Überfressen an Weihnachten: Was kann ich tun, damit es mir besser geht?

Fühlen Sie sich zu voll, drückt der Bauch? Falls Sie zu viel gegessen haben, hat unsere Expertin ein paar wertvolle Tipps, damit es Ihnen bald besser geht.

Noch lachen sie ... Nach dem Festmahl aber, hier im Film „A Christmas Carol“, geht’s nicht jedem gut.
Noch lachen sie ... Nach dem Festmahl aber, hier im Film „A Christmas Carol“, geht’s nicht jedem gut.Imago Images

Nach dem Schlemmen ist vor dem Bauchweh: Viele Menschen spüren schnell, wenn sie zu viel oder zu üppig gegessen haben. Dann drückt und zwackt es, vielleicht muss man aufstoßen oder pupsen, oftmals ist der Bauch aufgebläht, und man fühlt sich irgendwas zwischen hundeelend und komplett erschöpft.

Und beim Überfressen ist es wie mit dem Alkohol: Eigentlich weiß man irgendwann, dass man aufhören sollte, aber es schmeckt halt so gut – nur ein bisschen noch. Und dann ist es zu spät. Was nun? „Erst einmal sollte man nicht in Panik verfallen oder sich allzu sehr sorgen“, rät Veronika Albers, Diplom-Oecotrophologin bei der Ernährungsberatungs-App Oviva.

Bei Oviva kann man sich kostenlos anmelden, die Kosten für die individuelle Essens- und Lebensstilberatung werden anteilig bis zu 100 Prozent von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. In der App kann man beispielsweise ein Ernährungstagebuch führen und sich von Fachkräften beraten lassen. Das Unternehmen hat neben Berlin-Mitte und Potsdam fünf weitere Standorte in Frankreich, Großbritannien sowie in der Schweiz.

Wie kommt es dazu, dass man sich überfrisst?

Besonders an Feiertagen neigen viele Menschen dazu, mehr zu essen, als sie sollten. Das liegt zum Beispiel daran, dass meistens Dinge gekocht werden, die es nicht jeden Tag gibt, die also etwas Besonderes sind, auf das man sich sehr freut. Zudem verbindet man mit einem Festtagsmahl in der Regel auch positive Emotionen, weil man mit den Lieben an einem Tisch sitzt, sich wohlfühlt – und das kann dazu führen, dass man sich noch eine Portion mehr auf den Teller löffelt.

Außerdem schlingen viele das Essen herunter, kauen nicht ausreichend, sodass verhältnismäßig große Bröckchen im Magen landen, der das nicht mag und kräftig ackern muss. Das spürt man dann deutlich. Darüber hinaus gibt es an Feiertagen normalerweise auch mehr Süßigkeiten als sonst, die darüber hinaus auch offen herumstehen, weshalb das Zugreifen umso einfacher ist. Und natürlich: Die Menschen bewegen sich viel zu wenig. Generell – bei Familienfesten aber ganz besonders. All das setzt dem Verdauungstrakt ordentlich zu.

Was tun, wenn man sich überfressen hat?

Die Oecotrophologin und zertifizierte Ernährungsberaterin Veronika Albers betont: „Machen Sie sich keinen Stress, denn das kann Ihre Symptome verstärken und dazu führen, dass Sie Maßnahmen ergreifen, die eher kontraproduktiv sind.“ Als erste SOS-Maßnahme empfiehlt die Expertin: Gehen Sie eine Runde spazieren! „Durch die Bewegung kommt auch Ihr Darm in Gang und Sie unterstützen die Verdauung“, sagt Veronika Albers. „Der Verdauungstrakt wird besser durchblutet, die Entleerung des Magens beschleunigt und die Darmbewegungen angeregt.“

Schon ein 20-minütiger Spaziergang an der frischen Luft kann helfen, dass Sie sich besser fühlen. Netter Nebeneffekt: Durch das natürliche Licht wird Ihr Biorhythmus stimuliert, was die körpereigene Tag-Nacht-Regulation unterstützt, sodass Sie besser schlafen können.

Nach dem Spaziergang sollte man „ein zuckerfreies Getränk zu sich nehmen“, rät die Oviva-Expertin. „Trinken Sie am besten ganz in Ruhe einen Tee und legen Sie sich dann hin, um sich auszuruhen.“ Falls Sie unter Reflux leiden, lagern Sie Ihren Oberkörper leicht erhöht, weil Sie so das Aufsteigen der Magensäure mithilfe der Schwerkraft unterdrücken können.

Das sollten Sie (nicht) trinken

Bei einem Völlegefühl sollten Sie dem Körper keine zusätzliche Energie zuführen. Deshalb sind Fruchtsäfte und -schorlen keine gute Idee. „Sie enthalten Nährstoffe und vor allem viel Fruchtzucker, den der Körper dann verstoffwechseln muss“, so Veronika Albers. Mit einem Fruchtgetränk erhöhen Sie also die Arbeitslast des Magen-Darm-Traktes, gießen quasi Öl ins Feuer. Deshalb sollten Sie am besten stilles Wasser trinken, weil Kohlensäure eine blähende Wirkung haben kann.

