Endlich wieder lange Abende und (mehr oder weniger) laue Nächte! Alle Cafés und Restaurants stellen Tische auf den Gehweg, das Leben vor den Häusern wird wieder lauter – die Biergartensaison beginnt. Zeit, ein paar alte Lieblinge wieder zu besuchen und neue Perlen zu entdecken. Okay, zugegeben, in Bayern gehört es dazu, dass man in den Biergarten seine Speisen mitbringen darf. Das ist bei uns so nicht üblich, was aber nicht unbedingt das Schlechteste sein muss: Wer hat schon Lust, einen vollen Picknickkorb durch die halbe Stadt zu schleppen, wenn man vor Ort bestellen und sich bedienen lassen kann? Eben.

Traditionell gehören Bäume zu einem Biergarten, genauer gesagt: Kastanien. Diese wurzeln nicht tief und konnten daher auch die unterirdisch angelegten Bierkeller nicht beschädigen – damals, als es im 19. Jahrhundert in Bayern mit den Biergärten losging und es keine Kühlschränke gab. Der Schatten kühlte die Erde, unter der sich der Keller befand und bot auch den Gästen auf Bänken und Stühlen einen willkommenen Sonnenschutz. Das Prinzip „Bier und Baum“ hat weitgehend überlebt, wenngleich in vielfach modifizierter Form. Wo es sich in Berlin aktuell gut zuprosten lässt, lesen Sie hier.

Prenzlauer Berg: Prater

Der Klassiker unter den Berliner Biergärten, den man wirklich kennen muss, wenn man in der Hauptstadt lebt. Weitläufig und lustig-trubelig geht’s hier zu. Die Geschichte des Biergartens reicht mehr als 150 Jahre zurück: „Manche Anfänge bleiben im Ungefähren. Ein gewisser Porath soll 1837 an der Kastanienallee 7 mit dem Bierausschank begonnen haben. Gesichert ist die Überlieferung, dass die Familie Kalbo 1852 das Etablissement erwarb und ausbaute. Der Aufstieg vom Bier- und Kaffeegarten zur Freizeit- und Vergnügungsgaststätte begann“, schreiben die Prater-Inhaber auf ihrer Website.

Passiert ist viel seither: politische Kundgebungen, Varieté, Operetten, Film-Aufführungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg, den der Prater unbeschadet überstanden hatte, zog die Volksbühne vorübergehend hier ein, weil am Rosa-Luxemburg-Platz erst alles wieder aufgebaut werden musste. Kurzum: Der Prater atmet ebenso gesamtdeutsche wie auch Berliner Geschichte.

Geöffnet: täglich bei schönem Wetter, montags bis donnerstags ab 16 Uhr, freitags bis sonntags ab 14 Uhr. Um Mitternacht ist Schluss. Ein kleines Bier vom Fass (0,4 Liter) kostet vier Euro. Das Prater-Restaurant hat von montags bis samstags ab 18 Uhr geöffnet, sonntags ist es geschlossen.

Tiergarten: Schleusenkrug

Was sitzt es sich hier idyllisch! Auch wenn die Öffi-Anbindung nicht die beste ist, lohnt sich der Weg zur Unterschleuse am Landwehrkanal. Die Aussicht, die Atmosphäre, ein Traum. Liebevoll angerichtete Salate mit Avocado, Schafskäse und Wassermelone (14,50 Euro) oder Currywurst vom artgerecht gehaltenen Schwein mit Cole Slaw und Kartoffelecken (10,90 Euro) verbinden aufs genüsslichste Berliner Bodenständigkeit mit internationalem Flair.

Der Schleusenkrug ist, umgerechnet in Menschenjahre, mit seinen 68 Jahren längst in Rente: „1954 eröffnete die Familie Fistler an der Tiergartenschleuse den Schleusenkrug. An dieser Stelle hatte sie schon vor dem Krieg einen Kiosk mit Getränkeausschank betrieben und die Spaziergänger und Schiffspassagiere mit Eis und Erfrischungen versorgt“, heißt es auf der Website. Aber je oller, je doller: 4,6 von 5 möglichen Google-Rezensionssternen bei mehr als 4100 Bewertungen sprechen eine deutliche Sprache.

Geöffnet: Montags bis sonntags von 12 bis 22 Uhr, die Küche schließt um 21 Uhr. Ein kleines Bier vom Fass (0,3 Liter) kostet 3,70 Euro.

Köpenick: Rübezahl

Direkt am Müggelsee zu sitzen, ist immer schön und hört auch nie auf, schön zu sein. Und hier, im Rübezahl-Biergarten, kann man das ganzjährig, im Winter gibt’s sogar Glühwein (4,80 Euro) und Kinderpunsch (2,80 Euro). 600 Plätze warten auf Sie. Tolles Goodie für Eltern: Es gibt einen umzäunten Piraten-Spielplatz auf dem Biergartengelände. Dieser ist montags bis freitags ab 11 Uhr und am Wochenende ab 10 Uhr geöffnet – sofern das Wetter mitspielt.

Selbst bei Regen kann man im dazugehörigen Bistro Leckereien genießen; es gibt sogar einen Veggie-Burger (9,80 Euro). Und wer mag, übernachtet in einem der nahen Ferienhäuser. Urlaub in der eigenen Stadt – wenn das nichts ist!?

