Videosprechstunde beim Online-Arzt: Stiftung Warentest sagt, was zu beachten ist

Was kostet ein Termin beim Online-Arzt? Wie lange dauert eine Videosprechstunde? Kriege ich eine Krankschreibung? Welche Plattform ist Testsieger? Ein Ratgeber.

Eine Videosprechstunde ist oftmals stressfreier als ein Vor-Ort-Termin in einer Praxis.
Eine Videosprechstunde ist oftmals stressfreier als ein Vor-Ort-Termin in einer Praxis.imago/Alexander Limbach

Wir alle kennen es, und wir alle hassen es: volle Wartezimmer, ewiges Rumsitzen, ohne Termin oder mit, falls man überhaupt einen bekommt. Ganz besonders in der Erkältungssaison und in Pandemiezeiten möchte niemand (unnötig lange) in einem überfüllten Wartezimmer sitzen oder gar in die Notaufnahme müssen.

Online-Arztpraxen scheinen eine gute Alternative zu sein: Man kann Fotos hochladen, seine Beschwerden notieren und kann sich dann per Videosprechstunde von einer Ärztin oder einem Arzt beraten lassen. Rezepte und Krankschreibungen gibt es zwar nicht bei allen Plattformen, aber bei vielen. Und oftmals werden die Kosten – zumindest für die Behandlung – sogar durch die Krankenkasse übernommen.

Doch wie gut ist so ein digitaler Arztbesuch überhaupt? Ist das System zuverlässig? Die Stiftung Warentest hat das genau überprüft und vier verschiedene virtuelle Medizin-Plattformen getestet. Sechs Testpersonen kontaktierten die Portale, gaben sich aber natürlich nicht als Testerin oder Tester zu erkennen. Die Auswertung erfolgte durch zwei medizinische Fachangestellte.

Welcher Online-Arzt ist gut?

Von den vier getesteten Plattformen schnitten drei mit befriedigend ab (Note 2,6 bis 3,4). Bemängelt wurden unter anderem störanfällige Technik, sodass etwa die App während der Registrierung einfach ausstieg oder aber die Videosprechstunde nicht funktionierte, weshalb lediglich telefoniert werden konnte. Auch bei der Anamnese sehen die Testenden noch Nachbesserungsbedarf.

Als Testsieger ging Teleclinic hervor, Werturteil: gut (Note 2,3). „Umfassende Anamnesebögen unterstützen eine gute Diagnostik“, resümiert Stiftung Warentest. „Zudem gab es stets einen Arztbrief. Der kann für Patienten sinnvoll sein, wurde aber immer mit abgerechnet, ohne Möglichkeit, auf ihn zu verzichten.“

Teleclinic „punktete auch beim Service: mit einem breiten Behandlungsspektrum und sehr guten Infos zum allgemeinen Ablauf“, steht in dem Bericht. Zu bemängeln hatte die Stiftung Warentest jedoch, dass es keine „Multifaktor-Authentifizierung für den Zugang zu den Nutzerkonten“ gibt, was bedeute, dass Passwörter nicht mehrfach geschützt sind, beispielsweise „durch zusätzliche Eingabe eines Codes, der per SMS geschickt wird“. Das jedoch sei „angesichts der sensiblen Gesundheitsdaten (…) wünschenswert“, heißt es.

Wie sinnvoll ist eine Videosprechstunde?

Videosprechstunden können eine gute Ergänzung oder auch Alternative zum klassischen Gang in eine physische Praxis sein, etwa wenn man wenig Zeit hat, akute Beschwerden, in der Mobilität eingeschränkt ist oder schlicht keine Hausärztin oder Hausarzt hat. Entscheidender Vorteil: Die Videosprechstunden werden auch außerhalb der üblichen Sprechzeiten angeboten, was vor allem in den Abendstunden und am Wochenende ein Segen sein kann.

