Neuer Inhalt

Von wegen „perfekt“: US-Star zeigt, wie Mütter sich nach der Geburt eben auch fühlen

Amy Schumer

US-Komikerin Amy Schumer hat ihr erstes Kind bekommen und einen ganz ehrlichen Nach-Geburts-Schnappschuss mit der Welt geteilt.

Foto:

picture alliance / dpa

Wenn das Baby endlich auf der Welt ist, werden die ersten Fotos oft direkt aus dem Kreißsaal an Freunde und Familie geschickt: Strahlende Mütter und Väter, die glücklich versunken das neue Baby anstrahlen, das schnucklig verknautscht auf dem Arm liegt. Ein unbeschreiblicher Moment.

Amy Schumer angestrengt auf dem Krankenhaus-Klo – viele neue Mütter kennen das

Aber natürlich passieren rund um die Geburt noch viele andere Dinge. Und die ersten Tage danach sind für neue Mütter mit ganz vielen verschiedenen Erfahrungen verbunden. Dazu passend postete jetzt die berühmte US-Komikerin Amy Schumer ein Foto auf Instagram, das sie kurz nach der Entbindung ihres ersten Kind zeigt. Sie sitzt im Krankenhaus auf der Toilette, im weiten Nachthemd und mit Tropf, erschöpft, zerzaust und mit angestrengtem Gesicht. Im Vordergrund sieht man ihren neugeborenen Sohn Gene auf dem Arm seiner Tante.

Dazu schreibt Schumer ganz salopp: „Milf alert 1 o’clock“ (dt.: „MILF auf 1 Uhr“). Mit dem Satz spielt sie ironisch darauf an, dass Frauen eben kurz nach der Geburt in der Regel nicht aussehen wie das blühende Leben – und schon gar nicht sexy oder eine „MILF“ („Mom I'd like to fuck“ – Mutter, mit der ich gerne schlafen würde) sein müssen. Ihre persönliche Sexismus-Kritik aus dem Baby-Alltag.

Ungeschönte Realität statt perfekter Mamas

Schumer zeigt dagegen ganz realistisch, wie es eben vielen Frauen nach der Geburt auch geht: Sie sind erschöpft, haben mit körperlichen Beschwerden oder Geburtsverletzungen zu kämpfen, sind überfordert und überwältigt. Auch wenn jede Geburtserfahrung anders ist, gehören diese Dinge oft ganz normal dazu. Schließlich hat man gerade ein Kind zur Welt gebracht.

Zu sehen bekommt man diese Seite des Kinderkriegens meist nicht, in den sozialen Netzwerken dominieren doch eher die „perfekten“ Nachgeburtsfotos. Schumers Post ist deshalb auch ein Seitenhieb auf jene Promi-Mütter, die sich kurz nach der Geburt wie aus dem Ei gepellt und makellos geschminkt neben ihrem hübsch angezogenen Baby zeigen. Oder damit prahlen, wie sie kurz darauf schon wieder das ganze „Babyfett“ runter haben. Als wäre nichts passiert.

Royale Show: Wir sind nicht alle Meghan Markle

Und natürlich denkt man hier sofort an die im Augenblick berühmteste neue Promi-Mutter Meghan Markle, die gerade erst den heiß erwarteten royalen Nachwuchs Archie den Fotografen schön zurecht gemacht in einem weißen Mantel und High Heels präsentierte. Oder an ihre Schwägerin Kate, die jeweils wenige Stunden nach der Geburt ihrer Kinder schick und schön auftrat. Selbstverständlich ist das nicht repräsentativ, diese Mütter unterstehen einem Protokoll und mussten mit ihrem Auftritt eine Pflicht erfüllen. Vermutlich sitzen auch sie Minuten später wieder abgekämpft auf dem Sofa und scheitern an den ersten Stillversuchen.

Mütter können sich mit Schumer identifizieren

Und doch bleiben diese perfekten Bilder, die um die Welt gehen, hängen und beeinflussen die Art und Weise, wie Geburten und neue Mütter wahrgenommen werden. Gerade bei denjenigen, die bisher keine Berührungspunkte mit dem Thema hatten.

Schumers Beitrag ist aber auch vor allem für viele Mütter wohltuend, die bereits eine echte Geburtserfahrung erlebt haben. So waren die Kommentare auf ihren Post, der übrigens über eine Millionen Mal geliked wurde, voll von Amüsement, Erleichterung und Zustimmung. „Ja, genau so ist es. Das ist Muttersein“, schreibt eine Userin. „Oh, ich kann mich erinnern. Ich hab noch nie etwas gesehen, mit dem ich mich so identifizieren konnte“, antwortet eine andere. „Wenn mir das nur mal jemand gezeigt hätte, bevor ich Kinder bekommen habe“, schlussfolgert eine weitere.

Mehr darüber sprechen, was rund um die Geburt alles passiert

Dass gerade Schumer solch ein ungeschöntes Post-Partum-Foto gepostet hat, überrascht dagegen kaum. Schon in den Monaten vor der Geburt hat sie offen über ihre Beschwerden berichtet – sie litt unter Hyperemesis gravidarum, chronischer Schwangerschaftsübelkeit –, hat ihren prallen Körper gezeigt, wie er ist und sogar noch auf dem Weg zur Entbindung ein ironisches Foto öffentlich gemacht.

Das heißt noch lange nicht, dass Mütter jetzt alle den ungeschönten Foto-Report aus dem Kreißsaal liefern müssen. Im Gegenteil. Jeder sollte nur das zeigen, was er möchte. Darüber sprechen, was nach der Geburt wirklich passiert, sollte man dennoch viel mehr. Nicht um zu dramatisieren oder baldige Mütter zu schockieren, sondern um einfach zu erzählen, wie viele Facetten so eine Geburtserfahrung haben kann.

Das nimmt Frauen den Druck, danach unbedingt schön und überglücklich sein oder sich perfekt fühlen zu müssen. Und vermittelt die Botschaft: Alles, was du rund um die Geburt empfindest, ist in Ordnung. Und du kannst dabei aussehen, wie du willst.