Die Wechseljahre sind eine Phase, in der sich (nicht nur) bei Frauen der Körper umstellt. Dieser Prozess wird maßgeblich durch Hormone gesteuert und hat zur Folge, dass vieles nicht mehr so ist wie gewohnt: Man kriegt Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, leidet verstärkt unter Schlafproblemen und auch die Haut verändert sich stark.

„Etwa um das 50. Lebensjahr herum nimmt der Östrogenspiegel ab, das weibliche Sexualhormon wird also weniger“, weiß Dr. Christian Greis vom Hautarzt-Portal derma2go. „Diese Veränderung der hormonellen Grundlagen hat auch Einfluss auf die Haut. Östrogen unterstützt die Zellen, Flüssigkeit zu speichern. Je weniger Östrogen der Körper zur Verfügung hat, umso trockener wird die Haut.“

Hinzu kommt: Die hauteigene Kollagenproduktion verlangsamt sich nach der Menopause, wie die Wechseljahre auch genannt werden. „Durch den Mangel an Kollagen verliert die Haut an Festigkeit, es entstehen Falten oder auch Cellulite.“

Tipp: So testen Sie, ob Ihrer Haut Feuchtigkeit fehlt

Wenn Sie wissen möchten, wie es tatsächlich um die Spannkraft Ihrer Haut bestellt ist, können Sie einen kleinen Test machen: Legen Sie Ihre linke Hand flach ab, die Finger sind locker abgespreizt. Dann nehmen Sie mit der rechten Hand eine Hautfalte vom linken Handrücken zwischen Daumen und Zeigefinger, ziehen diese sanft ein Stück nach oben. Sobald Sie loslassen, zieht die Haut sich in Ihren Ursprungszustand zurück. Bei jungen Menschen verschwindet die Falte sofort, bei älteren bleibt sie häufig stehen.

„Das deutet auf einen Flüssigkeitsmangel hin, denn wenn die Haut gut aufgepolstert ist, haben Falten kaum eine Chance“, sagt Dr. Christian Greis und weist darauf hin, dass dieser Test kein dermatologischer ist: „Wissenschaftlich ist das nicht belegt. Als Anhaltspunkt kann der Test aber einen Hinweis geben, mehr zu trinken und mit entsprechenden Pflegeprodukten gegenzusteuern.“

Was bewirkt die Hormonumstellung während der Wechseljahre?

Der fortschreitende Mangel an Östrogen und Kollagen führt dazu, dass die Haut schlaffer wirkt. Auch die Schleimhäute sind betroffen, werden trockener – was die Frauen insbesondere im Intimbereich spüren: Die Scheidentrockenheit setzt Betroffenen oftmals stark zu.

Der zunehmend fallende Östrogenspiegel geht auch einher mit einem konstant bleibenden Testosteronspiegel, also dem männlichen Sexualhormon. Heißt: „Die etablierte Balance der Hormone gerät durcheinander“, so Greis. „Das kann auch zur Folge haben, dass Frauen einen sogenannten Damenbart bekommen, einen leichten Flaum im Gesicht.“

Darüber hinaus wird mit zunehmendem Alter weniger der Hautfarbstoff Melanin hergestellt, der uns braun werden lässt und vor Sonnenbrand schützt. Durch die Abnahme der Melaninproduktion werden wir lichtempfindlicher, brauchen demnach einen höheren Lichtschutzfaktor und sollten uns vermehrt im Schatten aufhalten.

Was kann ich tun, damit es der Haut in den Wechseljahren besser geht?

Natürlich lässt sich die Hormonumstellung nicht gänzlich aufhalten. Man kann sein Befinden aber beeinflussen, den Verlauf modellieren. So wie unser ganzer Organismus braucht auch die Haut ausreichend Nährstoffe, die wir mit der Nahrung aufnehmen sollten. Daher rät der Mediziner Dr. Christian Greis: „Ernähren Sie sich ausgewogen, und achten Sie auf möglichst viel Gemüse und Proteine. Letztere enthalten Aminosäuren, die ein essentieller Baustein der Zellen sind.“

