Mega-Grippewelle: Wer sich jetzt unbedingt impfen lassen sollte

Dieses Jahr hat sie früher begonnen als erwartet: die Influenzawelle. Trotzdem ist es nicht zu spät für eine Impfung. Wir beantworten alle Fragen dazu.

Alle Jahre wieder – die Grippewelle hat früher als erwartet begonnen.
Alle Jahre wieder – die Grippewelle hat früher als erwartet begonnen.dpa/Maurizio Gambarini

Grundsätzlich kann sich jede und jeder gegen Grippe impfen lassen, sofern man das möchte. Denn: „Eine Influenza-Erkrankung bei gesunden Kindern oder bei Erwachsenen unter 60 Jahren verläuft in der Regel ohne schwerwiegende Komplikationen“, schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI). Aber niemand muss sich impfen lassen. Es gibt keine Impfflicht in Bezug auf die Influenza.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt vor allem Personen ab 60 Jahren sowie Bewohnerinnen und Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen, sich gegen die saisonale Grippe impfen zu lassen. Ebenso rät die Stiko allen Schwangeren ab dem zweiten Trimester dazu, sich gegen die Influenza zu immunisieren.

Darüber hinaus sollten sich laut RKI auch „Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens“ impfen lassen. Dazu gehören beispielsweise Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Problemen mit den Atmungsorganen, mit Diabetes oder HIV.

Sollten Sie mit einer Person aus den zuvor genannten Risikogruppen in einem Haushalt leben, sollten Sie sich ebenso impfen lassen. Gleiches gilt, wenn Sie in einem Pflegeberuf arbeiten oder generell in einem Job mit hohem Publikumsverkehr tätig sind.

Wann sollte man sich impfen lassen?

Jetzt, im Spätherbst beziehungsweise frühen Winter, ist der optimale Zeitpunkt, sich gegen die Grippe impfen zu lassen. Das RKI erklärt dazu: „Die jährliche Influenzawelle hat in Deutschland in den vergangenen Jahren meist nach der Jahreswende ihren Höhepunkt erreicht. Dabei stiegen die Fallzahlen ab Ende September an.“

Nach der Impfung dauere es zehn bis 14 Tage, bis der Impfschutz vollständig aufgebaut sei, so das Institut. „Um rechtzeitig geschützt zu sein, wird deshalb empfohlen, sich ab Oktober bis Mitte Dezember impfen zu lassen.“

Und weiter: „Sollte die Impfung in diesen Monaten versäumt werden, kann es auch zu Beginn oder im Verlauf der Grippewelle noch sinnvoll sein, die Impfung nachzuholen. Schließlich ist nie genau vorherzusagen, wie lange eine Influenzawelle andauern wird.“

Braucht man mehrere Grippe-Impfungen?

Nein. Pro Saison ist nur eine Grippe-Impfung pro Person empfohlen, die Auffrischung einer aktuellen Impfung ist nicht notwendig. Das liegt laut RKI daran, dass Influenza-Wirkstoffe „generell nicht als Booster entwickelt“ werden.

Gibt es Gründe, weshalb man sich nicht impfen darf?

Wenn Sie an einem akuten Infekt erkrankt sind oder Fieber (ab 38,5 Grad) haben, sollten Sie sich nicht impfen lassen. Aber vermutlich ist Ihnen dann ohnehin nicht danach beziehungsweise wird man Sie seitens der Praxis wieder nach Hause schicken.

Sollten Sie allergisch auf Hühnereiweiß oder sonstige Bestandteile des Vakzins sein, dürfen Sie ebenfalls im Zweifel nicht geimpft werden. Sprechen Sie das unbedingt bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt an.

Wo kann ich mich in Berlin gegen Grippe impfen lassen?

Grundsätzlich können Sie sich in jeder Hausarztpraxis gegen Grippe impfen lassen; ob Sie hierfür einen Termin benötigen, entscheidet jede Praxis selbst. Auch viele Facharztpraxen bieten eine Grippe-Impfung an: Fragen Sie nach, wenn Sie ohnehin vor Ort sind oder der Weg dorthin vielleicht kürzer ist als zum Hausarzt beziehungsweise zur Hausärztin.

Übrigens: Seit dem 1. Oktober dürfen auch Apotheken gegen Influenza impfen. „Dies gilt unter der Voraussetzung, dass der Apotheker oder die Apothekerin eine entsprechende Fortbildung gemacht hat“, sagt Dr. Ursula Sellerberg, stellvertretende Sprecherin bei der Bundesapothekerkammer.

Ob es eine Apotheke in Ihrer Nähe gibt, können Sie auf www.mein-apothekenmanager.de herausfinden, indem Sie das Schlagwort „Grippeimpfung“ (Pull-down-Menü: Serviceleistung) anklicken sowie Ihre Postleitzahl eingeben. Die meisten Apotheken bieten für die Grippeschutzimpfung Termine an, weil die Impfung selbst nicht im Verkaufsraum, sondern in einem gesonderten Zimmer stattfindet. Insofern ist es sinnvoll, vorab anzurufen und um einen Termin zu bitten.

Was steckt in dem Impfstoff?

Die in Deutschland verwendeten Influenza-Vakzine sind sogenannte Totimpfstoffe. Deshalb kommt es zu keiner durch die Impfung verursachten Erkrankung. Ebenso wenig kann man andere Menschen anstecken – die Viren sind ja tot und können deshalb nicht übertragen werden.

Aber: Man kann sich auch trotz Impfung mit der Grippe anstecken, die dann jedoch deutlich milder verläuft. Ebenso ist es möglich, dass man sich in dem Zeitfenster zwischen Impfzeitpunkt und tatsächlicher Wirkung infiziert, also in jenen zehn bis 14 Tagen, in denen der Impfstoff im Körper wirkt.

Der für Kinder und Jugendliche verwendete und zugelassene Impfstoff hingegen ist ein Lebendimpfstoff. Dieser enthält abgeschwächte Viren. In den sieben bis 14 Tagen nach der Impfung besteht das Risiko, jemand anderen anzustecken, wobei das RKI nur von einer „Gefahr der Virus-Übertragung auf stark immungeschwächte Personen“ spricht und weiter erklärt: „Deshalb sollten Geimpfte engen Kontakt zu Personen meiden, die sich z.B. nach einer Knochenmarktransplantation noch in Isolation befinden.“