür weniger Urlaub am Stück. Doch wie erholt sich’s am besten?

Ein Liegestuhl am Strand: Hier könnte man es ewig aushalten. Doch die Urlaubstage sind begrenzt – und man muss ein bisschen haushalten, um übers Jahr zu kommen.
Ein Liegestuhl am Strand: Hier könnte man es ewig aushalten. Doch die Urlaubstage sind begrenzt – und man muss ein bisschen haushalten, um übers Jahr zu kommen.dpa

Wie lang muss ein Urlaub sein, damit man sich richtig erholt? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Die einen planen lieber kurze Pausen, verteilen sie übers ganze Jahr. Andere würden am liebsten den ganzen Jahresurlaub am Stück nehmen – was dann arbeitsrechtlich auch wieder nicht so einfach ist.

Das Bundesurlaubsgesetz verlangt, den Erholungsurlaub grundsätzlich zusammenhängend zu gewähren. Mindestens muss der Arbeitgeber zwölf aufeinanderfolgende Werktage (einschließlich der Sonnabende) gewähren. Doch reicht das aus, um dem Stress zu entkommen? Auch in unserer Redaktion herrscht darüber schönste Uneinigkeit. Ein Pro und Contra in Ferienzeiten.

Unter drei Wochen ist es kein Urlaub!

Meine Mutter las mir neulich mal wieder das Internet vor und zitierte dabei eine Arbeitspsychologin, nach deren Aussage die Dauer des Urlaubs keinen Effekt auf den Erholungsgrad habe. „Nach aktuellem Wissensstand“, gab meine Mutter den Artikel wieder, „wäre es eigentlich sinnvoller, mehrmals im Jahr kürzeren Urlaub zu machen.“

Das passte natürlich gut ins Ferienschema meiner Eltern, die übers Jahr verteilt immer mal wieder eine Woche wegfahren oder aus Brückentagen ein verlängertes Wochenende zaubern. Dadurch bekommt man schnell das Gefühl, sie hätten andauernd frei. „Seid ihr schon wieder im Urlaub?“, lautet einer der Standardsätze in unseren Telefonaten.

Am Ende habe ich genauso viele Urlaubstage wie sie, nur halte ich mich nicht an die Ratschläge der oben zitierten Psychologin. Für mich ist ein Kurzurlaub kein richtiger Urlaub – und einmal im Jahr, in den Sommerferien, müssen es einfach drei Wochen am Stück sein. Das ist die Zeit, die ich zum Raus- und Runterkommen benötige.

Eine Woche braucht es allein, um die Arbeit hinter sich zu lassen. Den Ärger mit den Vorgesetzten, die nicht abgeschlossenen Projekte, den Nervkram drum herum – all das muss man gedanklich erst mal beiseiteschieben. Ist das erfolgreich bewältigt, beginnt die zweite Woche, die Erholungsphase tritt ein. Möchten wir da wirklich an Tag drei schon wieder mit dem Gedanken behelligt werden, dass in der Woche darauf der Job wieder ruft?

Eben! Deswegen die dritte Woche: Die süße Vorausschau darauf, dass der Spaß nach der herrlich entspannten Woche zwei noch lange nicht vorbei ist. Der einzige Fehler, den man nicht machen darf: sich den Resturlaub für das verbleibende Jahr ausrechnen. Da wird’s natürlich schnell traurig, wenn man derart verschwenderisch mit seinen Sommerferientagen umgeht.

Wobei, was heißt schon verschwenderisch. Wenn meine drei Wochen zu Ende gehen, hat mein Mann noch weitere drei vor sich. Wer mit einem Lehrer verheiratet ist, muss gönnen können. Unter Aufbietung all meiner Liebe schaffe ich es irgendwie, meinem Mann diese Endlosferien einigermaßen wohlwollend zuzubilligen. Neidisch bin ich trotzdem.

Am Ende ist natürlich auch ein dreiwöchiger Urlaub schon Luxus. Wer zum Beispiel selbstständig ist, kann davon nur träumen. Und der Trend geht ohnehin in eine andere Richtung: Anfang der 1980er-Jahre haben die Deutschen noch durchschnittlich 18 Tage am Stück Urlaub gemacht – heute sind es nur noch 13 Tage. Anne Vorbringer

Mehr als fünf Tage ist die reinste Verschwendung!