Außerdem ist es wichtig, sich regelmäßig – am besten täglich – zu bewegen. „Durch Sport oder auch nur strammes Spazierengehen wird die Haut besser durchblutet, weshalb die Nährstoffe besser in die Zellen gelangen und Giftstoffe besser abtransportiert werden können“, so der Hautarzt. „Der gesamte Regenerationsprozess der Haut wird durch Bewegung positiv beeinflusst.“

Nicht zu vergessen: Trinken Sie ausreichend, etwa 1,5 bis zwei Liter, vermeiden Sie Stress, und achten Sie auf eine gute Hautpflege. „Besonders wichtig ist der UV-Schutz, auch in jüngeren Jahren, weil vor allem die UV-A-Strahlung die Haut altern lässt. Sie dringt auch durch Fensterglas“, erklärt Dr. Christian Greis. „Und da die Haut mir zunehmendem Alter lichtempfindlicher wird, muss man sie umso mehr schützen. Entweder kauft man eine Tagespflege mit UV-Schutz oder trägt zusätzlich Sonnencreme auf, auch an bewölkten Tagen. Ich empfehle Lichtschutzfaktor 50.“

Welche Pflegeprodukte braucht die Haut in den Wechseljahren?

„Achten Sie sowohl bei Pflegeprodukten als auch bei der Ernährung auf anti-oxidative Wirkstoffe, mit denen freie Radikale neutralisiert werden“, rät der Arzt. Freie Radikale sind Moleküle, die gesunde Zellen angreifen und diese schädigen können. Im schlimmsten Fall ist sogar die DNA betroffen, was zu ernsthaften Folgeerkrankungen führen kann. Als anti-oxidativ gelten Äpfel, Beeren, Nüsse, aber auch Kaffee, Knoblauch und Karotten.

Beim Kauf von Hautpflegeprodukten sollten Sie auf die Inhaltsstoffe achten. Alkohol trocknet die Haut eher aus, ebenso fettlösende Seifen, seien Sie da besser zögerlich und sparsam. Gut hingegen sind Glyzerin und Hyaluronsäure: „Diese Stoffe sind sehr effektiv darin, Feuchtigkeit in der Haut zu binden“, sagt Dr. Christian Greis. „Generell sollten die Produkte eher mild und pH-neutral sein, um die Haut nicht unnötig zu strapazieren.“

Um die Durchblutung zu fördern, die Zellerneuerung anzuregen und die Haut wieder rosiger aussehen zu lassen, können Sie ein bis zwei Mal pro Woche ein mildes Peeling machen. Massieren Sie in leichten kreisenden Bewegungen, aber schrubben Sie nicht heftig drauf los.

In puncto Hautreinigung sollten Sie schauen, was Ihrer Haut guttut. Generell gilt: Weniger ist – aufgrund der Wechseljahre – mehr. „Das sollte man vor allem für die Hände beherzigen, weil zu häufiges Händewaschen zu Ekzemen führen kann“, weiß Dr. Christian Greis. „Als Gegenmaßnahme sollte man die Hände viel eincremen, vor allem die Handrücken nicht vernachlässigen.“ Auch der restliche Körper sollte regelmäßig mit rückfettenden Lotionen oder Cremes gepflegt werden.

Helfen spezielle Anti-Aging-Produkte?

In den Drogerie-Regalen gibt es unzählige Produkte, die speziell für anspruchsvolle oder reifere Haut konzipiert sind, zudem eine fast unüberschaubare Palette an Anti-Aging-Produkten. Inwiefern diese wirken, kann man pauschal nicht beantworten. Der Experte rät: „Probieren Sie selbst aus, was Ihrer Haut guttut, oder besprechen Sie das mit Ihrem Hautarzt beziehungsweise der Hautärztin.“

Gutes Zeichen: Wenn das Produkt Ihrer Wahl Hyaluron, Kollagen oder Glyzerin sowie Anti-Oxidantien und einen UV-Schutz enthält, machen Sie wenig falsch. Testen Sie, ob Sie im Laufe des Tages ein Spannungsgefühl wahrnehmen. Falls dem so sein sollte, cremen Sie nach und entscheiden dann, ob das Produkt eventuell nicht reichhaltig genug für Ihre Haut ist.