„An Grenzen stößt die Videosprechstunde, wenn weitere Untersuchungen nötig werden – etwa Bauch abtasten oder Blut abnehmen“, warnt die Stiftung Warentest und fügt hinzu: „Auch ist es in der Regel auf den telemedizinischen Plattformen nicht möglich, einen Folgetermin beim selben Arzt zu buchen.“ Für die Videosprechstunde gibt es bislang keine fachlich definierten Standards, anders als bei Dermatologie-Plattformen, die sich an entsprechende Regularien halten.

Sofern keine endgültige Diagnose gestellt werden kann, schicken die Online-Fachleute ihre Patientinnen und Patienten normalerweise zu einer Praxis vor Ort, manche haben entsprechende Kooperationen, bei anderen muss man sich selbst kümmern.

Wie schnell geht das mit der Videosprechstunde?

Bei allen vier getesteten Anbietern muss man sich zunächst ein Nutzerkonto einrichten und sich registrieren, andernfalls kann man keinen Termin buchen. Das geht – je nach Plattform – entweder per App oder im Browser. Bei Teleclinic können Sie zweistündige Zeitfenster wählen, bei anderen ist die Taktung zum Beispiel alle zehn Minuten. Je nach Anbieter werden Sie angerufen oder Sie melden sich beim Arzt beziehungsweise der Ärztin.

Übrigens: Sie können auch den Arzt oder die Ärztin Ihres Vertrauens fragen, ob er oder sie Videosprechstunden anbietet. 30 Prozent der gesetzlich versicherten Patientinnen und Patienten dürften digital behandelt werden, schreibt Stiftung Warentest. Jedoch muss die Praxis sich hierfür um einen „zertifizierten Videodienstanbieter“ kümmern, heißt es weiter.

Das Gespräch selbst dauert je nach Beschwerdebild und Gesprächsverlauf einige Minuten. Wichtig: Sie sollten sich vorher Ihre Fragen genau notieren und auch sagen, falls Sie Vorerkrankungen haben oder Medikamente nehmen, sofern Sie nicht danach gefragt werden.

Was kostet die Videosprechstunde?

Eine Videosprechstunde, also die ärztliche Behandlung beziehungsweise Diagnostik, wird in der Regel von den Kassen übernommen, Rezepte hingegen eher nicht, zumindest nicht bei den vier getesteten Plattformen. Sie bekommen zwar ein Rezept ausgestellt, müssen die Kosten aber meistens selbst tragen. Dennoch können Sie bei Ihrer Kasse nachfragen, ob die Kosten nicht doch erstattet werden. Einlösen können Sie das Rezept entweder in einer kooperierenden Apotheke oder in einer anderen vor Ort.

Kosten fallen laut Stiftung Warentest auch für eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) an, also die Krankschreibung. Diese werde für maximal drei bis sieben Tage ausgestellt. Und: „Sie (…) kostet nach der Ärzte-Gebührenordnung oft 5,36 Euro.“

Eine solche private AU ist zwar rechtsgültig, so die Testenden, aber sie sieht anders aus „als der klassische gelbe Zettel“, weshalb es zu Akzeptanzproblemen beim Arbeitgeber kommen könne. Daher der Rat: Klären Sie das ab, am besten schon im Vorfeld!

Woher weiß ich, welcher Anbieter gut ist?

Die Stiftung Warentest rät, sich bei den verschiedenen Plattformen umzusehen und einzulesen: Wie transparent werden die Kosten gemacht? Gibt es Nacht- oder Wochenendzuschläge? Wie sind die Öffnungs- und Wartezeiten? Mit welchen Krankheiten kann man sich melden? Welche Ärztinnen und Ärzte sind hier tätig? All diese Informationen „sollten unkompliziert zu finden und zugänglich sein, bevor Sie sich (…) registrieren“, steht in dem Testbericht.

Gucken Sie beispielsweise unter dem Menüpunkt FAQ, Frequently Asked Questions, also häufig gestellte Fragen, nach. Einige Anbieter haben auch Erklärvideos oder spezielle Unterseiten, auf denen alles erklärt wird. Vergleichen Sie unbedingt mehrere Plattformen miteinander, bevor Sie sich dazu entschließen, einen Termin zu buchen.

Und zu guter Letzt: Gute Besserung!