Bidet, feuchtes Klopapier, Intimwaschlotion: Welche Pflege braucht der Po?

Muss man den Po auf eine besondere Art reinigen und pflegen? Eine Ärztin sagt, was wirklich sauber macht und was Sie lassen sollten.

Gefärbtes Toilettenpapier kann empfindliche Haut reizen.
Gefärbtes Toilettenpapier kann empfindliche Haut reizen.Andrea Warnecke/dpa-tmn

Eigentlich ist die Po-Pflege hierzulande eine einfache Sache: Man geht auf die Toilette, verrichtet sein Geschäft, benutzt je nach Bedarf Klopapier und ist – Händewaschen nicht vergessen! – fertig. Der Po bereitet nicht allzu häufig Probleme. Und wenn doch, ist das meistens nicht nur ziemlich unangenehm, sondern auch noch peinlich.

Sollten wir unserem Hinterteil mehr Aufmerksamkeit, mehr Pflege zuteil werden lassen? Was braucht es, um untenrum frisch und sauber zu bleiben? Immerhin verspricht die Werbung ziemlich viel: So gibt es beispielsweise spezielle Po-Waschlotionen, die verkünden, pH-neutral, besonders mild und sanft zur Haut zu sein, zugleich aber sehr effektiv im Bekämpfen von Keimen.

„Tatsächlich ist unser Po eine sehr empfindliche Körperregion, die durch falsche Pflege oder auch zu heftiges Abputzen leiden kann“, weiß die Ärztin Katharina Wiechmann vom Proktologischen Zentrum in Charlottenburg. „Die meisten Menschen denken, die Afterregion sei robust. Das Gegenteil ist der Fall.“

Ist es hygienischer, feuchtes Toilettenpapier zu benutzen?

Der Gedanke ist naheliegend, und vor allem Eltern von kleinen Kindern wissen es: Mit einem Feuchttuch (oder Lappen) kriegt man einen Po viel sauberer, als wenn man trocken wischt. „Bei Erwachsenen ist das nicht unbedingt nötig, denn mit herkömmlichem Toilettenpapier bekommt man seinen Po nach dem Toilettengang meist relativ gut sauber. Schonender und effektiver ist jedoch die Reinigung mit wenig Papier und Wasser“, sagt Proktologin Katharina Wiechmann.

Der Unterschied ist klar: Bei Babys verteilt sich die Ausscheidung in der Windel, man muss viel säubern. Sobald man aber auf der Toilette sitzt, und das gilt auch für Kinder, fallen die Ausscheidungen ja ins Klo, und in der Regel bleibt nur sehr wenig kleben. „Und das kann man eben meist gut mit dem üblichen Toilettenpapier abwischen“, so die Medizinerin. „Man sollte hierbei nicht zu stark rubbeln, weil das die Haut reizen und zu Beschwerden führen kann.“

Als Proktologin hält Wiechmann nichts von feuchtem Toilettenpapier: „Es ist schlicht unnötig und auf Dauer eher schädlich. Oftmals enthalten diese Tücher Alkohol, der die Haut austrocknen kann, und Duftstoffe, die reizen können oder gar Allergien auslösen. Darüber hinaus verstopfen die Feuchttücher die Pumpen in den Klärwerken.“

Die Berliner Wasserbetriebe haben schon seit Jahren „immense Probleme durch die Verstopfungen, die entstehen, wenn feuchtes Toilettenpapier und andere Dinge, die nicht ins Klo gehören, dort entsorgt werden“, heißt es beim Unternehmen. Anders als einfaches Toilettenpapier lösen die Feuchttücher sich nämlich im Wasser nicht auf. Die Folge: „Es bilden sich dicke, lange Zöpfe, weshalb die Pumpen sich nicht mehr drehen können. Unsere Kollegen müssen dann ins Pumpwerk fahren und das von Hand entfernen.“

Die Störungsbeseitigung kostet die Wasserbetriebe jedes Jahr rund eine Million Euro. Schon 2016 wies das Unternehmen darauf hin, dass in die Toilette nur trockenes Klopapier, Wasser und eben unsere Ausscheidungen gehören. Mehr nicht.

Viele Gründe also, die für das klassische Toilettenpapier sprechen. Wer das Gefühl hat, sich damit nicht ausreichend reinigen zu können, kann – so wie früher – einen Lappen benutzen oder das Klopapier mehrfach zusammenlegen, etwas Wasser drauf geben und behutsam an den entsprechenden Stellen tupfen. „Stuhlgang ist wasserlöslich und Reste lassen sich so gut entfernen“, weiß die Proktologin.