Mein Chef hat manchmal den Eindruck, wir würden ständig über meinen Urlaub sprechen – über die Planung, die Einreichung von Urlaubstagen, danach darüber, wie’s denn so war an meinen freien Tagen. Und ein bisschen hat er recht damit. Eben weil ich so schlau bin, nicht eine große Reise im Jahr zu planen, sondern viele kleine Trips! Mal zwei, drei Tage, mal ein verlängertes Wochenende – aber niemals länger als zehn Tage.

Nun finde auch ich den Gedanken, im Frühjahr oder Sommer mal drei Wochen am Stück nicht ins Büro zu trotten, äußerst attraktiv. Zurückzukommen in dem Wissen, dass ich quasi meinen ganzen Urlaub für eine einzige Reise verbraten habe, finde ich allerdings fürchterlich. Den ganzen Urlaub! Für nur eine Reise! Denkt man das mal weiter auf ein ganzes Leben, bedeutet das doch: Wer jedes Jahr drei ganze Wochen in einem Urlaubsparadies verweilt, kommt zwangsläufig kaum dazu, im selben Jahr noch ein paar andere Urlaubsparadiese zu entdecken.

Nun sollte das Reisen zwar nicht zum Wettlauf gegen sich selbst verkommen – aber ich habe schon den Wunsch, vielleicht sogar den Anspruch, möglichst viele Orte, Länder, Kontinente dieser Erde zu besuchen. Und das lässt sich natürlich besser realisieren, wenn man im Jahr viele kleine Trips und Touren einplant, und eben nicht den einen großen Sommerurlaub. Dass das für mich möglich ist, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verlieren, wann eigentlich Schulferien sind oder wann mein Partner Urlaub nehmen kann, ist nur einer von vielen Vorzügen des süßen Singledaseins.

Tatsächlich gibt es auch ein paar wissenschaftlich belegte Vorzüge des Kurzurlaub-Reigens. Zum Beispiel wirken sich freie Tage auf die Kreativität aus. Der Neurowissenschaftler David Strayer hat an der University of Utah eine entsprechende Studie vorgelegt: 26 Frauen und 30 Männer nahmen daran Teil, die Hälfte von ihnen schickte Strayer für vier Tage – meiner Meinung nach die perfekte Kurzurlaubs-Länge – in die Berge. Das Ergebnis: In mehreren folgenden Kreativitätstests schnitten die Ausflüglerinnen und Ausflügler um rund 50 Prozent besser ab. Das Hirn bekommt eben auf jeder Reise neuen, inspirierenden Input. Woraus ich doch nur folgende Gleichung ableiten kann: mehr kleine Reisen = mehr Input = mehr Kreativität.

Noch drastischer ging die Framingham-Herz-Studie aus, eine Langzeitstudie, die der United States Public Health Service in den 1940ern in Framingham durchführte: Über 20 Jahre hinweg wurden rund 12.000 Einwohnerinnen und Einwohner der US-Stadt alle zwei Jahre eingehend untersucht; kontrolliert wurden ganz unterschiedliche Dinge. Eines der Ergebnisse: Jene Menschen, die angaben, nur selten in den Urlaub zu fahren – einmal im Jahr zum Beispiel –, starben in den Folgejahren mit einer größeren Wahrscheinlichkeit an einem Herzinfarkt. Wer aber regelmäßiger unterwegs ist, verringert demnach das Infarktrisiko – Männer um 32 Prozent, Frauen sogar um satte 50 Prozent. Kurzurlaub kann Leben retten, liebe Leute!

Auch interessant: Die britischen Marktforscher David Gilbert und Juanauda Abdullah fanden 2002 in einer Befragung heraus, dass allein schon die Urlaubsplanung erheblich die Stimmung hebt. Befragte, die gerade eine Reise organisierten, bewerteten demnach ihre gesamte Lebenssituation besser; das Verhältnis zur Familie, die Stimmung im Büro, die eigene Gesundheit – fühlt sich zumindest besser an, allein schon weil eine Reise ansteht. Kann ich nur bestätigen: Nächste Woche fliege ich nach Spanien und fühl mich einfach super. Und wenn ich zurückkomme? Mache ich mich gleich an die Planung einer New-York-Reise im Oktober. Aber nur fünf knackige Tage lang! Manuel Almeida Vergara