Tee ist eine sehr gute Alternative. „Vor allem Fenchel-Anis-Kümmel-Tee hat eine beruhigende Wirkung auf Magen und Darm“, weiß die Fachfrau. „Und auch Kamille oder Roibusch tun Ihnen gut.“ Weniger zielführend sind Pfefferminz- und Früchtetee. Der Pfefferminztee kann den Magen angreifen, der durch das viele Essen ja ohnehin schon in Aufruhr ist. Und der Früchtetee kann die Produktion der Magensäure anregen, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, sauer aufstoßen zu müssen.

Stimmt es, dass Käse den Magen verschließt?

„Wenn man über den Tellerrand hinaus gegessen hat, kann der Käse das Gefühl des Überfressenseins auch nicht verhindern“, stellt Veronika Albers klar. „Ich selbst habe aber festgestellt, dass Käse zum Abschluss einer Mahlzeit hilft, keinen Appetit mehr auf Süßes zu haben, dass also der Käse das Gefühl auslöst, tatsächlich nichts mehr zu brauchen.“

Letzten Endes gibt es aber kein Wundermittel, um rechtzeitig genug mit dem Essen aufzuhören, außer: „Man muss sich ein Stückweit selbst disziplinieren“, empfiehlt die Ernährungsberaterin im Hinblick auf künftige Gelage. „Das ist reine Kopfsache. Man muss seine Grenzen kennen und wahrnehmen, wann man satt ist. Dann sollte man sich sagen: Ich habe genossen, mein Magen ist voll.“

Hilft ein Verdauungsschnaps?

Ein Klassiker unter den Hausmittelchen: nach dem Essen ein Schnaps. Das sei gut für die Verdauung. Heißt es. Die Fachfrau hält wenig davon: „Alkohol kann neuen Appetit hervorrufen, weshalb man unter Umständen schnell wieder anfängt zu essen. Zudem enthält Alkohol leere Kalorien, er liefert also eine Form von Energie, die keinerlei Vitamine, Spurenelemente oder Mineralstoffe enthält.“

Zwar stimmt es, dass Alkohol den Stoffwechsel anregt, insofern ist ein Kern Wahres beim Glaube an den Verdauungsschnaps. Aber: „Die Leber reagiert sofort auf den Alkohol und will den als Erstes verstoffwechseln“, so Veronika Albers. Denn die Leber, unser Entgiftungsorgan, weiß, was wir alle nur allzu gern verdrängen: Alkohol ist ein Gift, das schädigen kann. Darum will die Leber schnellstmöglich dafür sorgen, es loszuwerden.

In der Folge wird die Verstoffwechselung aller anderen Lebensmittel, die man zu sich genommen hat, hintangestellt. Das bedeutet im Prinzip, dass wir langsamer verdauen und die Nährstoffe wegen des Alkoholabbaus nicht so schnell wie üblich zu den Zellen gelangen.

Sollte man Medikamente nehmen, wenn man sich überfressen hat?

Gegen Völlegefühl gibt es ebenso Medikamente wie gegen Blähungen; und Schmerzmittel gegen Bauchkrämpfe hat man auch immer zu Hause. „Wenn es Ihnen sehr schlecht geht und Sie Schmerzen haben, sich vielleicht kaum noch bewegen können, ist gegen die einmalige Einnahme eines Medikaments nichts einzuwenden“, so Veronika Albers. „Aber das Wissen, dass man ein potenzielles Gegenmittel hat, ist natürlich kein Freifahrtschein zum Essen ohne Ende.“

Außerdem sollten Sie erstens nicht mehrere Arzneien gleichzeitig nehmen, weil man als Laie etwaige Wechselwirkungen nicht einschätzen kann. Und darüber hinaus sollten Sie möglichst nur rezeptfreie Medikamente nehmen, weil es für verschreibungspflichtige Pillen und Tropfen eine bestimmte Indikation geben muss. Nehmen Sie diese nur, wenn Sie sie gut kennen, aber keinesfalls, weil ein Verwandter sie Ihnen beispielsweise aus seiner Hausapotheke anbietet.

Kann eine Bauchmassage helfen?

Wenn es Ihnen hilft, können Sie den Bauch sanft streicheln. Jedoch: „Von einer richtigen Bauchmassage würde ich abraten, weil es dafür spezielle Handgriffe braucht, die man gut erlernt und geübt haben sollte“, warnt Veronika Albers. Stattdessen können Sie sich ein Körnerkissen warm machen und auf den Bauch legen; das wirkt entkrampfend. Und dann ruhen Sie sich aus und vertrauen darauf, dass es Ihnen morgen besser geht. Gute Besserung!