Geöffnet: dienstags bis freitags ab 10 Uhr, montags geschlossen. Ein kleines Bier vom Fass (0,3 Liter) kostet 4,60 Euro.

Wannsee: Loretta

Und noch ein See, noch ’n Berliner Or’ginal: der Wannsee, für den wir gern unsere Badehose einpacken, mit der kleinen Schwester aber eigentlich viel lieber im Loretta-Biergarten sitzen. Gäste loben nicht nur das schmackhafte und optisch nett hergerichtete Essen, sondern auch das freundliche Personal. Im Loretta wird buchstäblich an alle(s) gedacht: Es gibt auch einen eingezäunten Kinderspielplatz sowie einen behindertengerechten Zugang und eine Hundebar, damit vierbeinige Begleiter nicht durstig bleiben müssen.

Geöffnet: dienstags bis sonntags ab 12 Uhr (ab April und nur bei gutem Wetter). Ein kleines Bier vom Fass (0,4 Liter) kostet 4,30 Euro.

Kreuzberg: BRLO

In unmittelbarer Nähe zum Gleisdreieck beziehungsweise der gleichnamigen U-Bahnstation kann man aus rund 60 verschiedenen Biersorten wählen, davon mehr als ein halbes Dutzend aus der hauseigenen Craftbeer-Brauerei, etwa Happy Pils, Pale Ale oder alkoholfreies Bier, allesamt mit Öko-Malz und nachhaltig gebraut. Für die Brauerei kann man auch Führungen buchen. Auf der Speisekarte stehen vorrangig regionale und saisonale Speisen, die auf verschiedenen Ebenen Freude bereiten. Allerdings: Im BRLO-Biergarten ist Selbstbedienung. Wer Durst und Hunger hat, muss sich bewegen.

Und damit sich niemand blamieren muss, hier ein kleiner Extraservice: BRLO sprechen die Macher selbst wie „Berlo“ aus, quasi eine Anlehnung an Berlin, weil Brlo angeblich der altslawische Ursprung des Ortsnamens ist.

Geöffnet: täglich bis Mitternacht, montags bis donnerstags ab 16 Uhr, freitags ab 14 Uhr, am Wochenende ab 12 Uhr.

Mitte: Clärchens Ballhaus

Mit kaum einem Ort in der Hauptstadt kann man so schöne, warme, glückliche und herzliche Erinnerungen verbinden wie mit dem Clärchens. Wo jedes Alter tanzt, wo Glitzer seit über 100 Jahren zum Leben dazugehört und wo das alte Berlin noch immer greifbar ist. Wer nicht das Tanzbein schwingen möchte, kann auch ganz entspannt im Biergarten unter Lichterketten sitzen und die historische Kulisse genießen. Da es nur ungefähr 100 Plätze sind – in Mitte ist der Platz eben knapp –, sollte man im Vorfeld online reservieren.

Geöffnet: dienstags bis freitags ab 17 Uhr, am Wochenende ab 14 Uhr (ab Juni ab 12 Uhr). Ein kleines Bier vom Fass (0,3 Liter) kostet 3,90 Euro.

Treptow: Zenner

Direkt im Treptower Park, mit der Spree zu Füßen, bietet der Zenner nicht nur einen Bier-, sondern auch einen Weingarten. Eis und richtige Mahlzeiten gibt’s auch, manchmal sogar mit Livemusik. Die Aussicht ist super idyllisch, aber das wilde Stadtleben nicht weit entfernt – eine einzigartige Mischung, die vor allem bei Sonnenschein viele Gäste lockt. Aber irgendwie findet man trotzdem immer ein freies Plätzchen auf dem riesigen Gelände. Und: In der Regel muss man auf seine Bestellung nicht lange warten, was an sich mitunter schon eine Leistung ist.

Geöffnet: montags bis freitags 12 bis 17 Uhr, am Wochenende 11 bis 20 Uhr. Ein „kleines“ Bier vom Fass (0,5 Liter) kostet 4,50 Euro.

Neukölln: Zosse

Klein, fein und typisch Berlin: Der (ja, der!) Zosse in Rixdorf ist eine echte Hinterhofperle. Zugegeben, der Hof vom Zosse – alt für „Pferd“ – ist kein klassischer Biergarten, aber das Flair ist so biergärtnerisch, dass die Bar einfach in diese Liste gehört. Früher war hier eine Hufschmiede. Von der Richardstraße führt ein kleiner Pflasterweg zur Bar, in der während der kalten Jahreszeit ein Kamin angefeuert wird. Gemütlich! Bis zu 100 Menschen finden im Biergarten Platz und können Neukölln von seiner historisch-relaxten Seite genießen.

Wichtig zu wissen: Hier geht nur Barzahlung. Und abgesehen von ein paar Cashewnüssen als Snack gibt es ausschließlich Getränke – also besser nicht mit Hunger kommen.

Geöffnet: dienstags bis sonntags ab 17 Uhr. Montags geschlossen. Ein kleines Bier vom Fass (0,3 Liter) kostet 3,20 Euro.