Für sensible Pos gilt: Kaufen Sie unparfümiertes und unbedrucktes Toilettenpapier, mehrlagig und weich. „Parfum und Druckerfarbe können empfindliche Haut reizen“, warnt Ärztin Katharina Wiechmann. Für weniger sensitive Hinterteile kann es auch das recycelte Klopapier sein. Letztlich hat da jeder Mensch eigene Präferenzen.

Reinigt ein Bidet den Po besonders gut?

„Etwa 75 Prozent der Weltbevölkerung reinigt sich ohne Toilettenpapier“, gibt Wiechmann zu bedenken. „In vielen Ländern ist es üblich, ein Bidet im Bad zu haben oder eine Toilette, die mit einer Bidetfunktion ausgestattet ist, beispielsweise in Japan. Man spült nach dem Toilettengang mit klarem Wasser nach und kann sich dann mit einem Handtuch abtrocknen.“

Das sei sehr schonend und effektiv, so die Ärztin. „Allerdings würde ich auch niemandem eine Nachrüstung empfehlen, weil ein Bidet ja auch viel Platz wegnimmt, die Anschaffung und Installation recht teuer ist und es günstigere, gleichwertige Alternativen gibt.“

Tipp: Po-Dusche zum effektiven Reinigen

Falls Sie gern in den Genuss einer Wasserreinigung kommen wollen, ohne jedes Mal unter die Dusche zu steigen oder große Investitionen auf sich zu nehmen: Probieren Sie doch mal eine Po-Dusche. Das ist ein längliches Plastikgefäß mit Aufsatz, aus dem man mittels händischem Druck das Wasser in einem weichen Strahl pressen kann.

Die Handhabung ist denkbar einfach: aufschrauben, Wasser einfüllen, zuschrauben, drücken. Die Form der Po-Dusche ist so, dass man gut an jene Stellen kommt, die gespült werden sollen. Im Übrigen empfehlen Hebammen eine Po-Dusche auch Frauen im Wochenbett. Kaufen kann man sie im Internet, aber auch in Drogerien. Sie kosten meist um die 20 Euro.

Reinigen Intimpflegeprodukte den Po besser?

Es gibt eine breite Palette an Intim- und spezielle Po-Pflegeprodukten. Sie alle werben mit einer besonders guten und zugleich schonenden Reinigung. „Insgesamt sehe ich aber keine Notwendigkeit für derartige Waschlotionen“, sagt Proktologin Katharina Wiechmann. „Wer mag, kann sie natürlich verwenden, aber im Prinzip reicht auch das normale Duschgel oder die Seife, die man ohnehin benutzt.“

Unsere Haut hat generell eine Barrierefunktion: Sie schützt uns. Hierfür bildet sie unter anderem Fette. Jede Reinigung stört die Barrierefunktion, was normalerweise kein Problem ist, sofern man es mit der (vermeintlichen) Pflege nicht übertreibt und diese auf den eigenen Hauttyp angepasst ist.

„Wenn man aber Pflegeprodukte verwendet, die stark parfümiert sind, kann das zu Reizungen der empfindlichen Po-Haut kommen“, so die Medizinerin. „Überhaupt schadet eine übertriebene Hygiene mehr als dass sie nützt. In der Folge kann es beispielsweise zu Juckreiz kommen, das zu einem Ekzem werden kann. Ein Gang zur Arztpraxis ist dann manchmal unvermeidbar.“

Falls Sie merken, dass Ihre Afterregion entzündet ist oder juckt, sollten Sie Ihren Po nur noch mit klarem Wasser und einfachem Toilettenpapier reinigen. Tragen Sie möglichst Baumwollunterhosen oder -schlüpfer, weil natürliche Stoffe für einen guten Luftaustausch sorgen – das ist wichtig für die Wundheilung. Zudem sollten Sie es vermeiden, zu lange zu sitzen.

Kurzum: Sie müssen für die Po-Reinigung nicht viel Geld ausgeben. Es reicht vollkommen, einfaches Toilettenpapier zu kaufen und beim Duschen ausreichend Wasser über die Kehrseite laufen zu lassen. Intensives Ausreinigen ist nicht nötig und auch nicht ratsam.