Sie ist 1,56 Meter groß, wohnt im coolen Neukölln, trinkt gern Rotwein, liebt Kunst, Fotografie, Literatur – und bezeichnet sich selbst als wahrhafte Sadistin. Lady Susan ist eine Domina aus Leidenschaft und Überzeugung, mit eigenem Studio im Wedding, Social-Media-Kanälen sowie verschiedenen Internetauftritten, unter anderem beim Erotikportal Erobello. In der Berliner Zeitung verrät sie, was einen erwartet, wenn man zu einer Domina geht, was es kostet und was man dafür bekommt.

Der erste Weg zu einer Domina führt meistens über eine Suchmaschine: Man tippt, checkt die Ergebnisliste, vergleicht die Angebote und nimmt dann Kontakt auf. „Ich bin überall auffindbar“, sagt Lady Susan. „Meistens werde ich per Mail kontaktiert. Bei Neuanfragen ist es sinnvoll, dann auch gleich seine Vorlieben und Vorstellungen zu schildern, damit ich Bescheid weiß.“ Beim Erstkontakt ist es also völlig okay, wenn man schreibt, dass man auf Nylonstrümpfe oder Rollenspiele steht, zum Beispiel. Je konkreter, desto besser. Lady Susan ist für (fast) alles offen.

Was eine Domina üblicherweise nicht anbietet: Sex, küssen, rumfummeln. „Dass ich während der Sessions unbekleidet bin, ist für mich auch ein Tabu, ebenso wie das Zufügen von bleibenden Schäden“, erklärt Lady Susan. „Und es muss mich auch nicht jeder Gast mit Lady ansprechen. Wer nicht devot ist, kann mich auch einfach Susan nennen.“ Wie alt jemand ist, interessiert die Domina nicht, sofern der Gast – und in der Regel sind es Männer – volljährig ist. Bei ihr zählt nur die Sache, der Fetisch: „Ich muss genau wissen, was er mag und wie er es mag, dann kann ich mich gut darauf vorbereiten. Deshalb telefoniere ich vorher meistens mit dem Gast, oder wir tauschen uns schriftlich aus.“ Je genauer die Domina weiß, was der Gast wünscht, desto wahrscheinlicher ist es, dass er Spaß haben wird.

Wie läuft ein Besuch bei der Domina ab?

„Bei neuen Kunden ist es so, dass wir vor dem Start der Session ein Vorgespräch führen, um uns einmal kurz kennenzulernen. Ich erkläre, was gleich passiert, und muss für mich auch überprüfen, ob die Chemie wirklich passt“, so Lady Susan. Es kann vorkommen, dass einer oder beide feststellen, dass man sich doch nicht so sympathisch ist. Dann kann der Gast wieder gehen und muss auch nichts bezahlen. Ansonsten ist das Vorgespräch Teil der sogenannten Session, also des eigentlichen Domina-Besuchs.

„Ich will ja auch meinen Spaß dabei haben, und das funktioniert nur, wenn ich weiß, was von mir erwartet wird. Sobald ich anfange zu denken ‚Mache ich das jetzt richtig?‘, macht es eben keinen Spaß mehr, und das wäre für uns beide schade“, erklärt Lady Susan. Nach dem Vorgespräch zeigt Lady Susan den Weg ins Bad, wo es eine Dusche und frische Handtücher gibt. Dort entkleidet sich der Gast so weit, wie es für seinen Fetisch nötig ist. „Sobald er fertig ist, klopft er an die Tür, und es geht direkt los“, so die Domina.

Eine Session dauert in der Regel 30 bis 60 Minuten. Je nach Wunsch des Kunden können aber auch mehrere Stunden gebucht werden, etwa wenn man sich für einen längeren Zeitraum in Frischhaltefolie einwickeln oder im Ledersack verschnüren lassen will. „Da sind Liegezeiten bis zu sechs Stunden möglich“, so Lady Susan. Alles nach Absprache. Die meisten Kunden sind während der Sessions nackt, weil: „Ich muss ja überall rankommen“, so Lady Susan.

Welcher Fetisch wird bei einer Domina bedient?

Im Prinzip kann man mit allen Vorlieben zu einer Domina gehen, sollte im Vorfeld aber auf ihrer Website nachschauen beziehungsweise mit ihr besprechen, was in welcher Form möglich ist. Wenn Sie wollen, können Sie selbst beispielsweise eine Perücke tragen, halterlose Strümpfe überstreifen und High Heels anziehen.

Je nachdem, worauf Sie stehen, sollten Sie nicht sofort mit der Maximalerwartung starten. Das gesamte Repertoire wird erst nach und nach aufgefahren. „Ich biete keine Geräte-Rallye an. Wir müssen uns aneinander gewöhnen. Ich kann bei einem Gast, der gern ausgepeitscht wird, nicht sofort die 3,5 Meter lange Peitsche herausholen, sondern fange deutlich kleiner ein“, sagt Lady Susan. „Man muss sich an alles rantasten und herausfinden, was wie vertragen wird, wo die Schmerzgrenze ist.“

Wenn Kunden eine lange Liegezeit gebucht haben, bedient Lady Susan manchmal auch andere Männer. „Dann wissen aber beide darüber Bescheid und sind einverstanden. Sie bekommen einander nicht zu Gesicht, wenn sie das nicht wollen. Einige finden es aber spannend, wenn der eine im Fesselsack in der Ecke liegt und der andere sich peitschen lässt. Ansonsten habe ich aber auch einen Keller, wo man in Ruhe vor sich hin schmoren kann und nichts von den Sessions obendrüber mitbekommt.“

Codewort mit der Domina vereinbaren?

Bei vielen Dominas kann man Codewörter vereinbaren, die zu einem sofortigen Abbruch der jeweiligen Handlung führen, falls es einem doch zu viel wird. Allerdings: „Bei mir gibt es kein Codewort. Ich allein entscheide, wann Schluss ist“, sagt Lady Susan. Das hat einen einfachen Hintergrund: „Wenn es ein Codewort gibt, überlegt der Gast die Hälfte der Zeit, ob es ihm jetzt reicht und er das Wort jetzt sagen sollte. So kann man sich doch gar nicht richtig fallen lassen – und dabei geht es ja genau darum, den Kontrollverlust. Deshalb entscheide ich, ob er genug hat. Ich weiß, wo die Grenze ist. Dafür bin ich erfahren genug. Und bislang klappt das ganz hervorragend.“

Wenn Lady Susan merkt, dass der Gast an seine Grenzen kommt, macht sie kurze Pausen, nimmt das Tempo raus, bietet etwas zu trinken an. Ein gänzlicher Abbruch ist auf Wunsch des Kunden auch möglich, aber das Geld gibt es dann nicht zurück: „Für manche Männer ist der Besuch bei einer Domina eben anders als in der Fantasie. Und ein Hochglanz-S/M-Porno ist nicht vergleichbar mit der Realität im Studio“, weiß Lady Susan.

Was kostet ein Besuch bei einer Domina?

Je nachdem, was gewünscht ist und wie lange die Session dauern soll, variieren die Preise natürlich. Fixieren, Auspeitschen, Strom- und Rollenspiele, Wachs oder Klammern kosten jeweils 210 Euro für 60 Minuten. „Klinikspiele hingegen sind teurer, weil ich da viel steriles Einwegmaterial verwende. Alle Kosten kommuniziere ich aber klar im Vorfeld, sodass es keine bösen Überraschungen gibt“, sagt Lady Susan.